Achim Stößer

Wie Bibeln und Christen zu Nichtmenschen stehen

Teil 2: Unser tägliches Fleisch gib uns heute

"Die Geschichte mit den Schweinen und mit Jesus ist eine der abenteuerlichsten und geheimnisvollsten, die ich so von Jesus erzählen kann", sagt ein Mann im Stroh, umringt von Schweinen und Kindern. "... der Mann war verrückt. Offenbar hatte er Dämonen, wie die Leute damals sagten, Dämonen, die in ihm wohnten. Keiner wollte mit ihm zu tun haben. Jetzt kam er auf Jesus zugelaufen und schrie: Jesus, Sohn Gottes, du kommst viel zu früh, du kommst vor der Zeit, laß uns leben. Und wenn du uns schon austreibst aus diesem Menschen, dann schick uns lieber in diese Schweine als sonstwohin, dann können wir wenigstens noch weiterleben." Die Schweine im Stall grunzen, als wüßten sie um das Schicksal der Schweine in der Geschichte. Illustrationen werden eingeblendet. "Jesus ging auf diesen Mann zu, faßte ihn an der Schulter, und in diesem Augenblick wurde der Mann ganz ruhig, aber die Schweine, die Schweine wurden auf einmal ganz aufgeregt, quietschten, schrieen, grunzten und stürzten sich, alle wie sie da waren, die ganze Schweineherde, die in der Nähe war, ins Meer."

Einer der Jungen im Stall fragt: "Und warum, äh, stürzten sich die Schweine in den See?" Anscheinend hat er seine spontanen Fragen besser auswendig gelernt als der Erzähler seine Stichworte.

"Weil Schweine offenbar weniger aushalten können als Menschen; wenn so was wie so 'ne Geisteskrankheit in den Menschen wohnt, das können sie noch irgendwie zitternd und sonstwo aushalten, aber wenn so 'ne Krankheit in Schweine kommt, überhaupt in Tiere kommt", als ob Menschen keine Tiere wären, sondern dem Pflanzen- oder Mineralreich zuzuordnen, "dann gehen sie zugrunde, dann gehen sie tot. Also, daß sie in den See sich stürzten war nur die Folge davon, daß sie offenbar geisteskrank wurden in diesem Augenblick." Offenbar.

Der Mann, der den Kindern diesen biblischen Unfug auftischt, ist kein anderer als Fernsehpfarrer Jürgen Fliege[ARD94]. Wenig später erfahren die Kinder von Fliege, daß "Kranke stinken" und Behinderte etwas an sich haben, das andere Menschen "gruslig oder fürchtend macht, unsicher und ängstlich macht."

"Aber wenn es keine Dämonen gibt", fragt ein Junge, "warum fürchten sich denn die Leute davon?"

Fliege nickt. "Irgendwas muß es geben."

Dämonen eben, wie schon die Bibel lehrt. Und die Kinder, denen Fliege das weismacht, glauben ihm natürlich, und lernen so ganz nebenbei wie aus vielen anderen biblischen Geschichten, daß es völlig in Ordnung ist, Tiere, beispielsweise Tausende von Schweinen zu umzubringen, schließlich hat das liebe Jesulein das auch gemacht.

Die Verantwortlichen

Die Ausgeburten der kranken Gehirne, welche die biblischen Geschichten erdachten, haben also auch was nichtmenschliche Tiere angeht fatale Auswirkungen bis in die Gegenwart. Schon auf dem Konzil von Toledo im Jahr 447 n.Z. beschrieben die Christen den Teufel offiziell als eine "große schwarze, monströse Erscheinung mit Hörnern auf dem Kopf und gespaltenen Hufen - oder einem gespaltenen Huf -, mit Eselsohren, Haaren, Klauen, glühenden Augen, furchtbaren Zähnen, einem riesigen Phallus und von schwefligem Gestank" (zit. nach[Rif92]) Schließlich ist "Das Tier" biblisches Synonym für das Böse (vgl. Offb 13).

Überspringen wir erst einmal ein paar Jahrhunderte, all die nichtmenschlichen Opfer der Inquisition etwa, die auf dem Scheiterhaufen endeten. Wie sieht das Verhältnis von Christen zu nichtmenschlichen Tieren in der Gegenwart aus?

Betrachten wir einige Gemmen aus zwei Schriften der zwei größten christlichen Sekten1, die beide hypokritisch die Phrase "Verantwortung des Menschen für das Tier" im Titel tragen,[Ver92] und[Ver93]. Zunächst die Evangelische Kirche Deutschlands: "Für die christliche Sicht des Verhältnisses von Mensch und Tier bleibt grundlegend, wie die Bibel [...] dieses Verhältnis bestimmt." (S. 4) Wie das aussieht, wurde schon im ersten Teil gezeigt, und entsprechend gilt heute: "In diesem Kontext ist die Beauftragung des Menschen zur Herrschaft über die Tiere2 und über die Erde insgesamt zu lesen und zu deuten. Sie macht auf fundamentale Unterschiede zwischen Menschen und ihren Mitgeschöpfen aufmerksam. Von der unveräußerlichen Würde und dem uneingeschränkten Lebensrecht jedes einzelnen kann nur beim Menschen die Rede sein." (S. 5) "Barmherzigkeit, Humanität und Gerechtigkeit sind unteilbar. Wird eingeschärft, daß sie das Verhältnis zum Tier bestimmen sollen, so ist zugleich daran zu erinnern, daß sie auch gegenüber den Menschen gelten, die - aus welchen Gründen auch immer - die Nutzung von Tieren beruflich betreiben." (S. 14) Der Kernsatz der Erörterung von "problematischen Umständen" bei "der Haltung [...], dem Tiertransport und der Schlachtung" lautet: "Prinzipiell läßt sich [...] gegen die Tötung von Tieren zum Zwecke der menschlichen Ernährung nichts einwenden" (S. 15) Und auch die folgenden Dogmen zeigen eine Wahrnehmungsstörung, wie sie deutlicher kaum sein könnte: "Daß Menschen unter ethischen Gesichtspunkten das Recht haben, Tiere zu eigenem Nutzen zu halten, ist im Prinzip nicht strittig." (S. 17). "Die Tätigkeit des Jägers [...] bleibt auch unter den heutigen, veränderten Verhältnissen im Rahmen der Hege und Pflege von Wald und Flur notwendig und im Sinne der Nutzung des Wildtierbestandes für die menschliche Ernährung - jedenfalls für die meisten - ethisch vertretbar." (S. 20) "Die Nutzung tierischer Felle (und Häute) ist nicht als solche problematisch; wo Tiere aus anderen Gründen getötet werden (oder sterben), kann gegen die Verwendung ihrer Felle (und Häute) nichts eingewendet werden." (S. 22) "Übergroße Bestände [von Stadttauben oder streunenden Katzen] müssen auf jeden Fall reduziert werden." (S. 26) etc. ad nauseam. Heuchlerisch geht es weiter (nachdem bereits von "schonende[r] Tötung", S. 22, die absurde Rede war): "Im Unterricht und Gottesdienst hat die Kirche wichtige Möglichkeiten, in den Kindern, den Heranwachsenden und Erwachsenen die Liebe zur Schöpfung zu wecken und den Grund für ein sorgfältiges, barmherziges, humanes Umgehen mit allen Geschöpfen zu legen." (S. 26) "Soweit in kirchlichen Anstalten landwirtschaftliche Betriebseinheiten bestehen, müssen Aufzucht und Haltung der Tiere artgerecht erfolgen und von liebender Sorge geprägt sein." (S. 27)

Die den gesamten Text durchziehende Heuchelei wird übrigens mehrfach euphemistisch zum "Dissens" (u.a. S. 54) geadelt.

Fazit: "Wir Menschen sind berechtigt, Leistungen und Leben der Tiere in Anspruch zu nehmen."[Hir80]

Die - katholischen - "Positionen" der Deutschen Bischofskonferenz[Ver93] lesen sich so: "Es herrscht weitgehend Konsens darüber, daß der Mensch in dieser Welt das einzige vernunftbegabte Wesen ist." (S. 8; entgegen diesem Konsens sei die Anmerkung gestattet, daß es hier zahlreiche Gegenbeispiele gibt: nicht nur vernunftbegabte nichtmenschliche Tiere zuhauf, sondern offenkundig Milliarden Gläubige bar jeder Vernunft). "Einzig der Mensch, geschaffen nach dem Ebenbild Gottes", fährt der Text verlogen fort, "besitzt hinsichtlich seines Handelns die Möglichkeit einer freien Entscheidung. [...] Als alleiniger Träger der Vernunft hat der Mensch die Möglichkeit, als Sachwalter für Gottes Schöpfung darüber hinaus das Recht, die ihn umgebenden Tiere und Pflanzen sowie die unbelebte Natur zu 'nutzen'." Abstriche werden zwar diesbezüglich großzügig gemacht, was "Tierversuche[n] zum Zwecke der Erforschung neuer Kosmetika" (S. 11), "Luxusprodukte" wie "Pelzmantel" und "Gänsestopfleber" (S. 12f) etc. betrifft. Jedoch: "Im Unterschied zum Menschen als Personwesen haben Pflanzen und Tiere kein unantastbares individuelles Lebensrecht." (S. 24, aus einer Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz, 1980). "Natürlich stehen Tiere im Dienst der Menschen und können daher Gegenstand von Experimenten sein." (S. 24, Ansprache von Papst Johannes Paul II, 1982). So lautet eine der "Anregungen für den schulischen Religionsunterricht" (S. 46, Euphemismus für Indoktrination von Kindern mit religiösem Wahn): "Die Sonderstellung des Menschen als Ziel und Mitte der Schöpfung und seine gestufte Solidarität mit den Mitgeschöpfen bleibt dabei eine grundlegende Gegebenheit." Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen: Ausbeutung anderer Spezies ist "gestufte Solidarität". "Diese christlich motivierte sittliche Verpflichtung zur Bewahrung der Schöpfung folgt [...] aus einer Heilszusage, die allein dem Menschen zukommt und ihn vom Tier qualitativ unterscheidet: aus seiner Gottebenbildlichkeit." (S. 48)

Noch deutlicher wird der Katholische Katechismus: "Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gesellt, den er nach seinem Bild geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen zulässig, weil sie dazu beitragen, menschliches Leben zu heilen und zu retten. [...] Auch ist es unwürdig, für [Tiere] Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte3. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt." (S. 45)

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein4

Soweit die offizielle Meinung der Mehrheit der Christen, die sich in zahlreichen Einzelereignissen manifestiert. So etwa in der Aussage der christlichen Initiatorin einer Perversität, die sich "Friedensgrillen" nennt - Eva-Maria Weigert: "Für uns steht im Vordergrund, daß jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist. Die lockere Atmosphäre beim Grillen, das ungezwungene - es hilft uns auf unserem Weg zur gelebten Nächstenliebe."5[Zei02] Sie gehört, wie ihr Mann Pastor Frank Weigert, der sich mit seinen Kollegen zu etwas trifft, das sie "Pastorengrillen" nennen, zur Münchner Agape6-Gemeinschaft. Die Hauptarbeit einer anderen christlichen Organisation7 ist es, Gatterjagden zu veranstalten, bei denen behinderte Jugendliche als "Therapie" eingepferchte Tiere abknallen[Ani02]. Für den letzten Kirchentag in Deutschland wurde speziell in Därme gepreßte Leichen aus der Küche des Vatikan importiert - viele werden sich noch an die verzerrte Fratze des Priesters erinnern, der sie so fotogen in die Kamera hielt, daß das DPA-Bild von einer Vielzahl von Zeitungen übernommen wurde. Nur am Rand sei erwähnt, daß Papst Innozenz III. aus "medizinischen" Gründen Blut trank - das Blut dreier zehnjähriger menschlicher Jungen, die dies nicht überlebten. Relevanter doch, ganz allgemein und -täglich, das "Wort zum Sonntag": "Wir bekennen, in den Tieren oft nur Maschinen zu sehen, die wir gebrauchen und verbrauchen, die möglichst viel einbringen und möglichst wenig kosten sollen. Und wir beten darum, daß wir sie wieder als Lebewesen sehen - uns vom Schöpfer anvertraut." Während der erste Satz noch halbwegs vielversprechend klingt, sollte der zweite schon stutzig machen; und richtig, die Pfarrerin fährt fort: "Mitgeschöpfe, mit denen wir leben und von denen wir leben dürfen - von deren Milch, Eiern oder Fleisch. Dankbar wollen wir ihnen sein."[Wer01]

Doch es sind nicht nur solche Einzelfälle, sondern vielmehr verbreitete gesellschaftliche Phänomene, die aus dieser christlichen Einstellung den Tieren gegenüber folgen.

Freitags sind Fischleichen in Kantinen, Mensen und Restaurants allgegenwärtig - aufgrund der christlichen Regel, freitags kein "Fleisch" zu verzehren, und weil Fische - zumindest für Leute, die mehr an Religion8 als an Realität interessiert sind - ja irgendwie keine "richtigen" Tiere sind (so wie, entgegen biologischer Wirklichkeit Menschen für sie nicht zu den Tieren zählen, jedoch mit entgegensetzten Konsequenzen). Auch andere Tiere sind von christlichen Gebräuchen betroffen. Solche christlichen Fastenregeln führen bisweilen zu absonderlichstem (und selbstentlarvendem) Verhalten. So erklärten Missionare, zur Freude christlicher Konquistadoren9, die südamerikanischen Wasserschweine (die größten noch lebenden Nagetiere) kurzerhand zu Fischen, was sie zu einer beliebten "Fastenspeise" machte. Um auch während der Fastenzeit Leichen konsumieren zu können, zerhackten Zisterzienser des Klosters Maulbronn die Körperteile, färbten sie zur Tarnung mit Spinat und Petersilie grün und verhüllten sie mit Nudelteig - die schwäbischen Maultaschen waren erfunden.

Zum Martinstag werden allein in Deutschland über sechs Millionen Gänse getötet - willkommener Vorwand ist die Legende, Martin von Tours habe sich versteckt, um der Wahl zum Bischof zu entgehen, sei aber durch schnatternde Gänse verraten worden, oder auch die, Gänse hätten ihn in der Kirche bei einer Predigt unterbrochen, seien dafür gefangengenommen, umgebracht und gebraten worden, so daß heute in einer Art Sippenhaft Gänseleichen vor allem an diesem Tag - und Weihnachten - konsumiert werden. In unzähligen Hubertusmessen segnen Priester etwa unter dem Motto "Bewahrung der guten Schöpfung Gottes" die Bluttaten der Jäger, die dann den Choral "Großer Gott wir loben dich" erklingen lassen[Krü01]. Es wird versucht, Zoos zu euphemisieren als "Arche Noah", wobei Arterhaltung als Motiv vorgeschützt wird, einer "Arche Noach, in welcher der Mensch einen Rest von Schöpfung gegen eine von ihm selbst veranstaltete Sintflut schützte", wie es ein Hirtenschreiben in selbst für Bischöfe verblüffend dreister Umkehrung der biblischen Schilderung in anderem Kontext formuliert[Hir80].

Die biblischen Geschichten, von denen hier bereits einige dargestellt wurde, dienen der Indoktrination von Kindern in Kindergärten, "-gottesdiensten" und Schulen; wer hat nicht als Kind von der bösen Schlange gehört, die zur Strafe dafür, daß sie die Menschen im Paradies verführte, Gottes Willkürgebot zu brechen, fortan verflucht war: "Auf dem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage Deines Lebens." (Gen 3:14) - wobei sich die Frage stellt, wann und wodurch sich ihre Ernährung inzwischen gewandelt hat und vor allem, wie sie sich vorher fortbewegte, etwa Schwanz im Mund als Reifen rollend? -; von der globalen, speziesübergreifend nahezu genoziden Überschwemmung, ausgelöst von einem angeblich lieben Gott (Gen 6-9); von den zehn leichenreichen, wie aus einem Stephen King-Schmöker gefallenen Plagen, mit denen Gott die Ägypter heimsuchte (Ex 7-12) samt anschließender hollywoodreifer Überflutung des Moses verfolgenden Reiterheeres (Ex 14:15-31); von Sodom und Gomorra, auf die Gott Feuer und Schwefel regnen ließ (Gen 19:24), so daß alle dort lebenden Menschen und andere Tiere lebendig gegrillt wurden; von der "Speisung der 5000" durch Jesus, der ein Picknick veranstaltete, bei dem er nicht nur Brot, sondern auch Fischleichen verteilte (Mk 6:30-44). Gerade Kinder werden vielfach zu Dankgebeten für "Speis' und Trank", in der Regel Leichen, gezwungen. Zur Erinnerung: "Im Unterricht und Gottesdienst hat die Kirche wichtige Möglichkeiten, [...]".[Ver92]

Absichtlich oder gedankenlos wird das Wort "Geschöpf" gebraucht, das einen Schöpfer impliziert (hier zeigt sich bei genauerer Betrachtung auch häufig eines der wahren Motive hinter christlichem "Tierschutz": nicht um die Tiere geht es, sondern darum, Gott nicht die Spielsachen kaputt zu machen).

Was die oben zitierten "landwirtschaftliche Betriebseinheiten", die "in kirchlichen Anstalten bestehen" betrifft: gerade Klöster sind voll von Tierausbeutungsanlagen. Ob Legebatterien wie die im Kloster Reute, gegen die es vor einigen Jahren Proteste verschiedener Tier"schutz"organisationen - nicht ganz uneigennützige, weil von einem "Bioeier"produzenten initiierte, was wohl erklärt, daß nur gegen der Käfighaltung, nicht gegen die Gefangenhaltung der Hühner an sich oder die der Schweine auf Spaltenböden, ebenfalls in diesem Kloster, protestiert wurde - gab[Fal97], wobei der Biotierausbeuter gleich in einer Postille einer Konkurrenzsekte zum "Tierschützer" stilisiert wird: "Der heilige Franz von Assisi hätte sich geschämt, wenn er so etwas hätte mit ansehen müssen", wird Fallenbeck da zitiert.[Wei97], oder bei den Nonnen im "Gut Neuhof", Franziskanerinnen, die Drogenkonsumenten, staatlich subventioniert, von der substanzgebundenen in eine geistige Abhängigkeit treiben, sie dabei sklavenähnlich nach dem Motto "ora et labora", bete und arbeite, bei der Ausbeutung von gefangenen Schafen, Hühnern, Schweinen usw. einsetzen[Orb02]; eine "eigene Metzgerei" steht kurz vor der Fertigstellung. Dies sind nur zwei Beispiele, in Hunderten von Klöstern wird Fischzucht betrieben, werden Eier, Käse, Honig "hergestellt", Ziegen und Enten gefangengehalten und umgebracht.

In nomine patris et filii et spiritus sanguinei10

Dagegen mutet die katholische Transsubstantiationslehre, gemäß derer sich Oblaten und Wein tatsächlich - nicht nur symbolisch - während der Eucharistie in "Leib und Blut Christi" verwandeln, was selbst den wenigsten Katholiken bekannt sein dürfte, da Christen meist gar nicht so recht wissen, was sie denn da glauben (sollen), fast harmlos an. Ein Hokuspokus11, der wie selbstverständlich allsonntäglich in den Kirchen aufgeführt wird, welcher eigentlich Siegfried und Roy oder David Copperfield vor Neid erblassen lassen müßte, jedoch allenfalls Anlaß gibt für müde Insiderscherze über Vegetarier, die beim Abendmahl dann doch lieber ein Stück von der Dornenkrone hätten. Eine kriminaltechnische Untersuchung des so verwandelten Weins würde aber wohl weniger die DNS des Heilands als die von Schweinen oder Stören zutage fördern, mit deren Gelatine bzw. Hausenblase12 der Wein geschönt wurde. Die Hostie immerhin dürfte der einzige Fall sein, wo ein vermeintlich nichtveganes Produkt, der Kadaver eines Halbgotts, in Wahrheit vegan ist ...

Wahnsinn mit Methode. Weltweit bekennen sich fast zwei Milliarden Menschen, also jeder dritte, zum Christentum. Sicher existieren auch andere Ursachen als Religion, so wie es auch andere Gründe für Kriege gibt (etwa jeder zweite zur Zeit geführte ist religiös bedingt), und es befinden sich durchaus auch Atheisten in Schützengräben und Steakhäusern. Aber während Gottes vermeintlicher Wille geeignet ist, jegliche Tat zu rechtfertigen, läßt sich dies mit der Abwesenheit eines Glaubens an Götter eben nicht tun.

Das Christentum also ist eine der Hauptursachen für den Umgang von Menschen mit nichtmenschlichen Tieren in dieser Gesellschaft.

Fußnoten

  1. Das Wort Sekte (lat. secta "unterschiedliche Denk- und Handlungsweise", "Partei") bezeichnet eine religiöse Gemeinschaft, die sich von einer anderen losgelöst hat (demnach ist beispielsweise das Christentum eine aus dem Judentum, der Islam eine aus Juden- und Christentum, der Katholizismus eine aus dem Christentum, der Protestantismus eine aus dem Katholizismus entstandene Sekte usf.); häufig in abwertendem Sinn von einer Sekte über die andere gesagt
  2. "Furcht und Schrecken" etc., 1. Mose 1, 27f; vgl. Ps 8,7-9: "Du machst ihn [den Menschen] zum Herrscher über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gestellt: Schafe und Rinder allesamt und auch die Tiere des Feldes, Vögel des Himmels und Fische des Meeres, was die Pfade der Meere durchzieht."
  3. Das Vermögen von katholischer und evangelischer Kirche in Deutschland wird mit 500 Milliarden Euro beziffert, abzüglich unveräußerlicher Kirchengebäude immerhin noch 327 Milliarden[Fra02]
  4. Mt 4:4, Lk 4:4 nach Deu 8,3
  5. Der zweite Satz ist nur in der Programmankündigung zur Reportage zu finden, in der ausgestrahlten Fassung wurde er geschnitten.
  6. "Liebesmahl" in der altchristlichen Gemeinde (grch agape "Liebe")
  7. Special Youth Challange Ministries
  8. der Glaube an übernatürliche Kräfte und deren kultische Verehrung
  9. spanische und portugiesische Eroberer Süd- und Mittelamerikas im 16. Jahrhundert
  10. "im Namen des Vaters, des Sohnes und des blutigen Geistes", in Anlehnung an die christliche Zauberformel, die im Original "... et spiritus sancti", des Heiligen Geistes, lautet
  11. dies ist übrigens eine Verbalhornung von "hoc est corpus meum", "dies ist mein Leib", ebenfalls aus der Abendmahlsliturgie
  12. eine Gelatine aus der aufbereiteten Schwimmblase von Fischen, die hauptsächlich zum Klären von Wein oder Bier verwendet wird

Literatur

Ani02
Animal People, Mai 2002
ARD94
"Gott und die Welt: Von Schweinen und Dämonen" , ARD, 6. Feb. 1994
Fal97
Demonstrationsaufruf gegen die Käfighaltung des Klosters Reute, Fax des "Hühnerfreilandhofs Fallenbeck/Becker", 3. Aug. 1997
Fra02
Frankfurter Rundschau, 8. Feb. 2002, zit. nach[Miz02]
Hir80
Hirtenschreiben der deutschen Bischöfe 28, 1980
Krü01
Pastor Matthias Krüger, "Die Schöpfung bewahren", Nordelbische Kirchenzeitung, 25. November 2001
Orb02
ORB, "Brandenburg aktuell", HR3, 22. März 2002
Miz02
MIZ, Materialien und Informationen zur Zeit, Nr. 1/02
Rif92
Jeremy Rifkin: "Das Imperium der Rinder", Campus, 1992
Ver92
Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.): "Zur Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf", 1992
Ver93
Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.): "Die Verantwortung des Menschen für das Tier", 1993
Wei97
Das Weiße Pferd, Nr. 19, 1997
Wer01
Mechthild Werner, "Das Wort zum Sonntag", ARD, 27. Januar 2001
Zei02
"Deutschland grillt" in "Zeichen der Zeit", Südwest 3, 9. Juli 2002
Bibeln, denen die Zitate entnommen wurden
Elb92
"Revidierte Elberfelder Bibel", 1992
Gut97
"Gute Nachricht Bibel", 1997
Jer73
"Jerusalemer Bibel", 1973
Lut84
"Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luther in der revidierten Fassung von 1984", 1984

zu Teil 1: Furcht und Schrecken sei über allen Tieren


zuerst erschienen in Voice, Nr. 30, Juli 2002
URL: http://antispe.de/txt/unsertaeglichesfleisch.html auf antiSpe.de