Martin Pätzold

Neuer Tierschutz – Anspruch und Wirklichkeit

Kurzzusammenfassung: Die Strategie des Neuen Tierschutzes bzw. Reformismus ist zurzeit vorherrschend. Der Reformismus nimmt für sich in Anspruch, die effektivste Methode für die Beendigung der Tierausbeutung zu sein. Um dies zu überprüfen wird in diesem Artikel zuerst gefragt, was eine effektive Methode auszeichnet, mit anderen Worten: woran sich „Schritte in die richtige Richtung“ messen lassen. Davon ausgehend werden allgemeine Argumente vorgebracht, die gegen den Reformismus sprechen und anschließend werden Argumente, die für den Reformismus sprechen, kritisch diskutiert. Letztlich zeigt sich, dass keines der Pro-Argumente geeignet ist, um ihn zu verteidigen. Im dritten Kapitel wird zum einen der Ausgangsfrage nachgegangen (Erzielt der Reformismus Erfolge, die auf die Beendigung der Tierausbeutung hinarbeiten?). Das Ergebnis der ersten Frage ist: Das tut er nicht, denn Reformen stabilisieren die Tierausbeutungsindustrie und schaden ihr nicht. Das ist darauf zurückzuführen, dass sie die Produktivität der Tierausbeutungsindustrie erhöhen können und dass sie den Verbrauchern ein gutes Gewissen beim Konsum von Tierprodukten vermitteln, was den Absatz der Produkte stabilisiert oder erhöht. Zum anderen wird das Phänomen untersucht, weshalb der als Strategie ungeeignete Reformismus bis heute wirkungsmächtig ist. Das Ergebnis lautet: Weil es sich bei Tierschutzorganisationen um Spendensammelorganisationen handelt und Reformismus die beste Möglichkeit darstellt, Spenden einzunehmen. Im vierten Kapitel wird als Alternative zum Reformismus die Strategie des Abolitionismus kurz skizziert.


Inhalt Kapitel

0. Einleitung

1. Allgemeine Gegenargumente

2. Diskussion der Pro-Argumente

2.1 Politik

2.2 Wirtschaft

2.3 Strategie

2.3.1 Teilbereich Tierrechte

2.3.2 Teilbereich Veganismus

3. Die Wirkungsmächtigkeit des Reformismus

3.1 Nebenursachen

3.2 Hauptursache: Die Profitabilität des Reformismus

3.2.1 Tierschutzorganisationen

3.2.2 Tierausbeuter

3.2.3 Zusammenarbeit

4. Die Alternative: Abolitionismus

5. Fazit und Zusammenfassung

6. Quellen



Inhalt Einzelpunkte

0. Einleitung

1. Allgemeine Gegenargumente

1.  Reformismus für ein geeignetes Mittel zur Abschaffung eines Systems zu halten, ist ein methodischer Denkfehler. 
2.  Es gibt keine historischen Anhaltspunkte dafür, dass in vergleichbaren Situationen die Abschaffung eines Unrechtssystems über Reformismus erreicht wurde. 
3.  Stattdessen gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die bisherigen Reformen keine signifikanten Ergebnisse in Richtung Abschaffung erzielt haben. 
4.  Es ist eine methodische Fehlannahme, dass grundlegender sozialer Wandel durch die Beeinflussung der Politik („von oben“), statt durch die Beeinflussung der Bevölkerung („von unten“) zustande käme. 
5.  Die Förderung von Vegetarismus statt Veganismus und Tierschutzzielen statt Tierrechtszielen ist ethisch inkonsistent und stiftet Verwirrung. 

2. Diskussion der Pro-Argumente
2.1 Politik

6. „Der Druck auf die Politik hat bedeutende Gesetzesänderungen hervorgebracht.“

2.2 Wirtschaft

7.  „Reformen machen die Herstellung teurer. Das bedeutet finanzielle Verluste für die Tierausbeutungs-Betriebe.“
8.  „Reformen machen Tierprodukte teurer. Wenn der Preis steigt, werden sie weniger gekauft.“
9.  „Die Tierausbeutungsindustrie wehrt sich gegen Reformen. Das beweist, dass sie ihr schaden.“

2.3 Strategie

10.  „Man kann die Tierausbeutungsindustrie nicht über Nacht abschaffen.“
11.  „Abolitionismus bedeutet ‚Alles oder nichts‘.“
12.  „Reformismus ist sinnvoll, da er auf der Stufentheorie beruht.“
13.  „Genauso, wie man einem Tier in einer aktuellen Notlage helfen würde, muss man allen Tieren per Reform helfen.“
14.  „Auch Menschenrechtsorganisationen fordern in bestimmten Fällen nicht die Freilassung von politischen Gefangenen, sondern Haftverbesserungen.“
15.  „Umweltaktivisten plädieren auch nicht für die Abschaffung (z.B. von Elektrizität, obwohl jede Form von Energiegewinnung umweltschädigend ist), sondern nur dafür, Energie zu sparen (z.B. durch das Benutzen von Energiesparlampen).“
16.  „Reformen helfen den jetzt lebenden Tieren, indem sie ihr Leiden vermindern. Abolitionismus hilft den jetzt lebenden Tieren nicht.“
17.  „In der derzeitigen Lage muss man pragmatisch sein.“
18.  „Reformen konzentrieren sich auf leicht erreichbare Ziele. Die bedeuten so wenig Aufwand, dass es nicht falsch sein kann, sie anzustreben.“
19.  „Die Tierrechtsidee überfordert die Menschen, sie wird nicht akzeptiert.“
20.  „Menschen sind nicht rational. Über philosophische Konzepte wie Tierrechte, Sentientismus oder Personenstatus zu sprechen, erreicht die meisten Menschen nicht, da sie das nicht verstehen oder damit nicht viel anfangen können.“
21.  „Die Arbeit mit Foto- und Videomaterial aus Tierausbeutungsbetrieben, kann immer so interpretiert werden, als sollten damit nur Missstände gezeigt werden. Der Abolitionismus müsste darauf verzichten und damit auf ein wirksames Aufklärungsmittel.“
22.  „Wenn, wie von Abolitionisten argumentiert wird, manche Reformen die Situation der Tiere nicht verbessert haben, wie sollen dann Folgen wie die Gewissensberuhigung der Konsumenten zustande kommen?“
23.  „Man kann die Tierausbeutungsindustrie durch konfrontative Kampagnen stückweise abschaffen, ohne das Bewusstsein der Menschen ändern zu müssen.“
24.  „Es gibt keinen Beweis, dass Abolitionismus besser funktioniert als Reformismus.“
25.  „Man kann beide Strategien (Reformismus und Abolitionismus) parallel verfolgen.“
26.  „Statt Tierschützer zu kritisieren, sollte man sich auf die wirklichen Feinde, die Tierausbeuter, konzentrieren.“
27.  „Wir brauchen nicht noch mehr Diskussionen über Theorie- und Strategiefragen.“
28.  „Abolitionisten wollen, dass Tiere leiden, damit die Menschen besser vom Veganismus überzeugt werden können.“
29.  „Dass für populäre Tierschutzziele geworben wird, gewährleistet, dass die Tierschutzgruppen groß bleiben. Mit dem Einfluss, der aus dieser Größe resultiert, kann besser für Veganismus geworben werden, als wenn sie klein wären.“
30.  „Wer durch Tierschutz angesprochen wird, ist für Tierrechte empfänglicher. Daher ist es sinnvoll, erst für Tierschutz zu werben.“
31.  „Abolitionisten kümmern sich um ihre ethische Reinheit, statt um die Wirksamkeit der Strategie. Man muss bei strategischen Fragen von der Praxis ausgehen, nicht von dem, was theoretisch richtig ist.“
32.  „Reformisten ‚Neue Tierschützer‘ zu nennen, ist beleidigend. Stattdessen sind sie auch Abolitionisten, denn alle, die für die Abschaffung eintreten, können sich so nennen.“

2.3.2 Teilbereich Veganismus

33.  „Die Forderung nach Veganismus überfordert die Menschen.“
34.  „Alle Veganer waren vorher Vegetarier. Dieser Übergang ist notwendig.“
35.  „Auch wenn Vegetarismus als Übergang nicht notwendig ist, ist er hilfreich, weil es ein größerer Schritt vom Fleischesser zum Veganer ist als zum Vegetarier.“
36.  „Man soll nicht versuchen, einzelne Menschen vom Veganismus zu überzeugen, sondern die Gesellschaft an sich vegan machen, dann werden die Menschen automatisch vegan, weil Veganismus die einfachste Lebensweise ist.“
37.  „In Gesellschaften mit viel Tierschutz gibt es viele Veganer, in Gesellschaften mit wenig Tierschutz gibt es wenige. Das beweist, dass Tierschutz Veganismus fördert.“

3. Die Wirkungsmächtigkeit des Reformismus
3.1 Nebenursachen

38.  Tierschutz ist historisch dominant. 
39.  Die Behauptung des Tierschutzes, den Tieren durch seine Maßnahmen zu helfen, wird intuitiv akzeptiert, nicht aber überprüft. 

3.2 Hauptursache: Die Profitabilität des Reformismus
3.2.1 Tierschutzorganisationen

40.  Die Verhältnis zwischen Spender und Organisation. 
41.  Die Methoden zur Spendergewinnung und -bindung. 

3.2.2 Tierausbeuter

42.  Tierschutzstandards erhöhen die Effektivität der Produktion. 
43.  Tierschutzstandards verbessern die Verkäuflichkeit von Tierprodukten. 

3.2.3 Zusammenarbeit

44.  Tierschutzorganisationen arbeiten mit Tierausbeutern zusammen. 

4. Die Alternative: Abolitionismus

45.  Teilziel Abschaffung der Tierausbeutungsindustrie. 
46.  Teilziel der Förderung des Veganismus. 
47.  Weitere Aktivitäten.

5. Fazit und Zusammenfassung

6. Quellen



0. Einleitung1

Unterscheidung Neuer/Alter Tierschutz. In diesem Artikel wird nur der Neue Tierschutz diskutiert. Diesen muss man vom Alten Tierschutz unterscheiden. Der Alte Tierschutz stellt nicht grundsätzlich in Frage, dass man (nichtmenschliche) Tiere für menschliche Zwecke gebrauchen und töten darf, sondern schränkt sie lediglich dahingehend ein, dass dies „human“ geschehen solle. Da die Vertreter des Alten Tierschutzes nicht die Absicht haben, die Tierausbeutung abzuschaffen, ist es von einem antispeziesistischen und tierrechtlerischen Standpunkt aus überflüssig, ihn hinsichtlich Strategiefragen zu diskutieren.

Charakterisierungen. Der Neue Tierschutz dagegen behauptet, auf einem antispeziesistischen Standpunkt zu stehen und die Tierausbeutung abschaffen zu wollen. Viele neutierschützerische Organisationen bezeichnen sich daher teilweise auch als „Tierrechtsorganisationen“. Seine Strategie, um diese Abschaffung „langfristig“ zu erreichen, ist die Reformierung einzelner Bereiche oder Aspekte der Tierausbeutungsindustrie.2 Strategisch betrachtet lässt sich dies daher unter dem Stichwort „Reformismus“ zusammenfassen. Zu seinen Merkmalen zählt weiter, dass meist Vegetarismus statt Veganismus propagiert wird. Die Grenze zum Alten Tierschutz ist oftmals fließend ist, das äußert sich beispielsweise immer wieder in (neu-)speziesistischer Argumentation.3 Die Gegenposition, die sich dazu etabliert hat, ist der Abolitionismus, der als auf einer kompromisslos antispeziesistischen Grundlage den Tierrechtsgedanken betont. Demzufolge ist Veganismus der Mindeststandard, den man fordern und fördern soll. Der Abolitionismus widerspricht, dass die Abschaffung über Reformen erreichbar sei, und setzt stattdessen auf schrittweise Veränderungen, wie die Änderung der Gesellschaft durch die Überzeugung einzelner Personen und die (Teil-)Abschaffung von Ausbeutungsbereichen. Zu konkreten Aktionszielen des Abolitionismus siehe Kapitel 4.

Messung von Erfolg. Die Gemeinsamkeit zwischen Neuem Tierschutz und Abolitionismus besteht darin, dass beide das Ziel vertreten, die Tierausbeutungsindustrie abschaffen und Veganismus etablieren zu wollen. Gemeinsam ist beiden weiter, dass dies nicht „über Nacht“ geschehen kann und wird, sondern schrittweise erfolgen muss und wird. Die Kernfrage ist, was Schritte in die richtige und was Schritte in die falsche Richtung sind. Dazu ist es notwendig, Schritte in die richtige Richtung – kurz gesagt: Erfolg – zu messen. Dies ist die Grundlage, um die Wirksamkeit des Reformismus im Folgenden zu beurteilen.

Schritte auf dem Weg zur Abschaffung gibt es auf verschiedenen Ebenen. Die beiden Teilziele sind (a) die Abschaffung der Tierausbeutungsindustrie und (b) die Etablierung des Veganismus. Faktoren, die zu diesen Ebenen beitragen, sind auf der


1. Allgemeine Gegenargumente

1.  Reformismus für ein geeignetes Mittel zur Abschaffung eines Systems zu halten, ist ein methodischer Denkfehler. 

Reformen sind Mittel, um angeschlagene Systeme durch deren Neu- oder Umgestaltung zu bewahren. Reformen sind immer Mittel zum Erhalt. Eine Reform, die einem System wirklich schadet, ist eine fehlgeschlagene Reform. Wenn das Ziel die Abschaffung oder zumindest eine Schädigung ist, sollte einsichtig sein, dass eine Veränderung des Systems genau dann anfängt nützlich zu sein, wenn sie keine Reform mehr ist, sondern eine Abschaffung (evt. eines Teilbereichs).

Das gilt besonders für Reformen, die von den Unternehmen selbst durchgeführt werden. Kein Unternehmen würde eine Reform akzeptieren, die ihm wirklich schaden könnte. Die Unternehmen akzeptieren nur solche Reformen, die ihnen nützen. Wenn man einem Tierausbeutungsunternehmen oder -unternehmenszweig schaden will, kann eine Reform kein geeignetes Mittel dazu sein.


2.  Es gibt keine historischen Anhaltspunkte dafür, dass in vergleichbaren Situationen die Abschaffung eines Unrechtssystems über Reformismus erreicht wurde. 

In den bisherigen sozialen Bewegungen zur Abschaffung eines Unrechtssystems gab es gemäßigte Strömungen, die den Großteil der Aktivisten darstellten. Sie wollten den Zustand nicht „radikal“ ändern, sondern langsam. Die Dynamik und damit die treibende Kraft in diesen Bewegungen waren jedoch die „Radikalen“, die kompromisslos die Abschaffung forderten. So war es bei der Abschaffung der Sklaverei der westlichen Welt, beim Frauenwahlrecht und bei der Bürgerrechtsbewegung in den USA.

Dabei ist es richtig anzumerken, dass das System trotzdem nicht immer sofort gänzlich beseitigt wurde. Meist gab es Übergänge. Trotzdem ist sich die Forschung weitestgehend einig, dass ohne die Radikalisierung der Forderungen und Proteste weniger erreicht worden wäre bzw. der Weg bis zur endgültigen Abschaffung länger gedauert hätte.4


3.  Stattdessen gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die bisherigen Reformen keine signifikanten Ergebnisse in Richtung Abschaffung erzielt haben. 

Die Strategie, von der Tierausbeutungsindustrie Reformen zu fordern, gibt es im weiteren Sinn seit deutlich mehr als einhundert Jahren. Im engeren Sinn, d.h. in der Strategie des Neuen Tierschutzes, der die Abschaffung durch Reformen anstrebt, gibt es sie seit gut 20 Jahren. Die bisherigen Ergebnisse sprechen nicht für diesen Ansatz.

Beispiel Tierversuche: Der Bereich Tierversuche ist der am strengsten regulierte, mit den meisten Beschränkungen belegte und unter ständigen Reformen stehende Bereich der Tierausbeutung. In England gibt es seit gut 200 Jahren Proteste gegen Tierversuche, die in den letzten Jahren massiver waren als bisher. Trotz der schon seit Jahrzehnten bestehenden „3 R“-Strategie, die unter anderem die Reduzierung der Tierversuche vorsieht, sieht das Ergebnis des Jahres 2008 wie folgt aus:5

Auch andere Reformen haben der Tierausbeutungsindustrie nicht im Geringsten geschadet.

Beispiel Ferkelkastration: Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration steht in vielen europäischen Ländern zurzeit im Fokus. In der Schweiz ist diese Praktik seit 2010 verboten, die Niederlande streben ein Verbot für 2015 an. In Norwegen ist es bereits seit 2003 verboten. Dort hat sich die Produktion von Schweinefleisch seitdem von 50 700 auf 60 000 Tonnen (2003 auf 2010) jährlich erhöht.6 Der Konsum von Schweinefleisch ist von 106 000 auf 123 000 Tonnen (2003 auf 2009) jährlich gestiegen.7

Beispiel Legebatterieverbot: Das Verbot der konventionellen Käfighaltung besteht in der Schweiz bereits seit 1992. Dort hat sich seitdem hat sowohl der Konsum, als auch die Produktion von Eiern erhöht.8

Auch die Erfolge, die einen Produktionsbereich deutlich verändert haben, haben für die einzelnen Tiere meist nur Auswirkungen zum Schlechteren bewirkt.

Beispiele: In vielen europäischen Ländern ist die sog. Pelztierhaltung vollständig oder teilweise verboten. Der Verkauf von Pelzen und Pelzprodukten ist dennoch nicht signifikant gesunken, sondern teilweise trotz Verbot gestiegen.9 Durch die Schließung von Pelzfarmen stirbt kein Tier weniger, sondern nur in anderen Ländern, und das Fell wird anschließend importiert. –
Die Schließung eines Tierversuchslabors bewirkt meist nur, dass die Tierversuche in einem anderen Labor durchgeführt werden. Teilweise verlegen die Firmen ihre Labore ins ost- oder außereuropäische Ausland.10 Durch die Schließung von Tierversuchseinrichtungen stirbt kein Tier weniger, sondern nur in anderen Ländern.

Wenn man erreichen will, dass weniger Tiere sterben, muss man die Nachfrage senken. Nationale Verbote sind angesichts einer globalen Wirtschaft wirkungslos, da die Nachfrage durch Importe gedeckt wird. Die Antwort der Reformisten, dass man die Reformen eben mit Importverboten koppeln müsste, nur bei wenigen Randbereichen wie „Pelz“ überhaupt Aussicht auf Erfolg. Schon bei Tierversuchen ist dies nicht mehr möglich, da woanders gewonnene Daten zu „importieren“ nicht verboten werden kann.


4.  Es ist eine methodische Fehlannahme, dass grundlegender sozialer Wandel durch die Beeinflussung der Politik („von oben“), statt durch die Beeinflussung der Bevölkerung („von unten“) zustande käme. 

Die Politik folgt im Wesentlichen dem sozialen Wandel und geht ihm nicht voraus, wenn es Entscheidungen betrifft, die die Lebensbereiche der Menschen stark betreffen. Der die Tierrechte betreffende Bereich der Ernährung gehört z.B. dazu. Die Beeinflussung der Politik kann daher nur so weit gehen, wie ein signifikanter Anteil der Bevölkerung bereits gegangen ist. Im Moment ist die absolute Mehrheit speziesistisch und nimmt als Konsument an der täglichen Tierausbeutung teil. Wirksame Veränderungen gegen die Tierausbeutungsindustrie, die z.B. die Produkte deutlich teurer werden lassen würden, würden die unvegane Lebensweise dieser Menschen erschweren. Die Reformen, die in einem solchen gesellschaftlichen Klima durchsetzbar sind, haben deshalb kaum oder keine schädigende Wirkung auf die Tierausbeutungsindustrie. Was dagegen getan werden muss, ist einen signifikanten Anteil der Bevölkerung vom Antispeziesismus und damit vom Veganismus zu überzeugen. Erst auf dieser Grundlage, mit diesem Rückhalt aus der Bevölkerung, sind wirksame politische Entscheidungen gegen die Tierausbeutungsindustrie realistisch.

Das soll nicht heißen, es gäbe keine politischen Entscheidungen, die gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung durchgesetzt würden. Doch hat dies den Grund, dass sie von zwei Interessengruppierungen gefordert werden, die einen großen Einfluss auf die Politik haben, obwohl sie nur einen kleinen Teil der Bevölkerung darstellen. Das ist zum einen die Religion und zum anderen die Wirtschaft (in diesem Fall die Tierausbeutungsindustrie selbst). Da die Religion in den angeblich säkularen Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz weiterhin großen Einfluss auf die Politik hat, kann sie politische Entscheidungen beeinflussen. Das jedoch ist für die Tierrechte nicht von Vorteil, da Religionen ausgesprochen anthropozentrisch und damit tierfeindlich sind, insbesondere das bei uns dominante Christentum. Auch der andere Bereich, die Wirtschaft, ist nicht von Vorteil, da die Tierausbeutungsindustrie die Politik in ihrem Interesse – und damit konträr zum Interesse von Tierrechtlern – beeinflusst.11

Das heißt nicht, dass man Wirtschaft und Politik als Ziele ausblenden soll. Es wäre jedoch ineffektiv, den Fokus auf sie zu setzen.


5.  Die Förderung von Vegetarismus statt Veganismus und Tierschutzzielen statt Tierrechtszielen ist ethisch inkonsistent und stiftet Verwirrung. 

Eine tierrechtlerische Grundposition ist der Antispeziesismus. Von reformistischen Tierschutzorganisationen, die antispeziesistisch eingestellt zu sein behaupten, wird dies jedoch vielfach missachtet.

Beispiel Wildtiere im Zirkus: Es heißt, Tiere zum Amüsement in Gefangenschaft zu halten, sei nicht akzeptabel. Die Proteste richten sich jedoch meist nur gegen „Wildtiere im Zirkus“. Wie soll man der Bevölkerung den Antispeziesismus nahebringen, wenn durch solche Aktionen ausgesagt wird, die Tiere hätten je nach ihrer Spezieszugehörigkeit (ob „Wild-“ oder „Nicht-Wildtiere“) einen unterschiedlichen ethischen Status?

Beispiel Pelzproteste: Die meisten Anti-Pelz-Proteste richten sich (bzw. richteten sich, inzwischen hat es sich etwas gebessert) lediglich gegen Tierhaut mit Haaren (Pelz), jedoch nicht gegen Tierhaut ohne Haare (Leder). Wie soll man der Bevölkerung den Antispeziesismus nahebringen, wenn durch solche Aktionen ausgesagt wird, die Tiere hätten je nach ihrer Spezieszugehörigkeit („Pelz-“ oder „Lederlieferanten“) einen unterschiedlichen ethischen Status?

Beispiel Rechte für Menschenaffen: Die Forderung, Menschenaffen Rechte zu verleihen, findet breite Unterstützung, ungeachtet der Tatsache, dass das Great Ape Project dies mit der Nähe der Menschenaffen zum Menschen begründet. Diese Argumentation ist logischerweise nicht auf andere Spezies übertragbar, da alle anderen Spezies dem Menschen ferner stehen. Wie soll man der Bevölkerung den Antispeziesismus nahebringen, wenn durch solche Aktionen ausgesagt wird, die Tiere hätten je nach ihrer Spezieszugehörigkeit (Menschenaffen oder andere Affen und alle anderen Tiere) einen unterschiedlichen ethischen Status bzw. unterschiedliche Rechte?

Beispiel Vegetarismus: Vegetarismus wird weithin als förderungswürdig gesehen, obwohl hier die Tiere (und zwar tlw. die gleiche Spezies) genauso wie bei anderen Formen des Unveganismus für die von ihnen gewonnenen Tierprodukte ausgebeutet und getötet werden. Wie soll man der Bevölkerung den Antispeziesismus nahebringen, wenn durch eine solche Haltung ausgesagt wird, die Tiere hätten je nach der Ausbeutungsart (ob von Hühnern Fleisch oder Eier, von Kühen Fleisch oder Milch gewonnen wird) einen unterschiedlichen ethischen Status?

Es wird gesagt, alle Tiere haben Grundrechte. Jedoch werden in den Kampagnen vielen Tieren diese Rechte explizit vorenthalten. Es wird behauptet, Ungleichheit beenden zu wollen. Jedoch wird in den Kampagnen Ungleichheit praktiziert und gefördert. Tiere zu töten ist falsch – außer für Vegetarismus. Tiere in Zirkussen einzusperren ist falsch – außer wenn es sich um Nicht-Wildtiere handelt. Usw. Das wird nicht so gesagt, ist aber das, was letztlich vermittelt wird.

Die Öffentlichkeit versteht diese Diskrepanz nicht, sie wird von solchen eklatanten Widersprüchen verwirrt und nutzt diese Verwirrung als willkommenen Vorwand, sich ganz von der Thematik abzuwenden.

Beispiele: Bei einer Feuilleton-Diskussion um Vegetarismus wurde er von mehreren Zeitungs-Redakteuren aus dem Grund abgelehnt, dass es heuchlerisch ist, es einerseits abzulehnen, Tiere für Fleisch zu töten, nicht aber, sie für Eier und Tiermilch zu töten.12 – Kritik (nur) an Delfinarien wurde in einem Zeitungsartikel deshalb abgelehnt, da man konsequenterweise alle Tierhaltung ablehnen müsste.13 – Zu Kritik am Zirkus hieß es in einem anderen: Dann müsste man auch Zoos abschaffen.14 – Tierversuche werden damit gerechtfertigt, dass in Schlachthöfen wesentlich mehr Tiere sterben.15 – Kritik an „Gänsestopfleber“ wird mit Verweis auf die Ausbeutung von Rindern gerechtfertigt.16 – Kritik an „Pelzprodukten“ mit Verweis auf „Leder“ und Fleischkonsum.17 Usw. Bei allen diesen Fällen, die völlig richtige Aussagen treffen, dienten diese Aussagen jedoch nur zur Ablehnung der Kritik.

Man kann nicht von anderen erwarten, Antispeziesismus und Tierrechte einzusehen und es selbst nicht tun. Wenn es falsch ist, Tiere einzusperren, dann auch Nicht-Wildtiere; wenn es falsch ist, Tiere zu töten, dann auch für Vegetarismus.

Eine ethisch konsistente Position zu vertreten ist die Grundvoraussetzung, um in der Öffentlichkeit glaubwürdig zu sein. Ohne Glaubwürdigkeit kann man niemanden überzeugen. Das ist der Grund dafür, weshalb solche Positionen nicht nur ethisch falsch sind, sondern auch strategisch nicht funktionieren.


2. Diskussion der Pro-Argumente

2.1 Politik

6.  „Der Druck auf die Politik hat bedeutende Gesetzesänderungen hervorgebracht.“

a) Bisherige Gesetze sind nahezu bedeutungslos

Als Fortschritt im Bereich der Politik werden neue Gesetze oder neue Gesetztesformulierungen genannt. Z.B. die Bezeichnung der Tiere als „Mitgeschöpf“ (1986) im deutschen Gesetz oder die Aufnahme des Tierschutzes ins deutsche Grundgesetz (2002). Trotzdem haben sich die Schlachtzahlen weiter erhöht und erreichten in Deutschland 2010 einen neuen Höchststand.18 An der Realität der Tierausbeutung haben diese Formulierungen bisher nichts geändert.

Am wirkungslosesten ist das Tierschutzgesetz. Im Paragraph 6, Absatz 1, heißt es: Es ist verboten, Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten. Da jedoch jeder Grund als „vernünftig“ gilt, den die effektive Tierausbeutung erfordert, ist auch das eine Floskel ohne praktischen Nutzen. Die Kükenvergasung in der Eierindustrie wird selbst von Politikern und Veterinären als ungerechtfertigt bezeichnet und ist dennoch legal. Genauso verhält es sich mit dem Betäubungsgebot. So gilt es zwar auch für Fische, doch für die Hochseefischerei, von der drei Viertel der konsumierten Fische stammen, gilt es nicht, da hier Betäubungen vorzunehmen ökonomisch nicht zumutbar sei.

Im Gegenzug dienen Tierschutzgesetze als Rechtfertigung für Tierausbeutung („da Praktik XY nicht verboten ist, muss sie in Ordnung sein“) und werden von der Bevölkerung so gesehen („wenn Praktik XY nicht in Ordnung wäre, wäre sie verboten“).


b) Viele Tierschutzgesetze sind nur vorläufig

Selbst wenn Gesetze erreicht wurden, die eine bestimmte Form der Tierausbeutung einschränken, können sie schon kurze Zeit darauf wieder rückgängig gemacht werden. Das ist ein weiterer Grund dafür, weshalb es nicht sinnvoll ist, sich hauptsächlich auf Gesetzesveränderungen (selbst wenn es sinnvolle sind) zu konzentrieren.

Beispiel Tierversuche für Kosmetika: Entgegen der verbreiteten Meinung ist es seit 2009 nicht verboten, tierversuchsgetestete Kosmetika in der EU zu verkaufen. Denn es gibt Ausnahmen für bestimmte Tests. Diese Ausnahmen umfassen Untersuchungen hinsichtlich der Langzeitwirkung, des möglichen Einflusses auf die Fortpflanzung, die Entwicklung von Nachkommen. Das Ende der Übergangsfrist bis 2013, wonach auch diese Ausnahmen nicht mehr gelten sollen, wird wahrscheinlich aufgehoben. Genauso sind weitere, eigentlich seit 2009 verbotene Tests (hinsichtlich der Allergie und Krebs auslösenden Wirkung) weiterhin erlaubt.19


c) Tierschutzgesetze spiegeln lediglich die aktuelle gesellschaftliche Meinung wider

Wie in Punkt 4 bereits erwähnt, sind fast immer nur solche Gesetze möglich, die keine Fortschritte darstellen, sondern lediglich den Stand der öffentlichen Meinung widerspiegeln.

Beispiel: Das Gesetz, dass Katzen und Hunde nicht zu Fell und Fleisch verarbeitet werden dürfen, spiegelt lediglich den gesellschaftlichen Status wider, der Katzen und Hunden zugemessen wird. Es ist kein Fortschritt, sondern nur die Kodifizierung dessen, was bereits gesellschaftlicher Standard ist.

Das belegt den auch bereits genannten Denkfehler der Neuen Tierschützer: Die Politik ist nicht progressiv, sondern zieht der gesellschaftlichen Entwicklung nur nach. Wenn man die Gesellschaft ändern will, muss man sich auf die Gesellschaft konzentrieren, nicht auf die Politik.


2.2 Wirtschaft

7.  „Reformen machen die Herstellung teurer. Das bedeutet finanzielle Verluste für die Tierausbeutungs-Betriebe.“

Das wäre nur dann richtig, wenn die Hersteller auf den Mehrkosten sitzenblieben. Das tun sie jedoch nicht. Zum einen finanzieren der Staat und die EU viele Umbauten mit Subventionen und zusätzlichen Förderungen. Zum anderen werden höhere Produktionskosten schlicht über eine Preiserhöhung finanziert.

Zu diesem Thema siehe auch Punkt 42.


8.  „Reformen machen Tierprodukte teurer. Wenn der Preis steigt, werden sie weniger gekauft.“

Mehrkosten werden durch geringfügig höhere Preise an die Verbraucher weitergegeben und die wiederum akzeptieren die Preiserhöhung, da sie zum einen meist geringfügig ist und zum anderen, da die Verbraucher glauben, Tierprodukte seien alternativlos.

Beispiel Legebatterieverbot: In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist durch das Verbot der konventionellen Käfige der Preis für Eier gestiegen, da trotz Importen die Verfügbarkeit von Eiern aus konventioneller Haltung sank (tlw. durch die Auslistung in Supermärkten) und die Eier aus anderen Haltungsformen teurer sind. Der Konsum ist jedoch nicht zurückgegangen, wie anhand der Preisteuerung vermutet wird, sondern in allen drei Ländern ebenfalls gestiegen.20

Falls sich der Preis überhaupt ansteigt.

Beispiel Ferkelkastration: In Norwegen, wo sie seit 2003 verboten ist, ist der Preis für Schweinefleisch von 151,55 Kronen (2003) auf 148,09 Kronen (2009) gesunken.21 Er ist nicht, wie dieses Argument suggeriert, gestiegen.

Der höhere Preis ist nicht nur oft kein Kaufhemmnis, sondern kann im Gegenteil ein Kaufanreiz sein. Das nennt man demonstrativen Konsum. Dieser wird vor allem von denen praktiziert, die sich mit den „tierschutzgerechten“ Produkten ein gutes Gewissen erkaufen.22 Dieser zusätzliche Nutzen, den solche Produkte bieten, lässt die Zahlungsbereitschaft ansteigen.23 In der Literatur heißt es z.B.:

„Die Achtung der Tiere kommt auch in dem hohen Preis für Bio-Fleisch zum Ausdruck. Er dient dazu, zu einer würdigeren Tierhaltung beizutragen und gleichzeitig das Gewissen zu beruhigen.“24

Die Verbraucher, wenn sie vom Zusatznutzen bzw. „Qualitätsfaktor“25 der „tierschutzgerechten“ Produkte überzeugt sind, sind bereit, deutliche Aufpreise zu zahlen. Viele Untersuchungen nehmen im Schnitt Aufpreise von 20% an, möglich sind jedoch bis zu 300%.26 Die grundsätzliche Zahlungsbereitschaft für Tierprodukte mit dem „besonderen Merkmal“ „aus artgerechter Haltung“ liegt bei 51% bis 89,2% und hat damit vor den andern Merkmalen in dieser Untersuchung die höchste Zahlungsbereitschaft überhaupt.27 Bei Tierprodukten mit der Bezeichnung „aus artgerechter Haltung“ hat ein bis zu 10%iger Preisaufschlag hat eine 49,7%ige Akzeptanz, ein bis zu 30%iger Preisaufschlag eine 39,9%ige Akzeptanz, ein bis zu 50%iger eine 8,1%ige und ein über 50%iger Preisaufschlag eine 2,3%ige Akzeptanz.28


9.  „Die Tierausbeutungsindustrie wehrt sich gegen Reformen. Das beweist, dass sie ihr schaden.“

Dass sich einzelne Berufs-Tierausbeuter gegen Reformen wehren hat psychologische Gründe. Einerseits die allgemeine Skepsis Neuerungen gegenüber, die in ihrer extremsten Form Fortschrittsfeindlichkeit bedeutet. Diese Skepsis trifft man überwiegend in weniger gebildeten Schichten an, zu der Landwirte zum größeren Teil gehören. Andererseits stehen sie allen Tierschutzorganisationen grundsätzlich ablehnend gegenüber. Selbst solche Organisationen, die eindeutig nicht das Ziel der Abschaffung der Tierausbeutungsindustrie verfolgen, werden als Feinde angesehen. Daher stellen sich einige Berufs-Tierausbeuter selbst gegen die Reformen, die ihnen nützen würden.

Ein anderer Grund ist, dass der Widerstand von Einzelpersonen bzw. Einzelbetrieben kommt und dort auch aus ihrer Sicht berechtigt sein kann. Gerade größere Strukturreformen bewirken, dass einzelne Betriebe, die sich nicht modernisieren können, schließen müssen. Das ist für die Bewertung von Erfolg aus tierrechtlerischer Sicht jedoch unerheblich, da hier nur die Schwächung der Industrie als Ganzes ein sinnvoller Maßstab ist. Wenn im Zuge der Modernisierung ein Betrieb schließt und sich andere vergrößern, sterben nicht weniger Tiere, sondern nur anders verteilt.

Beispielanalogie aus der Geschichte: Als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in (Kontinental‑)Europa die Webmaschinen aus England stärker verbreitet wurden, hat das viele traditionelle Weber arbeitslos gemacht und zu starken Protesten gegen diese Modernisierung geführt. Obwohl diese „Reform“ der Arbeitstechnik enormem Widerstand aus der betreffenden Berufsgruppe ausgesetzt war, hat sie der der Textilindustrie als Ganzes betrachtet nicht geschadet, sondern die Produktivität vervielfacht.

Die Abwehrhaltung gegen Reformen betrifft zudem nicht alle. Die Berufs-Tierausbeuter, die keine Skepsis gegen Neuerungen hegen, sondern von den Vorteilen wissen, befördern selbst Reformen und unterstützen sie. Die Zusammenarbeit zwischen Tierausbeutern und Tierschutzorganisationen (siehe Punkt 44) gibt davon ein beredetes Beispiel.


2.3 Strategie

2.3.1 Teilbereich Tierrechte

10.  „Man kann die Tierausbeutungsindustrie nicht über Nacht abschaffen.“

Auf diese Binsenweisheit kann man nur antworten: Selbstverständlich, etwas anderes wurde nie behauptet.

Dass man die Tierausbeutungsindustrie nicht „über Nacht“ abschaffen kann, bedeutet nicht – wie hier unterstellt wird –, dass man deshalb Strategien wie den Reformismus, der nachweislich kontraproduktiv ist, anwenden müsste. Auch wenn es nicht über Nacht geschehen kann und wird, ist es aus strategischen Gründen sinnvoll und notwendig, die Tierausbeutungsindustrie nicht zu regulieren, sondern Strategien anzuwenden, die auf die Abschaffung hinarbeiten (siehe Kapitel 4).


11.  „Abolitionismus bedeutet ‚Alles oder nichts‘.“

Dieses Argument, das man nur als Phrase bezeichnen kann, bezieht sich entweder auf den Bereich Veganismus: Abolitionisten würden nichts außer Veganismus akzeptieren. Das ist richtig, aber das heißt nicht, dass jemand, der nicht sofort vegan werden will, unvegan bleiben soll (anders als hier unterstellt wird). Vielmehr sind Übergangsformen, die Tierrechtsverletzungen nicht befördern oder schönreden, tolerierbar, wenn es keine Alternative gibt (siehe Kapitel 4).

Oder sie bezieht sich auf den Bereich Tierrechte: Abolitionisten würden nichts akzeptieren, was nicht die sofortige Abschaffung der Tierausbeutung beinhaltet. Auch das ist falsch. Auch hier haben Abolitionisten nichts gegen akzeptable Zwischenformen, die Tierrechtsverletzungen nicht befördern oder schönreden, einzuwenden (siehe ebenfalls Kapitel 4).


12.  „Reformismus ist sinnvoll, da er auf der Stufentheorie beruht.“

Mit Stufentheorie (oder Treppen- oder Plattformtheorie) ist gemeint, dass mit kleinen Schritten kleine Erfolge erzielt werden sollen und dann, auf diesen aufbauend bzw. von diesen ausgehend, die nächste Stufe erreicht werden soll.

Was am Argument der Stufentheorie auffällt, ist, dass es zwar zur Rechtfertigung angeführt, aber in der Praxis nicht umgesetzt wird.

Beispiel Wildtierverbot für Zirkusse: Seit 2005 gilt in Österreich für Zirkusse das Verbot, keine Wildtiere halten zu dürfen. Der Stufentheorie zufolge hätte man diesen ersten Erfolg dazu nutzen müssen, den nächsten Schritt zu erreichen, und zwar auch das Halten von Nicht-Wildtieren (Pferde, Hunde, Esel usw.) in Zirkussen zu verbieten. Das wurde vonseiten der reformistischen Tierschutzorganisationen nicht getan, es gab vergleichbaren Kampagnen gegen Nicht-Wildtierhaltung im Zirkus.

Beispiel Legebatterieverbot: Die konventionelle Käfighaltung für Legehennen ist seit 1992 in der Schweiz, seit 2009 in Österreich und seit 2010 in Deutschland verboten und für die Kleingruppenhaltung gilt lediglich eine Übergangsfrist. Solange das Thema 2009/10 noch in den Medien aktuell war, hätte man der Stufentheorie zufolge den nächsten Schritt machen und Kampagnen gegen Volieren- und Bodenhaltung veranstalten müssen. Von keiner reformistischen Tierschutzorganisation gab es vergleichbare Kampagne in diese Richtung.

Der Grund dafür ist, dass Wildtiere und Käfighaltung medienwirksame Themen sind (siehe weiter Punkt 41b). Da (unter anderem) Nicht-Wildtiere diese Medienaufmerksamkeit jedoch nicht versprechen, sind sie für die Kampagnenplanung dieser Organisationen unattraktiv.

Und auch wenn es umgesetzt würde, bedeutete das nicht, dass die reformistische Strategie dadurch sinnvoll würde. Solange die Kampagnen ineffektiv ausgerichtet sind, würde auch ihre Verknüpfung gemäß dieser Theorie nicht viel helfen.


13.  „Genauso, wie man einem Tier in einer aktuellen Notlage helfen würde, muss man allen Tieren per Reform helfen.“

Zur Erläuterung dieser Behauptung wird z.B. folgende Analogie angeführt: Genauso, wie man einem durstenden Tier auf dem Weg zum Schlachthof Wasser geben würde (wenn man vor Ort und dazu in der Lage wäre), auch wenn dies nichts daran ändert, dass es geschlachtet wird, muss man den Tieren per Reform auch kleine Erleichterungen verschaffen und ihr Leiden lindern, auch wenn dies am Grundproblem ihres Ausgebeutet- und Getötetwerdens nichts ändert.

Diese Beobachtung ist insofern falsch, als sie wie selbstverständlich voraussetzt, dass Reformen das Leid vermindern würden. Wenn sich Reformismus darauf beschränken ließe, dass er nichts anderes bewirken würde außer, das Leiden zu reduzieren, wäre die Analogie richtig. Nur hat Reformismus auch negative Auswirkungen: Er fördert die Tierausbeutung, indem er sie ökonomisch profitabler macht, und er fördert den Konsum von Tierprodukten, indem er den Verbrauchern ein gutes Gewissen verschafft. Siehe Kapitel 3.2.2.

Die richtige Analogie wäre: Nicht einem einzigen Tier wird Wasser gegeben, sondern es werden Wasserspender installiert, die die Ausbeutung effektiver machen, weil sich Tiere ohne Durst schneller bewegen, und dies den Verbrauchern ein gutes Gewissen gibt, weil für diese Tierprodukte die Tiere „nicht dursten mussten“. Eine solche Einrichtung wäre aufgrund dieser kontraproduktiven Folgen abzulehnen.


14.  „Auch Menschenrechtsorganisationen fordern in bestimmten Fällen nicht die Freilassung von politischen Gefangenen, sondern Haftverbesserungen.“

Diese Analogie ist nicht anwendbar, weil menschliche Gefangene nicht den gleichen gesellschaftlichen Status haben wie nichtmenschliche Tiere. Bei Menschen steht (zumindest im aufgeklärten Teil der Welt) ohne Zweifel fest, dass sie Rechte haben. Menschenrechtsverletzungen (wie das Einsperren von politischen Gegnern) sind allgemein stigmatisiert. Hier Forderungen nach Verbesserungen zu stellen, lässt niemanden auf die Idee kommen, dass diese Menschen deshalb keine weiteren Rechte verdient hätten bzw. besitzen.

Bei nichtmenschlichen Tieren ist die Situation eine andere. Tierrechte sind nicht allgemein akzeptiert, im Gegenteil wird die Tierausbeutung gerade durch den sog. Tierschutz legitimiert. Beim Tierrechtsaktivismus geht es darum, der Gesellschaft zu vermitteln, dass Tieren Rechte zugestanden werden müssen.29 Wenn man stattdessen (vermeintliche) Verbesserungen fordert, ist das für dieses Ziel hinderlich, da sie die Tierausbeutung legitimieren.

Im Übrigen ist nicht auszuschließen, dass es auch unter Menschenrechtsorganisationen analog zu Tierschutzorganisationen solche gibt, die methodische Fehler machen. Ihre Strategien sind nicht wie selbstverständlich sinnvoll.


15.  „Umweltaktivisten plädieren auch nicht für die Abschaffung (z.B. von Elektrizität, obwohl jede Form von Energiegewinnung umweltschädigend ist), sondern nur dafür, Energie zu sparen (z.B. durch das Benutzen von Energiesparlampen).“

Auch diese Analogie ist, vergleichbar der vorhergehenden (siehe letzter Punkt), nicht auf die Situation der Tierrechte übertragbar. Beim Thema Umweltschutz stimmen alle mehr oder weniger darin überein, dass man die Umwelt nutzen darf. Abweichungen gibt es nur in der Frage des Wieviel. Bei Tierrechten geht es dagegen darum, dass man Tiere überhaupt nicht nutzen darf. Bei Umweltfragen ist für eine bloße Reduzierung einzutreten sinnvoll, bei Tierrechten wäre es grundlegend falsch.

Im Übrigen ist nicht auszuschließen, dass es auch unter Umweltschutzorganisationen analog zu Tierschutzorganisationen solche gibt, die methodische Fehler machen. Ihre Strategien sind nicht wie selbstverständlich sinnvoll.

Des Weiteren belegt die Umweltanalogie ein Argument des Abolitionismus. Der dort bekannte Bumerang-Effekt ist im Wesentlichen das, was im Tierrechtsbereich den Mehrverbrauch bewirkt. Im Umweltbereich funktioniert es so, dass nach Kauf von energiesparenden Geräten sich der Verbrauch erhöht, da die Verbraucher aufgrund der gesparten Energie das Gerät sorgloser einsetzen. Die Folge ist, dass durch den Mehrverbrauch die Einsparung nivelliert wird oder der Verbrauch insgesamt sogar höher ist als zuvor.30 Genauso wirken Tierschutzreformen. Da sie den Menschen ein gutes Gewissen beim Konsum von Tierprodukten verschaffen, erhöhen sie den Konsum, anstatt ihn zu reduzieren (siehe Punkt 43).


16.  „Reformen helfen den jetzt lebenden Tieren, indem sie ihr Leiden vermindern. Abolitionismus hilft den jetzt lebenden Tieren nicht.“

Dass Reformen wie selbstverständlich Tierleid vermindern würden, folgt einmal der Ansicht, dass dies auch immer der Fall ist. Das jedoch ist fraglich (siehe a). Und es folgt der Ansicht, dass Veränderung nur eine einzige Wechselbeziehung haben, dass sie einen komplexen Zusammenhang nur in einem einzigen Punkt ändern: nämlich, dass die Tiere nachher weniger leiden als vorher. Doch dürfte sich schwerlich ein Fall eines komplexen Zusammenhangs finden lassen, bei dem eine Änderung im System nur eine einzige Auswirkung hat. Es gibt immer mehrere Folgen, weshalb auch die Reformen, die aktuelles Leid tatsächlich mindern, insgesamt kaum eine Minderung erzeugen (siehe b). Abolitionismus dagegen berücksichtigt diese Wechselbeziehungen und führt zu tatsächlicher Leidverminderung (siehe c).


a) Reformen helfen den jetzt lebenden Tieren nicht

Viele Reformen sind selbst was die Leidverminderung betrifft (also beim einzigen Punkt, wo sie sinnvoll wären) nutzlos oder kontraproduktiv.

Beispiel Betäubung: Von Tierschützern wird das Betäubungsverfahren CAS („controlled atmosphere stunning“, Betäubung mit Gas; gibt es auch als CAK: „controlled atmosphere killing“, Tötung mit Gas) als Verminderung des Leidens in Schlachthäusern hoch gelobt. Jedoch reduziert es das Leiden nicht, sondern ersetzt den bisherigen Stress der Hühner, für die Strombetäubung kopfüber an den Füßen aufgehängt zu werden, durch den Stress eines teilweise minutenlangen Erstickungsgefühls während der Gasbetäubung.31 Die Tiere leiden nachher so stark wie vorher, wenn nicht stärker.

Beispiel Verbot der Käfighaltung von Legehennen: Auch hoch gelobt wurde und wird das Verbot der Kleinkäfighaltung von Legehennen und die Ersetzung durch verschiedene Großkäfige („Bodenhaltung“, „Freilandhaltung“ usw.) mit der Behauptung, die Tiere würden in den neuen Haltungsformen signifikant weniger leiden. Geflissentlich ignoriert werden jedoch die Nachteile der Großkäfige, denn wenn man Vor- und Nachteile beider Haltungsarten vergleicht, sind beide ähnlich schlecht.32 Werden die Hühner von Käfighaltung in Nicht-Käfighaltung verlegt, leiden sie nicht weniger, sondern nur anders.


b) Selbst wenn Reformen das Leid scheinbar aktuell vermindern, wird es tatsächlich nur in die Zukunft verschoben

Es trifft nicht auf jede Reformen zu, dass sie aktuell kein Leiden mindert. Wird die betäubungslose Ferkelkastration verboten, wird das nicht durch einen anderen schmerzhaften Eingriff ersetzt. Die Folge eines Verbots wären weniger Schmerzen für Ferkel und das wäre natürlich wünschenswert. Jedoch erhält man dieses positive Ergebnis nur, wenn man die anderen mit solchen Reformen verbundenen Folgen ignoriert. Da Reformen die Produktivität der Tierausbeutungsindustrie steigern (siehe Punkt 42) und den Verbrauch der Tierprodukte stabilisieren oder erhöhen (siehe Punkt 43), wird für die geringfügige Verminderung von Leiden, die durch Reformen erreichbar ist, in Zukunft meist eine insgesamt größere Anzahl Tiere ausgebeutet und getötet. Eine geringfügige Verminderung des Leidens für die aktuellen Tiere wird damit erkauft, dass in Zukunft eine größere Anzahl an Tieren ausgebeutet und getötet wird, sprich: dass ihnen Leiden zugefügt werden.

Beispiel Verbot der Käfighaltung bei Legehennen: Obwohl hier keine Leidensreduktion erreicht wurde, sondern nur eine Verschiebung in andere Bereiche (s.o.), ist es zur Illustration geeignet. Denn selbst wenn durch die Verbesserung Leiden reduziert worden wäre, steht fest, dass aufgrund der geringeren Legeleistung in den „Alternativhaltungen“, aber dem gestiegenen Pro-Kopf-Verbrauch von Hühnereiern, mehr Hühner als vorher benötigt werden, um die Nachfrage zu decken.33 D.h. mehr Tiere müssen den gesamten Ausbeutungsprozess von eineinhalb Jahren durchleben für die minimale Verbesserungen ihrer Situation. Insgesamt wird mehr Leid erzeugt als zuvor.

Beispiel Ferkelkastration: Hier geht es um einen einmaligen Eingriff der durch Produktivitätssteigerung und bessere Verkäuflichkeit dadurch erkauft wird,34 dass in Zukunft mehr Schweine als vorher den gesamten Leidensprozess von sechs Monaten durchleben, in dem jeder einzelne Tag Qualen bedeutet. Auch hier wird durch die Reform insgesamt mehr Leid erzeugt als durch sie reduziert wird.

Auch in den Fällen, in denen die Reform das Leid der jetzt lebenden Tiere mindert, findet also so gut wie nie eine tatsächliche Leidminderung statt, sondern nur eine zeitliche Verschiebung.


c) Abolitionismus provoziert selbst Reformen, ohne ihre negativen Folgen zu begünstigen, und hilft sofort

Bei einer abolitionistischen Strategie würde viele der gegenwärtig angestrebten Reformen von selbst vollzogen werden. Denn die Strategie des Abolitionismus zielt darauf, den Konsum von Tierprodukten aus ethischen Erwägungen heraus zu reduzieren. Die Folge für die Tierausbeutungsindustrie ist, dass sie unter Rechtfertigungszwang und die Notwendigkeit, effizienter zu produzieren, gerät. Die Folge daraus sind wiederum Reformen, da Reformen zur ethischen Rechtfertigung dienen (siehe Punkt 43) und die Produktivität erhöhen (siehe Punkt 42).

Die Reformen, die jetzt von Tierschutzorganisationen „erkämpft“ werden, werden also ohnehin vollzogen werden. Der entscheidende Unterschied zum Reformismus ist, dass diese Reformen von den Tierrechtlern nicht gutgeheißen oder gar unterstützt, sondern weiterhin kritisiert werden. Dadurch entsteht keine ethisch inkonsistente Position und Verwirrung wie beim Reformismus (siehe Punkt 5), die den Konsumenten zur Zurückweisung des Veganismus dient, sondern der Gesellschaft kann weiterhin unmissverständlich vermittelt werden, dass diese Reformen unzureichend sind, da die Tierausbeutung abgeschafft werden muss.

Dazu kommt, dass Abolitionismus durch sein vorrangiges Ziel der Veganismusaufklärung auch den aktuell lebenden Tieren in anderer Weise sofort hilft. Denn mit jedem Veganer, den es mehr gibt, sinkt die Nachfrage von Tierprodukten. Durch sinkende Nachfrage sinkt auch die Anzahl der Tiere, denn die Tierausbeutungsindustrie produziert nicht, ohne dass es Abnehmer gibt. Jeder Veganer mehr bewahrt Duzende Tiere jährlich davor, überhaupt erst gezüchtet, eingesperrt, ausgebeutet und getötet zu werden.


17.  „In der derzeitigen Lage muss man pragmatisch sein.“

Ob man „muss“ oder auch nur „kann“, wäre (am Einzelfall) zu diskutieren. Fest steht aber, dass das, was der Reformismus betreibt, kein Pragmatismus ist, sondern Opportunismus. Pragmatismus bedeutet, im Falle fehlender Alternativen seine Methoden an die Situation anzupassen, ohne die eigenen Ziele aufzugeben. Opportunismus dagegen bedeutet, für schnelle (vermeintliche) Erfolge seine Ziele zu missachten.

Pragmatisch ist es, jemandes Entscheidung, dass er nicht sofort vegan werden will, zu tolerieren, ohne sie zu akzeptieren. Opportunistisch ist es, das Ziel des Veganismus zu missachten und ihm vorzuschlagen, nur andere Tierprodukte (wie „Freiland“- statt anderer Eier) zu konsumieren.
Pragmatisch ist es, die Abschaffung von Teilbereichen der Tierausbeutung anzustreben (Punkt 45), auch wenn dadurch andere Bereiche noch nicht abgeschafft werden. Opportunistisch ist es, das Ziel der Abschaffung zu missachten und lediglich die Reformierung von Teilbereichen der Tierausbeutung zu fordern (Verbot des Schnabelkürzens, der Kastration usw.).
Pragmatisch ist es, die Abschaffung von Teilbereichen für einzelne Spezies zu akzeptieren, solange keine anderen Spezies in genau derselben Ausbeutungssituation gelassen werden. Opportunistisch ist es, das Ziel des Antispeziesismus zu missachten und hinsichtlich derselben Ausbeutungssituation nur das Ende der Ausbeutung bestimmter Spezies zu fordern (Verbot von Wildtieren im Zirkus, nicht aber Nicht-Wildtieren).


18.  „Reformen konzentrieren sich auf leicht erreichbare Ziele. Die bedeuten so wenig Aufwand, dass es nicht falsch sein kann, sie anzustreben.“

a) Viele reformistische Ziele sind nicht leicht erreichbar

Es ist recht fragwürdig, was einige Reformisten unter „leicht erreichbar“ verstehen. Viele der Kampagnen, die hinterher als „Erfolg“ verbucht werden, haben so enorme zeitliche und finanzielle Ressourcen verbraucht, dass man sie nicht als „leicht erreichbar“ bezeichnen kann.

Beispiel Verbot der Legebatterien: Die Durchsetzung des Verbots hat unzählige, im Übrigen nutzlose Petitionen und unzählige Personenstunden für Demonstrationen verbraucht für ein mehr als ernüchterndes Ergebnis. Wäre diese Energie in Veganismusaufklärung investiert worden, wären das Ergebnis und der finanzielle Aufwand wesentlich besser gewesen.

Beispiel Tierversuche: In Großbritannien gibt es seit mehr als einhundert Jahren enormen Widerstand gegen Tierversuche mit entsprechenden Aufwendungen an zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Das bisherige Ergebnis kann unter Punkt 3 nachgelesen werden.

Beispiel: Eine neutierschützerische Organisation wendet nach eigenen Angaben 20 000 Euro auf für eine Kampagne gegen das Töten von Robben in Kanada. Betroffen sind hier 300 000 Tiere. Da es bereits ein EU-Verbot ist, ist unklar, wie die Nachfrage gesenkt werden soll. Aber angenommen, durch politischen Druck würde die Robbenjagd tatsächlich eingestellt, wären das hypothetisch 300 000 gerettete Tiere. Wäre das Geld dagegen für das Drucken von Flyern mit Veganismusaufklärung verwendet worden (ca. 1,5 Mio. Stück bei A4-Standardformat, vierfarbig) und wären infolgedessen lediglich 0,25 Prozent der Leser vegan geworden (= 3 700), wären durch diese Veganer ca. zwei Millionen Tiere weniger gestorben.35 Wie ersichtlich wird, ist das reformistische Ziel wesentlich ineffektiver und nicht als „leicht erreichbar“ zu bezeichnen.


b) Ziele, die leicht erreichbar sind, sind es, weil sie keinen Fortschritt bedeuten

Selbst die Ziele, die wirklich vergleichsweise leicht erreichbar sind oder es wären, sind strategisch nicht sinnvoll. Die Ziele, die leicht erreichbar sind, sind es deshalb, weil sie sich auf die aktuelle Mehrheitsmeinung der Bevölkerung stützen. Sie bedeuten keinen wesentlichen Fortschritt, sondern nur die Feststellung dessen, was bereits gesellschaftlicher Standard ist.

Beispiel: Das österreichische Verbot, Katzen und Hunde als „Pelztiere“ zu verwerten, spiegelt lediglich den gesellschaftlichen Stand wider, da so etwas ohnehin nicht mehr akzeptiert würde und wirtschaftlich keine Rolle spielt.

Siehe dazu auch Punkt 4.


19.  „Die Tierrechtsidee überfordert die Menschen, sie wird nicht akzeptiert.“

Die Idee überfordert niemanden, sie wird lediglich abgelehnt, weil die daraus folgenden Konsequenzen zu unbequem scheinen. Kaum jemand würde heute noch ernsthaft bestreiten, dass Tiere Leiden empfinden und entsprechenden Schutz brauchen. Und gerade weil nicht akzeptiert wird, dass dieser Schutz in Form von Rechten und nicht nur in Form von einschränkenden Regulierungen erfolgen muss, müssen Tierrechte gefordert werden. Denn man wird dieses Ziel nicht erreichen, wenn man nichts dafür tut.


20.  „Menschen sind nicht rational. Über philosophische Konzepte wie Tierrechte, Sentientismus oder Personenstatus zu sprechen, erreicht die meisten Menschen nicht, da sie das nicht verstehen oder damit nicht viel anfangen können.“

Auch Tierrechtler bzw. Abolitionisten sprechen mit den Menschen nicht zwingend als erstes über philosophische Konzepte, sondern oft über Leidensfähigkeit, womit sie die Empathie der Menschen ansprechen, und Gerechtigkeit.


21.  „Die Arbeit mit Foto- und Videomaterial aus Tierausbeutungsbetrieben, kann immer so interpretiert werden, als sollten damit nur Missstände gezeigt werden. Der Abolitionismus müsste darauf verzichten und damit auf ein wirksames Aufklärungsmittel.“

Er muss dies keineswegs. Solange beim Zeigen der Bilder und Videos gleichzeitig (oder zeitnah) durch Text bzw. Ton vermittelt wird, dass es um Veganismus (nicht um „weniger Fleisch essen“) und um Tierrechte (nicht Reformismus) geht, besteht keine signifikante Gefahr der Fehlinterpretation.


22.  „Wenn, wie von Abolitionisten argumentiert wird, manche Reformen die Situation der Tiere nicht verbessert haben, wie sollen dann Folgen wie die Gewissensberuhigung der Konsumenten zustande kommen?“

Dass dies nicht so sei, setzt voraus, die wirklichen Haltungsbedingungen der Tiere seien allen Konsumenten zugänglich. Es ist nichts Neues, dass das Gegenteil der Fall ist: Die Unternehmen betreiben Werbung mit Bildern (Tiere auf grünen Wiesen usw.) und Begriffen („humane“ Schlachtung usw.), die die Realität fast immer auf den Kopf stellen.

Um Reformen als Tierschutzverbesserung verkaufen zu können, müssen sie die „Verbesserungen“ nicht tatsächlich umgesetzt haben, es muss lediglich der Öffentlichkeit vermittelt werden, es wäre so. Auch hier ist das Legebatterieverbot bei Hühnern ein Beispiel. Während hunderte Medienberichte unreflektiert die Rhetorik von Politikern, Tierschützern und Tierausbeutern von einem „Fortschritt im Tierschutz“ übernommen haben, sind die Berichte, die auf die erhöhten Krankheits- und Mortalitätsraten in den „Alternativhaltungen“ hingewiesen haben, in der absoluten Minderheit. Praktisch alle Eierkonsumenten kaufen „Boden-“ oder „Freiland“-Eier mit dem Bewusstsein, den Tieren ginge es besser als zuvor, obwohl dies nicht der Fall ist.


23.  „Man kann die Tierausbeutungsindustrie durch konfrontative Kampagnen stückweise abschaffen, ohne das Bewusstsein der Menschen ändern zu müssen.“

Auf der theoretischen Ebene wäre das vielleicht möglich, die Frage bleibt trotzdem, ob es auch sinnvoll für die Praxis ist. Da die konventionelle Käfighaltung für Hühner in Deutschland und Österreich seit 2009/10 verboten ist und die ausgestalteten Käfige voraussichtlich 2020 verboten werden, kann man sicher auch irgendwann die Volierenhaltung verbieten. Aber wann wird das sein? Gemessen an der bisherigen Geschwindigkeit 2030 oder 2040? Und die Bodenhaltung dann 2060? Selbst wenn dieser Ansatz in der Theorie funktionieren könnte, bleibt er hoffnungslos ineffektiv. Und die vielen negativen Nebenaspekte von Reformismus (Gewissensberuhigung der Konsumenten und Effektivitätssteigerung der Tierausbeutung) bestünden weiterhin.

Die Effektivität des oben genannten Prozess liege darin, dass er immer weiter geführt werden könnte, es also einen Stopppunkt wie bei der direkten Zusammenarbeit mit Tierausbeutern gebe. Einen Stopppunkt gibt es in der Theorie nicht, aber in der Praxis wird der Prozess dann stark verlangsamt, wenn sich die Kampagnen nicht auf die Randbereiche (Tierkämpfe, Pelz, Zirkus), sondern die Kernbereiche des Speziesismus konzentrieren würden. Die Randbereiche sind einfach angreifbar (und „gewinnbar“), weil die Mehrheit der Bevölkerung dagegen ist oder leicht dagegen sein kann, da sie kaum daran partizipiert. Bei den Kernbereichen (allen voran die Ernährung) ist das nicht der Fall. In den Zirkus geht der Durchschnittsverbraucher ein oder zweimal im Jahr, unvegane Produkte isst er dagegen dreimal täglich. In den Kernbereichen kommt man mit dieser Methode nicht über die üblichen, schädlichen Reformen hinaus (wie der Austausch durch größere oder andere Käfige als die bisherigen). „Konfrontative Kampagnen“ zeigen ihre Ineffizienz, wenn es um die Kernbereiche geht, die Bereiche, die strategisch am wichtigsten sind.


24.  „Es gibt keinen Beweis, dass Abolitionismus besser funktioniert als Reformismus.“

Es gibt ausreichend Belege, dass Reformismus theoretisch sehr schlecht oder nicht funktioniert und historisch nie funktioniert hat (zu beidem vgl. Punkt 2 und 3), sowie dass er der Tierausbeutungsindustrie hilft, indem die Produktivität und die Absatzmöglichkeiten gesteigert werden. Der Abolitionismus, der diese Punkte vermeidet, hat damit eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, dass er funktionieren wird. Ob er es tut, kann man jetzt noch nicht mit Bestimmtheit sagen, da es bisher keine vegane/abolitionistische Bewegung gegeben hat.


25.  „Man kann beide Strategien (Reformismus und Abolitionismus) parallel verfolgen.“

Selbst wenn es theoretisch möglich wäre, wäre es praktisch nicht sinnvoll, da viele Auswirkungen des Reformismus den Zielen des Abolitionismus diametral entgegenstehen (unter anderem, dass Tierschutzreformen die Tierausbeutungsindustrie unterstützen). Das äußert sich auch in konträren Forderungen. Man kann nicht sinnvollerweise fordern, einen Bereich einerseits zu reformieren und ihn andererseits abzuschaffen.

Beispiel Wildtiere im Zirkus. Entweder fordert man (reformistisch), nur Wildtierhaltung zu verbieten oder (abolitionistisch) die Haltung aller Tiere zu verbieten (bzw., da dies derzeit keine durchsetzbare Forderung ist, würden sich Abolitionisten auf die Aufklärung der Zirkusbesucher konzentrieren, um zu erreichen, dass sie den Zirkusses boykottieren). Dies „gleichzeitig“ zu tun, würde die Adressaten des Protests verwirren.

Selbst wenn man nicht akzeptiert, dass sich die beiden Strategien auf der ethischen Ebene diametral gegenüberstehen, müsste man also zumindest einsehen, dass sie praktisch verschieden und schwer zu vereinbaren sind.

Da auch klar sein sollte, dass die Ressourcen, die man in den Aktivismus investieren kann, begrenzt sind, ist es auch deshalb nicht sinnvoll, zwei unterschiedliche Strategien zu unterstützen. Man sollte sich auf die konzentrieren, die plausibler ist (siehe dazu den vorhergehenden Punkt).


26.  „Statt Tierschützer zu kritisieren, sollte man sich auf die wirklichen Feinde, die Tierausbeuter, konzentrieren.“

Wenn man bedenkt, dass viele Tierschützer und Tierausbeuter direkt (vgl. Punkt 44) und indirekt (vgl. Punkt 42) zusammenarbeiten, ist diese Kritik etwas seltsam. Tatsächlich sind die Tierausbeuter überwiegend reine Dienstleister, die die Nachfrage der Konsumenten befriedigen. Die „wirklichen Feinde“ der Tierrechte sind die Menschen, die diese Nachfrage aufrechterhalten und unterstützen. Dazu gehören auch die Tierschützer selbst.

Davon abgesehen, dient diese Behauptung dazu, Kritik zu unterdrücken und von bestehender Kritik abzulenken. Kritik ist jedoch notwendig, beim Reformismus umso mehr, da er das Erreichen von Tierrechten massiv behindert.


27.  „Wir brauchen nicht noch mehr Diskussionen über Theorie- und Strategiefragen.“

Da die Theorie der Praxis vorausgeht, ist es äußerst kurzsichtig, Theoriediskussionen abzulehnen. Die Folge von zu wenig oder gar keiner Theoriediskussion ist, dass Unmengen an zeitlichen und finanziellen Ressourcen für nichts oder weniger, als möglich wäre, und im schlimmsten Fall für ein negatives Ergebnis verschwendet werden. Die Nutzlosigkeit des Reformismus, Tierrechte voranzubringen und der Schaden, den er bisher angerichtet hat (siehe unter anderem Kapitel 3.2), führt das deutlich vor Augen.

Solche Argumente (wie auch das vorhergehende) dienen darüber hinaus dazu, Kritik am Reformismus abzuwiegeln.


28.  „Abolitionisten wollen, dass Tiere leiden, damit die Menschen besser vom Veganismus überzeugt werden können.“

Abolitionisten, also Tierrechtlern, zu unterstellen, sie wollten, dass Tiere leiden, ist reichlich absurd. Auch in der abgeschwächten Form, sie würden es „in Kauf nehmen“, ist es falsch. Reformen werden abgelehnt, weil sie Leiden nicht verringern, sondern nur verschieben: indem durch die Reform neue Verschlechterungen hinzukommen (betrifft viele Reformen) und indem durch stabilisierten oder erhöhten Konsum infolge der Gewissensberuhigung zukünftig mehr Tiere leiden (betrifft alle Reformen). Dagegen führt Abolitionismus unmittelbar zu Leidverminderung. Siehe dazu Punkt 14. Abolitionisten wollen nicht nur das Leid verringern, sie tun es auch, unter anderem durch die Ablehnung von Reformen.


29.  „Dass für populäre Tierschutzziele geworben wird, gewährleistet, dass die Tierschutzgruppen groß bleiben. Mit dem Einfluss, der aus dieser Größe resultiert, kann besser für Veganismus geworben werden, als wenn sie klein wären.“

Zum einen ist es ein seltenes Phänomen, dass Tierschützer für Veganismus eintreten. Meistens marginalisieren oder diskreditieren sie ihn (siehe Punkt 41a).

Zum anderen ist es ein Widerspruch, einerseits für ethisch inkonsequenten Reformismus und andererseits für ethisch konsequenten Veganismus eintreten zu wollen. Das stiftet Verwirrung (siehe Punkt 5) und ist damit ungeeignet, die Menschen zu erreichen.


30.  „Wer durch Tierschutz angesprochen wird, ist für Tierrechte empfänglicher. Daher ist es sinnvoll, erst für Tierschutz zu werben.“

Das eine folgt nicht aus dem anderen. Natürlich sind Tierschützer empfänglicher für Tierrechte als indifferente Personen. Dennoch besteht kein Grund, diese Umwege zu fördern, da direktes Eintreten für Tierrechte effektiver ist. Stattdessen gibt es viele Gründe dagegen, wie die schädlichen Nebenwirkungen, die der Umweg über den Tierschutz nach sich zieht (siehe Punkte 42 und 43).

Begründet wird dies auch damit, Tierrechte seien überfordernd. Das ist falsch, siehe Punkt 19.


31.  „Abolitionisten kümmern sich um ihre ethische Reinheit, statt um die Wirksamkeit der Strategie. Man muss bei strategischen Fragen von der Praxis ausgehen, nicht von dem, was theoretisch richtig ist.“

Die abolitionistische Strategie schließt nicht vom theoretisch Richtigen auf die praktische Umsetzung, sondern berücksichtigt, dass beide Bereiche nicht ohne (negative) Folgen getrennt werden können. Wenn die praktische Forderung vom ethischen Selbstverständnis signifikant abweicht (z.B. indem man nur gegen jede Tierausbeutung zu sein vorgibt, aber nur gegen einen einzelnen Bereich, wie Pelz, demonstriert), dann leidet die Glaubwürdigkeit. (Siehe Punkt 5.) Wenn der Eindruck vermittelt wird, die eigentlich richtige ethische Forderung wäre für die Angesprochenen zu hoch, sodass man sich zu ihnen „herablassen“ müsse (z.B. indem man Veganismus vertritt, aber nur Vegetarismus fordert), erzeugt das Ablehnung. (Siehe Punkt 36.) Beides schwächt den strategischen Erfolg.

Die ethisch konsequente Haltung der Abolitionisten ist somit kein Selbstzweck und keine „ethische Reinheit“, sondern eine auch strategische Notwendigkeit.


32.  „Reformisten ‚Neue Tierschützer‘ zu nennen, ist beleidigend. Stattdessen sind sie auch Abolitionisten, denn alle, die für die Abschaffung eintreten, können sich so nennen.“

Reformisten bezeichnen sich selbst als „Tierschützer“ oder als „Tierrechtler“, je nach Situation, insgesamt benutzen sie den Ausdruck „Tierschützer“ jedoch öfter. Es ist eine eigenartige Anschuldigung, dass sie so zu nennen beleidigend sein soll, da sie es meist selbst tun. Das „Neue“ dient zur Abgrenzung von „Alten Tierschützern“ (siehe Einleitung), von denen sie sich selbst abgrenzen, sodass das in ihrem Interesse ist. Selbst wenn sie sich nicht so nennen sollten, entsprechen ihre Methoden denen der traditionellen Tierschützer, sodass diese Bezeichnung von daher gerechtfertigt ist.

Falsch ist auch der zweite Teil des Arguments, denn eine bloße Selbstbezeichnung führt nicht dazu, dass derjenige, der sich so bezeichnet, dieser Bezeichnung auch entspricht. Eine Bezeichnung ist dann richtig, wenn ihre Bedeutung mit dem übereinstimmt, was der Bezeichnet auch tatsächlich tut: Die, die (u.a.) Gesetzesänderungen anstreben, die Zustände reformieren sind folglich Reformisten; und die, die (u.a.) Gesetzesänderungen anstreben, die Zustände abschaffen, sind folglich Abolitionisten.


2.3.2 Teilbereich Veganismus

33.  „Die Forderung nach Veganismus überfordert die Menschen.“

Dass Veganismus schwierig oder gar überfordernd sei, widerspricht seiner (inzwischen) einfachen Umsetzbarkeit. Es gibt inzwischen in fast jedem Supermarkt (meist mehrere Sorten) Pflanzenmilch zu kaufen, es gibt etliche vegane Kochbücher oder Online-Rezepte, in größeren Städten gibt es inzwischen vegane Restaurants und immer mehr Firmen ändern ihre Produkte, sodass sie für Veganer geeignet sind (unter anderem Alsan Margarine, Alpro Soja, Sojola und Deli Reform). Vegan zu leben wird von Jahr zu Jahr leichter. Vor zwanzig Jahren hätte man argumentieren können, dass vegan zu leben aufwändig sei, heute nicht mehr.

Eine 2011 veröffentliche Statistik bestätigt diese Beobachtung. Das Veganwerden war nur für 10,3% der Befragten mit viel Aufwand verbunden. Für den Großteil von 64,5% war es mit ein wenig Aufwand und für 24,9% ohne jeglichen Aufwand verbunden.36

Der Anschein, dass Veganismus zu schwierig sei, stammt zu einem nicht geringen Teil von den Tierschutzorganisationen selbst. Statt Veganismus zu fördern, stellen sie ihn als unnötig, übertrieben und schwierig dar (siehe Punkt 41a), um dann argumentieren, eine Förderung von Veganismus sei nicht möglich, da er nicht akzeptiert sei. Ein sich selbst erhaltender zirkulärer Effekt.

Dieses Argument wird manchmal dahingehend gesteigert, dass Veganismus so schwierig sei, dass Veganer diesen Lebensstil nach einer gewissen Zeit wieder aufgäben. Jeder, der selbst vegan lebt, wird das Gegenteil bestätigen: Wenn es überhaupt ernsthafte Hürden gibt, dann liegen sie am Anfang. Wer diese erste Phase des Sich-Informierens durchlaufen hat, hat einen normalen, kaum aufwändigeren Alltag als zuvor. Die eben genannte Studie bestätigt auch das. So ist das Veganbleiben für nur 3,2% mit viel Aufwand verbunden, für 35,6% mit etwas und für die Mehrheit von 61,2% mit keinerlei Aufwand.37


34.  „Alle Veganer waren vorher Vegetarier. Dieser Übergang ist notwendig.“

Dass immer noch sehr viele Menschen diesen unnötigen Zwischenschritt machen und erst Vegetarier geworden sind, liegt unter anderem daran, dass ihnen von allen Tierschutzorganisationen eingeredet oder suggeriert wird, es sei notwendig. Solange diese Organisationen Vegetarismus statt Veganismus fördern und Veganismus als schwierig darstellen (siehe vorhergehenden und Punkt 41a), ist dieses Ergebnis nicht verwunderlich. Sie behaupten, dieser Umweg sei nötig, fördern also lediglich diesen Umweg und mit all den Menschen, die ihn deshalb gehen mussten, rechtfertigen sie wiederum ihre erste Aussage. Wiederum ein sich selbst erhaltenden zirkulärer Effekt des Reformismus.

Falsch ist die Aussage ohnehin. Es gibt immer mehr Menschen, die ohne Umwege vegan werden und gleichzeitig der Beweis dafür sind, dass dieser Umweg keineswegs notwendig ist.


35.  „Auch wenn Vegetarismus als Übergang nicht notwendig ist, ist er hilfreich, weil es ein größerer Schritt vom Fleischesser zum Veganer ist als zum Vegetarier.“

Es für einen größeren Schritt zu halten, beruht auf der falschen Dichotomie, dass Vegetarier „eigentlich“ auf der Seite der Veganer stünden und die Fleischesser auf der anderen. Wenn man die Menschen ordentlich über die Hintergründe der Tierproduktion aufklärt, verschwindet diese Dichotomie, denn Vegetarier und Fleischesser fördern beide die Tierausbeutung und sind beide für das Töten von Tieren verantwortlich, allenfalls mit einer leichten Abstufung im Ausmaß. Vor diesem Hintergrund Vegetarismus zu fördern, um sie dadurch zum Veganismus zu bringen, bedeutet die Menschen für dumm zu halten, zu glauben, dass sie diesen einfachen Fakt nicht verstehen würden. Ob das „hilfreich“ ist, ist zweifelhaft.

Keineswegs hilfreich ist es auch deshalb, weil Vegetarismus, wenn er positiv dargestellt wird, als Gewissenberuhigung fungiert und dadurch verhindern kann, dass der Schritt zum Veganismus gemacht wird. Dazu kommt, dass die meisten Veganer, die vorher Vegetarier gewesen sind, hinterher bereuen, diesen Umweg gegangen zu sein.


36.  „Man soll nicht versuchen, einzelne Menschen vom Veganismus zu überzeugen, sondern die Gesellschaft an sich vegan machen, dann werden die Menschen automatisch vegan, weil Veganismus die einfachste Lebensweise ist.“

Um die träge Mehrheit der Bevölkerung vegan zu machen, müssen vegane Produkte besser verfügbar und billiger sein, gute Qualität (in Konsistenz u. dgl.), guten Geschmack und ein gutes Image haben. So können sie die nicht-veganen Produkte ersetzen und auch die Personen, die ethischen Argumenten gegenüber ablehnend sind, würden dennoch zum Kauf der veganen Produkte neigen. Für die Bereiche des Veganismus, die nicht die Ernährung betreffen, gilt mutatis mutandis das gleiche.

Das ist ein sinnvolles Ziel. Es fragt sich nur: Wie soll das erreicht werden, ohne anfangs einzelne Personen vom Veganismus zu überzeugen? Der Anreiz für Firmen, bessere vegane Produkte zu entwickeln, und für Restaurants, ihr Menü entsprechend umzustellen, kommt nur über die vorhandene oder vermutete Nachfrage. Die Möglichkeit, diese Produkte zu einem billigeren Preis anbieten zu können, braucht eine große Nachfrage. Logischerweise braucht man, wenn man bessere und preiswertere Produkte anbieten will, mehr vegane Konsumenten, d.h.: mehr Veganer. Wenn man also will, dass die Gesellschaft vegan wird, muss man bei der Überzeugung einzelner Menschen anfangen – also genau das, was der Abolitionismus tut und fordert.


37.  „In Gesellschaften mit viel Tierschutz gibt es viele Veganer, in Gesellschaften mit wenig Tierschutz gibt es wenige. Das beweist, dass Tierschutz Veganismus fördert.“

Veganer und viele Tierschutzgesetze sind beide Folgen von gesellschaftlichem Interesse am Wohlbefinden von Tieren. Eine Abhängigkeit zwischen den ersten beiden besteht nicht, anders als dieses Argument, das von Korrelation auf Kausalität schließt, behauptet. Denn Tierschutzorganisationen treten fast nie für Veganismus ein, sondern marginalisieren und diskreditieren ihn (siehe Punkt 41a). Es sind hingegen Tierrechtler und Veganer, die für Veganismus eintreten und weitere Personen vom Veganismus überzeugen.



3. Die Wirkungsmächtigkeit des Reformismus

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Reformismus bis heute die vorherrschende Strategieform ist, obwohl er viele offensichtliche theoretische (v.a. ethische) und die praktische Fehler aufweist. Der Hauptgrund ist, dass die Tierschutzorganisationen und die Tierausbeutungsindustrie von ihm profitieren. Bevor dies ausgeführt wird, soll es jedoch noch kurz um zwei Nebenursachen gehen.


3.1 Nebenursachen

38.  Tierschutz ist historisch dominant.

Es gibt seit zweihundert Jahren reformistischen Tierschutz und er ist bis heute dominant geblieben. Er ist selbst unter den Gruppen, die sich als „Tierrechtsgruppen“ bezeichnen und sich der „Tierrechtsszene“ zuordnen, stark vertreten. Diesen Umstand, der lediglich der Status quo ist, sehen viele Menschen als Beweis, dass er gut funktionieren müsse. Die Folge ist zudem, dass in jedem Medium (Buch, Zeitschrift, Internet, Film usw.), das sich irgendwie mit dem Schutz von Tieren beschäftigt, noch uninformierte Personen immer erst auf den Tierschutz bzw. Reformismus treffen und dessen Argumente übernehmen, statt sie kritisch zu hinterfragen. Selbst Personen, die sich des Unterschieds Tierschutz/Tierrechte bereits bewusst sind, geraten meist an die Neuen Tierschützer, da diese sich fälschlich als Tierrechtler bezeichnen.


39.  Die Behauptung des Tierschutzes, den Tieren durch seine Maßnahmen zu helfen, wird intuitiv akzeptiert, nicht aber überprüft.

Ein zweiter Grund, weshalb Reformismus bis heute wirkungsmächtig ist, besteht darin, dass Tierschutzverbesserungen den Anschein haben (oder besser gesagt: er wird erzeugt), dass sie den Tieren helfen würden. Die meisten Menschen neigen intuitiv dazu, alles, was Tieren (vermeintlich) hilft, zu unterstützen. Es vermittelt denen, die Tierschutz unterstützen, das Gefühl, etwas Positives getan zu haben. Dafür sind vor allem solche Menschen anfällig, die sich von ihrem Empfindungen leiten lassen, statt von ihrer Vernunft.

Während diese Behauptung intuitiv akzeptiert wird, ist es zumindest mit ein wenig Aufwand verbunden, herauszufinden, dass dem nicht so ist. Die Informationen darüber, wie wenig die „Tierschutzverbesserungen“ tatsächlich helfen und wie schädlich die Folgen sind, die mit solchen Reformen einhergehen (Steigerung der Produktionseffizienz und Gewissensberuhigung), werden ihnen von denen vorenthalten, die am Reformismus verdienen (die Tierausbeuter und die Tierschützer). Bei den gefühlsbetonten Menschen kommt hinzu, dass sie oft erst gar nicht die Bereitschaft aufweisen, den Sachverhalt und komplexen Zusammenhänge rational zu betrachten.



3.2 Hauptursache: Die Profitabilität des Reformismus

Die Hauptursache für die Dominanz des Tierschutzes das Geld, das die Tierschutzorganisationen durch ihn einnehmen können (siehe 3.2.1). Mit einer tierrechtlerisch-abolitionistischen Ausrichtung lässt sich dagegen kein (oder zumindest nicht so einfach) Geld einnehmen. Denn die Haupteinnahmequelle der Organisationen ist das Spendengeld, und die ergiebigsten Spender sind diejenigen, die sich damit ein gutes Gewissen erkaufen. Dabei soll nicht behauptet werden, die Organisationen täten es, um sich zu bereichern, wobei es dennoch bei einigen auch Bereicherungen gibt, die manchmal in Form von „Spendenskandalen“ an die Öffentlichkeit kommen, teilweise aber auch verborgen bleiben.

Der zweite Profiteur sind die Tierausbeuter selbst (siehe 3.2.2). Auch viele von ihnen unterstützen Reformen, da sie Produktivitätssteigerungen (billigere Produktion) und bessere Absatzmöglichkeiten für die Produkte (höhere Verkaufszahlen) erreichen können. Bei ihnen handelt es sich um Profit im eigentlichen Sinne des Wortes.

Bei dieser Konstellation ist es auch nicht verwunderlich, dass Tierschutzorganisationen und Tierausbeuter nicht selten direkt zusammenarbeiten (siehe 3.2.3).



3.2.1 Tierschutzorganisationen

40.  Die Verhältnis zwischen Spender und Organisation.

Wenn Menschen eine Spende tätigen, tun sie das entgegen herkömmlichen Vorstellungen nicht aus reinem Altruismus. Sie erwarten (bewusst oder unbewusst) eine Gegenleistung. „Eine wichtige Aufgabe des Fundraising [= Spendensammeln, Anm.] muss nun darin gesehen werden, den Ressourcenbereitstellern entsprechend ihren Bedürfnissen (immaterielle) Gegenleistungen anzubieten.“38 Das Spenden funktioniert nach dem Marktprinzip: Geld gegen Ware, wobei die Ware in diesem Fall meist immateriell ist. Die Tierschutzorganisationen betreiben Marketing. Sie finden heraus, welche „Nutzenerwartungen“39 die Spender haben, welche „Kunden- bzw. Spenderbedürfnisse“,40 und richten ihr „Angebot“ danach aus. „Entsprechend bildet im Fundraising die Befriedigung der Spenderbedürfnisse und damit die Spenderzufriedenheit die Grundlage für den langfristigen Erfolg einer NPO [=Nonprofit-Organisation, Anm.].“41 Die Frage ist daher: Was ist die Gegenleistung, die eine neutierschützerische Organisation für die Spende erbringen kann?

Um herauszufinden, was die Spender von einer Tierschutzorganisation als (immaterielle) Gegenleistung erwarten, muss überlegt werden, in welcher Situation sich die Spender der Organisation gegenüber befinden. Die Spender von Tierschutzorganisationen sind (ob als Mitglied oder ohne Mitgliedschaft) zum größten Teil keine Veganer.42 Sie sind in irgendeiner Form um die Tiere besorgt – deshalb wenden sie sich solchen Tierschutzorganisationen überhaupt zu –, aber sie sind durch ihren Nicht-Veganismus für immenses Tierleid direkt verantwortlich und sich dessen auch bewusst, entweder durch Allgemeinwissen oder durch die Informationen der Tierschutzorganisation selbst. Dieser Widerspruch erzeugt bei den Personen eine kognitive Dissonanz: Sie handeln anders, als sie es mit ihrem Wertsystem in Übereinstimmung bringen können.43 Sie sind nicht vegan, haben aber ein schlechtes Gewissen deswegen. Diesen Widerspruch müssen sie irgendwie verringern.44 Das Nächstliegende, was sie als Gegenleistung für die Spende von der Tierschutzorganisation (bewusst oder unbewusst) erwarten, ist, dass durch das Spenden ihre Dissonanz verringert wird. Der hauptsächliche Grund,45 warum sie spenden, ist also Dissonanzreduktion, was einfach ausgedrückt die Entlastung des schlechten Gewissens bedeutet.46

Dass Spenden dazu geeignet sind, Schuldgefühle zu entlasten, belegt die Spendenliteratur in den jeweiligen Abschnitten über Spendermotive. Dort heißt es beispielsweise, dass das „schlechte Gewissen [zu] beruhigen“ ein „zentrales Spendenmotiv“ und die Spende „Möglichkeit der Kompensation“ sei;47 dass zu den immateriellen Gegenleistungen für eine Spende unter anderem der „Abbau von Schuldgefühlen“ gehöre,48 das „gute Gewissen“,49 „das gute Gefühl geholfen zu haben“,50 die „Beruhigung des schlechten Gewissens“51 oder die Reduktion „eigener negativer Emotionen“.52 Eine Spendenstrategie könne es sein, „moralischen Druck aufzubauen und das schlechte Gewissen anzusprechen. Die Spende erhält entsprechend leicht die Funktion eines ‚Freikaufs‘“.53

Eine weitere konkrete Formulierung lautet:

„Die kognitive Dissonanz verursacht ein psychologisches Unbehagen, das Unbehagen motiviert das Individuum zum Abbau der entstandenen Dissonanz. Die Folge der Spende ist eine immaterielle Gratifikation, der Spannungszustand, die Dissonanz im Insystem des Spenders, hat sich verringert bzw. aufgelöst.“54

Und eine noch konkretere:

„Schuldinduzierte Hilfe an Dritte in Form kompensatorischer Gewissensentlastung ist sehr gut denkbar. Spendenverhalten ist ein stark anonymes Verhalten. Gerade unter dem Aspekt der Verheimlichung einer Untat bietet das Spenden eine gute Möglichkeit der Schuldkompensation, ohne daß der Spender sich für seine Hilfe rechtfertigen muß und dadurch auf seine Schuld aufmerksam macht.“55

Mit einem Begriff aus der Geschichte formuliert: Das Spenden an Tierschutzorganisationen ist moderner Ablasshandel.


41.  Die Methoden zur Spendergewinnung und -bindung.

Die Tierschutzorganisationen brauchen Spender, doch kommen die zum einen nicht von selbst, sondern müssen geworben werden (d.h. die Vorzüge der zu erwartenden Dissonanzreduktion müssen herausgestellt werden) und zum anderen gibt es auch andere Methoden zur Dissonanzreduktion (wie vegan zu werden), was die Personen vom Spenden abhalten oder dieses zumindest verringern könnte, da dann die Hauptmotivation zu spenden weggefallen wäre. Deshalb müssen die Tierschutzorganisationen so agieren, dass sie neue Spender gewinnen, und dass sie die bestehenden an sich binden.


a) Umgang mit Veganismus

Die Inhalte (auf der Webseite, in Flyern, bei Kampagnen etc.) sind so angelegt, dass sie die Spenderwünsche (Gewissensentlastung) befriedigen. Das bedeutet möglichst wenig und wenn, keine direkte Kritik am Nicht-Veganismus der Spender zu üben, denn um „eine nachhaltige Spenderbindung zu erzielen, sollte in erster Linie vermieden werden, den Spender in irgendeiner Weise zu verärgern bzw. seine oder ihre Zufriedenheit zu gefährden“.56 Würden die Spender an ihre eigene Verantwortlichkeit für die Folgen ihres Nicht-Veganismus erinnert, würde das ihre Spendenbereitschaft verringern.57

Um zu vermitteln, dass nicht-vegane Personen bei ihnen keine Kritik zu befürchten haben, vermeiden die Tierschutzorganisationen es weitgehend, Veganismus zu thematisieren. Wenn sie es nicht umgehen können, benutzen sie nicht den Begriff Veganismus, sondern stattdessen Bezeichnungen wie „rein pflanzliche Ernährung“ (was als Umschreibung für Veganismus in mehrfacher Hinsicht falsch ist).58 Die Konsequenz des Veganismus wird demonstrativ verwässert. So spricht die PETA-Vorsitzende Newkirk davon, dass man „auf das Prinzip [konsequent vegan zu leben] scheißen“ sollte.59 Wenn Reformisten überhaupt von persönlichen Entscheidungen sprechen, dann fast nie von Veganismus, sondern stattdessen, dass man Vegetarier werden solle oder „Veggie“ (ein Versuch, zwei Gegensätze in einen Begriff zu pressen). Schließlich benutzen sie nicht weniger abwegige Formulierungen wie die Zusammenstellung „vegan/vegetarisch“.

Dieses Verhalten dient also einerseits dazu, Nicht-Veganer als Spender zu gewinnen, andererseits dazu, dass die nicht-veganen Spender nicht-vegan bleiben. Denn wenn sie vegan würden, würde die Spendenmotivation der Gewissensentlastung nicht mehr funktionieren.

Die wenigen proveganen Aktivitäten, die sich manchmal finden lassen, sind im Verhältnis zu den nichtveganen so stark unterrepräsentiert, dass ihnen lediglich eine Alibifunktion zukommt.


b) Kampagnenauswahl

Um für die Spendengenerierung effektiv zu sein, müssen die Kampagnen vor allem zwei Merkmale erfüllen. (1) Sie dürfen die Spender nicht daran erinnern, dass sie durch ihren Nicht-Veganismus selbst für Tierleid verantwortlich sind; (2) sie müssen „gewinnbar“ sein. Mit beiden, vor allem aber dem zweiten Punkt in Verbindung steht das Ziel, medienwirksam zu sein, da die Medienpräsenz ein wichtiges Mittel ist, um neue Spender zu gewinnen.

Das erste Ziel – die Spender nicht an ihren eigenen Nicht-Veganismus zu erinnern – wird dadurch erreicht, dass diese Themen häufig ins Ausland verlagert werden. So geht es nicht selten um „indisches Leder“, „australische Wolle“, türkische Straßenhunde, Stierkämpfe, Robben, Pelzprodukte aus China usw. Mit diesen Randbereichen hat ein durchschnittlicher Mitteleuropäer nichts zu tun und kann sich trotz täglichem Fleisch-, Ei- und Tiermilchkonsum aufgrund seiner Spende einreden, etwas „für die Tiere“ getan zu haben.

Wenn es um inländische Praktiken in der Tierproduktion geht, konzentrieren sich die Organisationen auf „Skandale“, da diese besonders medienwirksam sind. Theoretisch sind neutierschützerische Organisationen gegen jede Form der Tiernutzung, das stellen sie in diesen Fällen jedoch nicht in den Vordergrund. Wenn irgendein Landwirt oder Betrieb die Tierschutzgesetze übertreten hat, wird dies „angeprangert“ und die Einhaltung der Tierschutzgesetze gefordert. Damit wird vermittelt, dass das Problem in der Nicht-Einhaltung der Tierschutzgesetze liege, statt in der Tiernutzung (Tierausbeutung) überhaupt. Wenn ein Landwirt wegen Übertretung von Tierschutzgesetzen kritisiert wird, stört das den nicht-veganen Spender nicht, da er natürlich nur „tierschutzgerechte“ Tierprodukte von „vertrauenswürdigen“ Tiernutzern konsumiert.60 Und genau diese Produktionspraktiken (z.B. „Alternativhaltungen“) werden von den Tierschutzorganisationen nicht kritisiert, sondern gelobt oder aktiv unterstützt (siehe unter anderem Punkt 44).

Da die Medienaufmerksamkeit das Wichtigste überhaupt ist, schrecken die Organisationen auch nicht vor der Objektifizierung von Frauen (die gering bekleidet auf Plakaten und in Aktionen benutzt werden) und der Instrumentalisierung von kranken Menschen zurück, nur um in die Medien zu kommen. Der Schaden, den der Tierrechtsaktivismus im öffentlichen Ansehen dadurch davonträgt, wird in Kauf genommen.

Das zweite Ziel ist, dass die Kampagnen „gewinnbar“ sein müssen. Es muss in absehbarer Zeit ein „Erfolg“ oder „Sieg für die Tiere“ verkündet werden können. Es ist daher nicht überraschend, dass nahezu alle Spendenorganisationen auf ihrer Webseite eine eigene Unterseite für „Erfolge“ haben.61 Der Grund hierfür ist wiederum die Bindung der Spender an die Organisation. Denn der Erfolg einer Organisation ist ein wesentliches Kriterium, nach dem sie beurteilt wird. Die „Erfolge, die eine Institution durch ihre Tätigkeit erzielt hat“ gelten „als Gradmesser für die Effizienz einer Spende“.62 Oder konkreter:

„Überdies sollte dem Spender zur Bestärkung seines Selbstwertgefühls und zu seiner Zufriedenheit nachgewiesen werden, dass seine Spende tatsächlich etwas bewirkt hat. Unterbleibt dieser Nachweis, besteht die Gefahr, dass nach der Spende eine kognitive Dissonanz, beziehungsweise ein Bedauerungsgefühl auftritt, das den Spender möglicherweise dazu veranlasst, von weiteren Spendenvorhaben Abstand zu nehmen.“63

Das Problem ist nicht, dass mit dem Begriff Erfolg gearbeitet wird (einen tatsächlichen Erfolg darf man auch Erfolg nennen), das Problem ist, dass es fast immer kein Erfolg ist. Wenn die Kampagnen „gewinnbar“ sein müssen, werden die leichtesten und damit meist nutzlose Ziele ausgewählt, nur um irgendwie einen „Erfolg“ zu produzieren und dadurch die Spender zu halten. Es werden irgendwelche Veränderungen in der Praxis der Tierausbeutungsindustrie, egal wie folgenlos und marginal sie sind, als „Erfolge“ dargestellt. Das bedeutet auf der einen Seite, dass Energie an strategisch schlechte Ziele verschwendet wird (wie an Randbereiche), und auf der anderen Seite, dass hiermit wiederum Nicht-Veganern ein gutes Gewissen vermittelt wird, weil sie glauben, durch die Reformen ginge es den Tieren signifikant besser und der Konsum von (diesen) Tierprodukten sei unproblematisch.

Beispiel Tierversuche: Als 2010 in Österreich an 29 Schweinen Versuche zur Verschüttung bei Lawinen gemacht bzw. geplant wurden, gab es großen Protest, an dem sich viele Tierschutzorganisationen beteiligten. Nachdem das Thema medial erschöpft war, gab es keine Kritik in diesem Ausmaß mehr, obwohl jährlich über 5 000 Schweine in Österreich in anderen Tierversuchen getötet werden, in Deutschland 16 000. Der Protest gegen diese Versuche, obwohl es sich um die gleichen Tiere handelt, war jedoch nicht genauso attraktiv.

Beispiel Legebatterieverbot: Wenn das Verbot der Legebatterien als „Erfolg“ bezeichnet wird, obwohl die Tiere in den anderen Eierproduktionssystemen nicht weniger, sondern nur anders leiden,64 wird den Konsumenten suggeriert, dass Eier aus „Alternativhaltung“ tierfreundlicher produziert würden.

Auch wenn mit diesen „Erfolgen“ die Situation der Tiere wirklich verbessert würde, wären sie dennoch unverantwortlich ineffektiv und sie besäßen dennoch die negativen Nebeneffekte wie die ethische Verwirrung, dass bestimmte Formen der Tierausbeutung verwerflicher seien als andere (vgl. Punkt 5).65


c) Umgang mit Aktivisten

Aktivisten, die selbst etwas gegen die Tierausbeutung unternehmen wollen, sind bei reformistischen Organisationen meist nicht gern gesehen. Denn aktive Person spenden weniger als passive. Deshalb werden zum einen oft solche Kampagnen gewählt, die keinen persönlichen Aktivismus zulassen. Da sich Aktivismus jedoch nicht gänzlich kleinhalten lässt, wird zum anderen versucht, ihn an die Organisation zu binden.

Kampagnen, die keinen persönlichen Aktivismus zulassen, sind die bereits angesprochenen Auslandsthemen und Randbereiche. Etwas direkt gegen das „Robbenschlachten“ in Kanada oder Stierkämpfe in Spanien zu unternehmen ist für Einzelpersonen schon aus Entfernungsgründen kaum möglich. Das gleiche gilt für Randbereiche wie „Gänsestopfleber“ oder den Konsum von Hummern. Was Aktivisten übrigbleibt, wenn sie dem Aufruf der Tierschutzorganisationen zu einem solchen Thema folgen wollen, ist zu spenden. Die Spende ist in diesem Fall ein „Ersatz für Engagement und Kompensation des schlechten Gewissens, sich nicht zu engagieren“ (ein weiteres Spendermotiv).66 Die Tierschutzorganisationen können behaupten, dass das Aktivwerden in diesen Bereichen nur über die Organisation möglich ist. Und die braucht dafür natürlich Geld.

Wenn es inländische Themen und Kernbereiche betrifft, wo einzelne Personen selbst aktiv werden könnten, werden oftmals solche Aktionsformen gewählt, die den Aktionismus an die Tierschutzorganisation binden. So werden Gesetzesänderungen angestrebt (egal wie nutzlos sie sind, siehe Punkt 6), für die sich der Aktivismus in einer Unterschrift für eine Petition erschöpft. Um solche Petitionen den zuständigen Stellen zu übergeben, wird wiederum die Organisation benötigt. In einem anderen Fall, der Bereitstellung von Informationsmaterial, dass verteilt werden soll, findet sich dort meist die Angabe des Spendenkontos. In diesen und ähnlichen Fällen soll die Organisation als unverzichtbar erscheinen und so die Aktivisten an sie gebunden werden, denn nur durch diese Nähe bleiben sie als Spender verfügbar.


3.2.2 Tierausbeuter

Der zweite Profiteur des Reformismus, neben den Tierschutzorganisationen, ist die Tierausbeutungsindustrie selbst. Die Anhebung von Tierschutzstandards infolge von Reformen verursacht Kosten. Dass es jedoch falsch ist, daraus zu schließen, sie seien daher für die Tierausbeuter nachteilig, wurde bereits gezeigt: Dass die Produkte nicht notwendigerweise weniger gekauft werden, obwohl sie teurer geworden sind, wurde unter Punkt 8 ausgeführt. Den anderen Grund, warum Reformen für Tierausbeuter nicht nachteilig sind, zeigen die nächsten beiden Punkte: Die Reformen können die Effektivität der Produktion erhöhen und dadurch Kosten reduzieren; und Reformen verbessern die Verkäuflichkeit der Tierprodukte. Beides sind Einsparungs- bzw. Einnahmequellen, die die Kosten übersteigen können. Wenn ein Industriebetrieb neue Maschinen kauft oder eine Firma neue Software, verursacht das auch Kosten, doch würde niemand auf die Idee kommen, diese Anschaffungen seien nachteilig. In der Tierausbeutungsindustrie ist es bei der Übernahme von kostenverursachenden „höheren Tierschutzstandards“ nicht anders.


42.  Tierschutzstandards erhöhen die Effektivität der Produktion.

Verbesserungen des Tierschutzes können sich auf vielen Ebenen für die Tierausbeuter finanziell positiv auswirken. Das betrifft sowohl die Direktkosten (z.B. Tierarztkosten) als auch indirekte Kostenfaktoren (z.B. Arbeitsgeschwindigkeit).67 Da viele Landwirte traditionalistisch denken und da die Erkenntnis, dass die Massentierhaltung in vielen Bereichen inzwischen ineffizient ist, erst relativ neu ist, werden neue Tierschutzstandards nicht von allen begrüßt. Unbekannt ist die Tatsache, dass sie ökonomisch lohnend sind, jedoch nicht. So kann man regelmäßig bei Tierausbeutern Sätze lesen wie: „Guter Tierschutz spart Geld!“,68 „Tierschutz [ist] für den Landwirt schon aus ökonomischen Gründen ein Muss“69 oder „Verbesserter Tierschutz kann zu einer Reduktion der Produktionskosten führen“.70

Von den folgenden Faktoren treffen nicht alle gleichermaßen auf jede Reform zu. Bei fast allen Reformen finden sich jedoch mehrere zutreffende Faktoren, die die nicht-zutreffenden übersteigen.

Tierarztkosten. Eine schlechte Haltung der Tiere verursacht Verletzungen und psychische Probleme, die Tierarztkosten für Behandlung und Vorsorge nach sich zieht. Bereits mit kleinen Veränderungen können die hohen Kosten für Behandlungen und Medikamente deutlich gesenkt werden.

Beispiel Spaltenböden in der Rinderhaltung: Bei einem Wechsel von Vollspaltenböden zu gummierten Flächen lassen sich „tierschutzrelevant[e] Gesundheitsprobleme“ reduzieren,71 denn auf Spaltenböden sind allgemein mehr Klauenkrankheiten und Klauenverletzungen zu beobachten. Diese Änderung wirkt sich langfristig positiv auf die Tierarztkosten aus.

Beispiel Einstreu: Bessere Einstreu kann bei Masthühnern die häufig auftretenden Fußerkrankungen (Pododermatitis) reduzieren.72 Bei Kälbern kann es allgemein den Gesundheitszustand verbessern.73

Beispiel Ferkelkastration: Die offene Wunde, die bei der Kastration entsteht, kann zu Infektionen führen.74 Die Infektionen wiederum zu Krankheiten und Todesfällen. Bei einem Verzicht auf Kastration fiele diese Gefahrenquelle weg.

Eine gute Tiergesundheit ist nicht nur für die Tierarztkosten, sondern für folgende Faktoren auch immer mit von Vorteil.


„Futterrate“. Krankheiten und psychische Probleme (Stress, Verhaltensstörungen) lassen die Produktivität der Tiere signifikant sinken. Es ist bekannt, dass der Körper bei Krankheit ein Teil seiner Ressourcen auf die Bekämpfung der Krankheit verwenden muss. Dieser Teil kann dementsprechend nicht in Wachstum (Fleisch) oder Produktivität (Tiermilch, Eier) umgesetzt werden. Durch die daraus folgende schlechtere „Futter“-Verwertung steigen die „Futterkosten“ und diese sind die mit Abstand höchsten Direktkosten.75 Auch kleine Veränderungen, die die „Futterrate“ verbessern, zahlen sich hier aus.

Beispiel Kälberhaltung: Bei Kälbern kann täglich etwas Mutterkontakt die Verhaltensstörungen, die durch die Trennung von der Mutter entstehen, reduzieren und dadurch die tägliche Gewichtszunahme erhöhen.76 Werden Kälber mit Stroheinstreu statt auf Vollspaltenböden gehalten, ist eine Senkung des „Futterverbrauchs“ zu erwarten.77

Beispiel Rinderhaltung: Durch bessere Boxen, die auch die Gesundheit der Gliedmaßen erhöht, lässt sich die Milch-Leistung je Kuh um 1,3 kg/Tag steigern.78 Durch einen Laufstall lassen „die Verbesserung der Klauengesundheit sowie das reduzierte Auftreten von Lahmheiten langfristig Leistungssteigerungen erwarten“.79

Beispiel Ferkelkastration: Eine Kastration ohne Betäubung hat negative Effekte auf das Wachstum und die Gesundheit der Ferkel, wohingegen Kastration mit Betäubung positive Effekte auf Wachstum und damit die Gewichtszunahme hat.80


Mortalitätsrate. Auch direkt mit der Gesundheit hängt die Mortalitätsrate (Sterberate) zusammen. Je mehr Tiere vorzeitig sterben (durch Krankheiten oder infolge psychischer Störungen und Verhaltensabnormalitäten wie Kannibalismus), desto höhere Kosten entstehen, da diese Tiere zwar gekauft und bis zum Sterbetag versorgt werden mussten, aber nicht bzw. nicht mehr bzw. nicht vollständig (je nach Ausbeutungsform) verwertet werden können. Die zweithöchsten Kosten nach den „Futterkosten“ sind die sog. Jungtiere selbst,81 sodass auch hier eine geringere Mortalität durch bessere Gesundheit wiederum wesentliche Einsparungen erzielen kann.

Beispiel Schweinehaltung: Schlechte bzw. fehlerhafte Gruppenhaltung von Sauen hat „eine schlechtere Abferkelrate sowie zusätzlich weniger lebend geborene Ferkel“ zur Folge.82 Schweine nicht in (von Tierschützern kritisierten) Kastenständen zu halten, wird als kostengünstiger angepriesen.83

Beispiel Kälberhaltung: Durch „tierschutzgerechtere“ Verfahren lässt sich die Mortalitätsrate in der Kälberhaltung senken.84

Das gleiche gilt für die Sterberate während der Tiertransporte, da diese Tiere vom Schlachthof nicht mehr verarbeitet werden dürfen. Jedes dabei gestorbene Tier ist ein Totalverlust, jede Form von Tierschutz, die dies reduziert, ökonomisch attraktiv.


Arbeitseffizienz und Arbeitsschutz. Die Personalkosten machen durchschnittlich 20% der Gesamtkosten aus, auch hier kann viel Geld eingespart werden. Durch Verbesserungen beim Tiertransport und beim Verladen, sowie bei der „Bearbeitung“ der Tiere im Schlachthof, können signifikant Arbeitszeit und damit Personalkosten gespart werden. Das gleiche gilt für den Schlachthof, wo es zeitintensiv ist, schlecht betäubte Tiere nachbetäuben zu müssen oder aus der (fehlerhaften) Betäubung wieder erwachte Tiere unter Kontrolle zu bringen.85

Beispiel CAS („controlled atmosphere stunning“): Dieses Verfahren, Hühner nicht per Strom, sondern per Gas zu betäuben, verspricht, dass sie schneller und einfacher gehandhabt werden können als bisher.86 Das Resultat sind Arbeitzeiteinsparung und Kostensenkung für den Tierausbeutungsbetrieb.

Zu den Personalkosten gehört auch der Arbeitsschutz, denn kranke oder verletzte Arbeiter fallen aus und das Unternehmen muss evt. die Behandlungskosten z.T. übernehmen. Gerade größere Tiere wie Schweine, Pferde und Rinder können, wenn sie beim Verladen oder im Schlachthof in Panik geraten, losrennen oder (an der Kette hängend) um sich treten und schwere Verletzungen bei den Arbeitern verursachen. Bereits kleine Verbesserungen (z.B. bei der Betäubung oder Verladung) können somit in diesem Bereich Kosten reduzieren.

Dazu kommt, dass die „Tierschutzverbesserungen“ oft nicht so viel aufwändiger und damit arbeitsintensiver sind, wie vermutet oder behauptet wird.

Beispiel Ferkelkastration: Die betäubungslose Ferkelkastration wird von Tierschützern kritisiert und eine Betäubung oder ein Verzicht gefordert. Eine so große Belastung für die Betriebe wäre dies nicht, wie oft vermutet wird. So sei eine Betäubung bei der Kastration „arbeitstechnisch gut durchführbar und billig“87 bzw. „tierschutzkonform“ und „schnell wirkend, kostengünstig“88. Von der Impfung (als Alternative zur Kastration) heißt es, sie sei „praktisch, wirksam, zuverlässig und tierfreundlich“89 und einige Agrarwissenschaftler sprechen ausdrücklich von sinkenden Kosten für die Landwirte, wenn solche Alternativen gewählt werden.90

Beispiel „Weidehaltung“ von Rindern: Diese Form der Tierhaltung ist keine Tierfreundlichkeit, sondern reduziert Arbeitskosten, da dann das Ausmisten entfällt (falls keine automatische Vorrichtung dafür vorhanden ist), sowie die Entsorgung der Gülle. Weiterhin wird dadurch teilweise „Futter“ gespart, da die Rinder über das Grasen Nahrung aufnehmen.


Fleischqualität. Die Qualität des Fleisches (des „Schlachtkörpers“) wird durch Knochenbrüche und Blutergüsse, wie infolge von Quetschungen, beeinträchtigt, sowie durch einen hohen Stresshormonspiegel und einen hohen pH-Wert. Eine höhere „Ausbeute“ verspricht es daher, wenn sowohl die absichtlichen Verletzungen der Tiere durch den Sadismus mancher Arbeiter, als auch die unabsichtlichen Verletzungen durch schlechte Vorrichtungen, unzureichende Betäubung, Panik der Tiere, wodurch sie sich und anderen Tieren Verletzungen zufügen, usw. reduziert werden.

Beispiel CAS („controlled atmosphere stunning“): Das Verfahren, Hühner nicht per Strom, sondern per Gas zu betäuben, wird gelobt, weil „das Fleisch von höherer Qualität ist“, da die Tiere „weniger Stress [erleiden]“ und weil es weniger „Quetschungen und gebrochene Flügel“ gebe.91 Mit anderen Worten: Mit dem Fleisch können höhere Gewinne gemacht werden, als wenn die Tiere mit bisherigen Verfahren betäubt wären.

Dazu kommen weitere Vorteile wie (mögliche und tatsächliche) geringere Besteuerung von „Biobetrieben“ und höhere Subventionen, oder Faktoren wie die Produktsicherheit (z.B. Belastung der Produkte mit Keimen oder Schadstoffen, die die Verkäuflichkeit nicht gerade fördern). Auch in anderen Bereichen wie bei Tierversuchen ist man um Tierschutz bemüht. „Bessere Haltungsbedingungen“ sind insgesamt profitabler, denn: „leidende Tiere verfälschen die Ergebnisse“.92 Weitere Beispiele für die Profitabilität siehe Punkt 44a.

Tierschutzverbesserungen sind trotz (meist nur geringer) Zusatzkosten für die Tierausbeuter profitabel, weil diese Kosten sich rentierende Investitionen sind, abgesehen davon, dass sie zum Teil an die Verbraucher weitergegeben werden.


43.  Tierschutzstandards verbessern die Verkäuflichkeit von Tierprodukten.

a) Funktionsweise

Die Ursache dafür, dass Tierschutzstandards die Verkäuflichkeit von Tierprodukten verbessern, ist im Wesentlichen die gleiche Ursache wie die für die Abhängigkeit zwischen Spender und Organisation (siehe Punkt 40). Die Zielgruppe von Tierschutzorganisationen umfasst Personen, die in einer gewissen Weise um die Tiere besorgt sind (meist aus natürlicher Empathie heraus), aber zu bequem, um ihre Konsumgewohnheiten zu ändern. Sie wissen, dass sie mit ihrem unveganen Verhalten Tierleid verursachen, aber versuchen sich durch den Kauf bestimmter, vermeintlich „tierfreundlicher“ Produkte ein gutes Gewissen zu verschaffen (mit anderen Worten: die kognitive Dissonanz zwischen ihrem Denken und ihrem Handeln zu reduzieren). Da beides Formen der Dissonanzreduktion sind, ist es auch nicht verwunderlich, dass die meisten Spender sowohl spenden, als auch „selbstverständlich nur tierfreundliche Produkte“ kaufen.

Psychologische Studien stützen diese Annahme. Es wurde einerseits nachgewiesen, dass „gerechtes“ Handeln – hier gegenüber den nichtmenschlichen Tieren – (auch wenn es nur vermeintlich gerecht ist) das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert,93 und andererseits, dass der Kauf von „ethischen Produkten“ eine Gewissensberuhigung bewirkt.94 Eine weitere Studie sagt, dass Menschen sich einreden, Tiere würden nicht leiden (oder in diesem Fall: weniger), um „mit gutem Gewissen […] Fleisch zu essen“ oder andere Tierprodukte.95

Die kognitive Dissonanz wird dadurch reduziert, dass dem Bewusstsein kognitive Elemente hinzugefügt werden, die das Ausmaß der gesamten Dissonanz verringern. Elemente, die die Dissonanz verringern, werden nicht nur passiv integriert, sondern aktiv gesucht.96 Das wird von den Herstellern ausgenutzt, indem sie den suchenden Verbrauchern mit darauf abgestimmten Werbeversprechen entgegenkommen. Im sogenannten emotionalen Marketing sind „Schuld“ bzw. „Reue“ eine der Kategorien, die in der Werbung eingesetzt werden können.97 Welche Form von „Schuld“ das beim Kauf von Tierprodukten ist, liegt auf der Hand.

In der Praxis ist dieses Phänomen längst aufgegriffen, untersucht und bestätigt worden. Bereits in einer Umfrage von 1996 wurden von Kunden bei Fleischprodukten „Kriterien der Prozeßqualität, wie artgerechte Tierhaltung, Fütterung, Transport und Schlachtung […] als wichtiger beurteilt als die Kriterien der Produktqualität, wie Brateigenschaft, Geschmack usw.“98 Unter den Gründen für den Kauf von „tierfreundlich“ produzierten Tierprodukten findet sich wörtlich der Grund des „bessere[n] Gewissen“.99 Schon allein die Kennzeichnung als „Bio“, ohne zusätzliche Informationen über die Tierhaltung, wird mit dem Stichwort „artgerechte Tierhaltung“ assoziiert.100 Unter den Kaufmotiven für Bioprodukte findet sich häufig „Tierschutz“.101 „Artgerechte Tierhaltung“ gehört zu den drei zentralen Kaufgründen dieser Produkte.102 Bei einer weiteren Untersuchung stand das Kaufkriterium „Artgerechte Tierhaltung“ auf Platz 3 bzw. 4 von 26.103 Bei einer anderen das Kriterium der „Tierfreundlichkeit“ auf Platz 2 von 10.104 Die Zielgruppe, für die diese „tierfreundlichen“ Produkte besonders attraktiv sind, wird bereits jetzt auf insgesamt 35% der Gesamtkonsumenten geschätzt.105

Mancher Autor, der sich mit dem Thema beschäftigt hat (in diesem Fall Marktforschung für „Biofleisch“), spart bei seinen Worten nicht an Deutlichkeit:

„Die Vorstellung von der Erzeugung von Bio-Fleisch sind weitgehend konsistent mit dem, was jeweils unter artgerechter Tierhaltung verstanden wird. […] Bio-Fleisch bietet ein psychologisch wirksames Versprechen, wieder ohne Störungen und Schuldbewusstsein Fleisch essen zu können.“106

Beispiel betäubungslose Ferkelkastration: Viele der Untersuchungen, obwohl sie sich mit diesem Thema primär aus veterinärmedizinischer Sicht beschäftigt haben, haben in Bezug auf den „Tierschutz“ ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Verbraucher mit betäubungslosem Kastrieren unzufrieden sind.107 Das Verbot des betäubungslosen Kastrierens trägt dazu bei, dass die Kundenzufriedenheit wiederhergestellt und dadurch der Absatzmarkt erhalten wird.


b) Image-Kampagnen

Da die Gewinne für Produkte, die ethische Versprechungen machen, enorm zunehmen,108 ist auch die Tierausbeutungsindustrie interessiert, sich daran zu beteiligen. Und einen Markt hat sie, wie gezeigt wurde. Auf Moral als Verkaufsargument zu setzen ist relativ neu, aber dafür in den Ansätzen umso wirkungsvoller. In der Wirtschaftswissenschaft wird das mit dem Slogan „Moral bringt Kapital“ auf den Punkt gebracht. Eine einschlägige Publikation verzeichnet acht verschiedene „Gewinne“, die entstehen, wenn ein Unternehmen ethische Standards umsetzt, darunter auch die hier hervorgehobenen Gewinne, den volkswirtschaftlichen Gewinn und den Imagegewinn.109 Der volkswirtschaftliche Gewinn ist der in Punkt 42 genannte, der Imagegewinn ist der, der durch das ethische Greenwashing der Unternehmen gemacht wird. Dass es profitabel ist, wenn sich ein Unternehmen als um die Tiere besorgt präsentiert, wurde erkannt. Eine britische Supermarktkette hat z.B. angekündigt, in den von ihr frequentierten Schlachthäusern Videoüberwachung zu installieren. Der Grund: „Unsere Kunden wollen sicher sein, dass die Tiere während der Schlachtung gut behandelt werden und wir glauben, das eine Videoanlage der beste Weg ist, um zu beweisen, dass wir den höchst möglichen Standard haben.“110

Dass letztlich die Gewissensberuhigung im Vordergrund von Image-Kampagnen und Werbung mit der Tierfreundlichkeit stehen, zeigt auch das folgende Zitat, wiederum aus der Marktforschung für „Biofleisch“:

„Für die Vorstellung von artgerechter Tierhaltung gibt es charakteristische Bilder, wie z.B. Bewegungsfreiheit für die Tiere, frisches Stroh, auf dem das Tier gebettet ist, Weide mit grünem Gras und mit viel Auslauf und Platz, Kälber, die bei den Kühen trinken können, wann immer sie wollen, natürliche Fortpflanzung, Almauftrieb. Die beeindruckenden Bilder von als glücklich empfundenen Tieren sind notwendig, um Fleisch mit ruhigem Gewissen und Genuss essen zu können.“111

Dabei sei auch hier angemerkt, dass es sich bei den „Tierschutzverbesserungen“ nicht um tatsächlich wirksame Verbesserungen handeln muss. Das Werbeversprechen funktioniert auch, wenn es nur scheinbare Verbesserungen sind.


c) Labels

Noch direkter als die Imagekampagnen wirken die Informationen, mit denen das Produkt selbst verbunden wird. Denn auch wenn die Imagekampagnen nicht bei einem Verbraucher angekommen sind, wird das, was an gut sichtbarer Stelle auf dem Produkt (und bei Produktwerbung) zu lesen oder zu sehen ist, von fast allen wahrgenommen. Die Funktionsweise ist dabei dieselbe: Der Kauf von Produkten, die als „tierfreundlich“ gekennzeichnet sind, entlastet das Gewissen. So wird von den Kunden bei der Bewertung von Produktkennzeichnungen „jeweils das Haltungssystem präferiert, welches für am tierfreundlichsten gehalten wurde“.112 Diese Produktkennzeichnung funktioniert üblicherweise über Siegel bzw. Labels, die auch den Anschein erwecken sollen, die Vergabe erfolge unabhängig und es würde streng kontrolliert.

In den USA ist das Labeling von Tierprodukten schon weiter fortgeschritten als in Europa. Die Bezeichnungen, die man dort findet, verweisen unmissverständlich darauf, dass hier das vermeintliche „Tierwohl“ im Vordergrund steht, das Label also zur Gewissensberuhigung geeignet ist. Sie heißen unter anderem „Humane Choise“, „Certified Humane Program“, „American Humane Certified“, „Animal Welfare Approved“ und „Global Animal Partnership“. Wenn Unternehmen planen, neue Tötungssysteme einzuführen, soll es oft ein Label geben, auf dem „human geschlachtet“ oder etwas Vergleichbares steht,113 damit diese Reform als Marketing genutzt werden kann.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis solche Labels auch in Europa eine größere Bedeutung erlangen werden, denn die „Nachfrage nach tiergerecht erzeugten Produkten [ist] bisher unterschätzt worden“,114 wie eine Studie ermittelt hat. Daher werden Tierschutz-Labels ausdrücklich zur Etablierung empfohlen.115 Schon seit 2001 wird für Deutschland „ein staatlich vergebenes Tierschutzsiegel für Produkte aus bestimmten Haltungsformen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen“ gefordert116 und bereits 1996 hieß es:

„Ohne Einschränkung kann festgestellt werden, dass Produkte aus artgerechter Tierhaltung bezahlbar sind. Wichtig ist es, die Konsumenten für den Kauf dieser Produkte zu motivieren. Entscheidend ist das richtige Marketing. Qualitätskomponenten sind im Handel über Marken oder Quasi-Marken, wie etwa das CMA-Gütezeichen, herauszustellen und zu vermarkten.“117

Labels werden von der EU-Politik unterstützt118 und in einem Stern-Artikel über Fleischproduktion von 2010 wurde bereits mehr als eine ganze Seite für eine Übersicht mit Labels und ihren Kriterien verwendet.119

Um zu glauben, ein Produkte sei „ethisch“ hergestellt worden, ist es nach einer Umfrage für 51% der Verbraucher wichtig oder sehr wichtig, dass auf der Verpackung vermerkt ist, es stehe eine „humane Aufzucht“ (der Tiere) dahinter, und für 38% müsste es „käfigfrei“ sein.120 Insgesamt assoziieren 91% der Befragten den Ausdruck „ethische Nahrung“ mit der Eigenschaft „Vermeidung von inhumaner Behandlung der Tiere“.121 Genau das greifen die Labels auf, an denen auch im deutschsprachigen Raum kein Mangel herrscht, auch wenn sie noch nicht stark verbreitet sind. Eine Auswertung des „Schweizer Tierschutzes“ (STS) und anderen hat Labels gelobt, die Tierprodukte aus „tierfreundlicher“ oder „artgerechter Haltung“ mit „ständigem“ / „täglichem“ / „häufigem“ „Auslauf“ oder „Weidegang“, sowie ggf. aus „Mutterkuhhaltung“ bieten.122

Aus folgenden Vergabekriterien für ausgewählte Labels wird ersichtlich, dass sie dezidiert auf ethischer Basis werben, wohinter die Funktion der Gewissensberuhigung steht:123

–  das Kriterium „artgerechte Tierhaltung“ gibt es bei unter anderem folgenden Labels: „Bio-Siegel“, „Bioland“, „Biotrend“, „Thönes Natur“, „Naturkind“, „Naturland“, „Penny Naturgut“, „Gallica“, „Biopark“, „Rindfleisch aus Rheinland-Pfalz“
–  das Kriterium „tiergerecht“ bei: „Gallica“ und „Neuland“
–  sowie folgende weitere Kriterien:
–  „Neuland“: „ausreichend Liegefläche“, „ganzjähriger Auslauf“, „Anbindung oder andere dauerhafte Fixierung ist nicht erlaubt“ und weitere
–  „neuform“: „Rohstoffe aus artgerechter Tierhaltung“
–  „QS-Prüfzeichen“: „Tierschutzgerechte Haltung“
–  „KAT Tierschutz geprüft“: „geringere Besatzdichte“, „Kürzen der Schnäbel verboten“, „größere Nestfläche, mehr Sitzstangen“ und weitere
–  „Aktion Tierwohl“: „frei von Angst und vermeidbarem Leiden“, „frei von unnötigem Schmerz, von Verletzung und Krankheit“ und weitere

Während die bisher verbreiteteren Labels vorrangig auf Produktsicherheit (vor allem bei Fleisch) und Artenschutz (bei Fischen) ausgerichtet sind, haben alle diese Labels das „Wohlbefinden“ der Tiere im Blick. Schließlich würde sonst die Gewissensberuhigung nicht funktionieren.

Wie auch bei den Imagekampagnen müssen die „Tierschutzverbesserungen“ keine tatsächlichen Verbesserungen sein, um das Werbeversprechen zu erfüllen. So wundert es nicht, dass in den USA fast alle „Tierschutz-Labels“ mit Phrasen agieren und tatsächlich wenig bis gar nichts an den Haltungsbedingungen verbessern.124

Beispiel „Freedom Food“-Label: In England hat sich der Umsatz für Hühnerfleisch, das von der englischen Tierschutzorganisation RSPCA als „Freedom Food“ gelabelt ist, innerhalb eines Jahres (2009 auf 2010) von 16 auf 71 Millionen Pfund erhöht.125 Insgesamt wurden 15 Millionen Kilo mehr verkauft, während das konventionelle Hühnerfleisch nur um 11 Millionen Kilo gefallen ist. Mit anderen Worten: Das Labeling als „tierschutzgerecht“ hat nicht etwa nur die Marktanteile verteilt, sondern den Gesamtkonsum an Hühnerfleisch gesteigert. Infolgedessen sind ca. 1,6 Millionen Hühner mehr gestorben.


3.2.3 Zusammenarbeit

44.  Tierschutzorganisationen arbeiten mit Tierausbeutern zusammen.

a) direkte Zusammenarbeit

Die Tierschutzorganisation stilisieren ihr Verhältnis zur Tierausbeutungsindustrie zu einem „Kampf“ um Tierschutzreformen. Tatsächlich ist es ein freundliches Miteinander, von dem beide Seiten profitieren. Denn alle „Tierschutzverbesserungen“, die mit der Industrie ausgehandelt werden, sind immer nur solche, die ihr nützlich sind. Es wäre abwegig anzunehmen, die Industrie würde Änderungen akzeptieren und umsetzen, die ihr schaden. Sie akzeptiert all diese Änderungen nur, weil sie ihr nützen, indem dadurch die Produktivität erhöht bzw. die Absatzmöglichkeiten verbessert werden (siehe Kapitel 3.2.2). Die Reformen, die von den Tierschutzorganisationen „gefordert“ werden, sind praktisch immer solche, die die Tierausbeutungsindustrie wegen der ökonomischen Vorteile ohnehin früher oder später von alleine durchführen würde.

Der „Kampf“ ist ein Miteinander von Tierschützern, Tierausbeutungsindustrie und Tierproduktkonsumenten: Die Tierschutzorganisation nötigt der Tierausbeutungsindustrie eine unbedeutsame „Verbesserung“ ab, verkündet, es habe einen „Sieg für die Tiere“ gegeben und bekommt mediale Aufmerksamkeit und Spenden für ihre „wichtige Arbeit“. Die Tierausbeutungsindustrie benutzt diese Veränderung, um ihre vermeintliche Tierfreundlichkeit herauszustellen und damit ihr Image zu verbessern, was ihren Umsatz erhöht. Und die unveganen Konsumenten kaufen die angeblich tierfreundlichen Produkte, weil sie den Tierproduktkonsum mit gutem Gewissen gewährleisten. Bei diesem Kreislauf gewinnen alle – außer den Tieren. Die verlieren, weil durch stabilisierten oder steigenden Tierproduktkonsum weiterhin genauso viele oder gar mehr Tiere sterben.

Wie wenig von einem „Kampf“ die Rede sein kann, zeigen die Tierschutzorganisationen selbst, die mit der wirtschaftlichen Profitabilität werben.

Beispiel Schabelkürzen: Ein Text einer Tierschutzorganisation soll Tierausbeuter überzeugen, dass ein Verbot bzw. die Unterlassung des Schnabelkürzens für sie vorteilhaft ist. Es wird damit geworben, dass sich die Investitionen wegen „besserer Gesundheit, einer niedrigeren Mortalität und damit einer höheren Produktivität“ lohnen und ein „wichtiges Tierschutzproblem und ein sensibles Thema für Verbraucher gelöst“ werden könnte.126

Beispiel Gasbetäubung von Hühnern (CAS): PETA hatte für die Tierausbeutungsindustrie ein Merkblatt dazu zusammengestellt, dessen einziger Inhalt die Profitabilität der Umstellung von Strom- auf Gasbetäubung war.127 Strombetäubung „reduziere die Produktqualität“, verursache, dass Schlachtkörper nicht verkauft werden können, „was zusätzlich den Gewinn vermindert“ usw., wohingegen die Gasbetäubung die „Produktqualität und den Produktwert erhöht“, die „Arbeitskosten senkt“, abgesehen von „weiteren ökonomischen Vorteilen“, die dort aufgezählt werden.128

Beispiel Kastenstände bei Schweinen: Das Verbot von Kastenständen bei Schweinen zugunsten von Gruppenhaltung wird als Tierschutzerfolg verkauft. Die Tierschutzorganisation HSUS hat dazu eine Analyse vorgelegt, in der es heißt, dass „die Produktivität von Sauen in Gruppenhaltung höher als in einzelnen Kastenständen ist infolge reduzierter Verletzungsraten und Krankheit, früherer erster Brunst, schnellerer Rückkehr zur Brunst nach der Entbindung, geringeren Vorkommens von Totgeburten und kürzerer Abferkelzeiten. […] Die Umstellung vom Kastenstand auf Gruppenhaltung mit ESF [electronic sow feeding, automatische Fütterung] reduziert die Produktionskosten geringfügig und erhöht die Produktivität“ und dass „die Gesamtkosten pro verkauftem Ferkel um 0,6 % niedriger in Gruppen/ESF-Systemen sind, während das Einkommen für den Ferkelzüchter aufgrund gesteigerter Produktivität höher ist“ usw.129 In die gleiche Richtung argumentiert der VgT Österreich.130

Manche Tierschützer binden Tierausbeuter direkt in ihre überregionalen Kampagnen ein, z.B. ist bei einer Kampagne für „humanere Farmen“ eine Firma, die Lämmer verarbeitet, beteiligt.131 Andere Tierschutzorganisationen nehmen Tierausbeuter auch gleich als eine Art Ehrenmitglied bei sich auf.132

Tierschutzorganisationen machen Werbung für vermeintlich bessere Ausbeutungsmethoden, unabhängig davon, ob sie für die Tiere tatsächliche Verbesserungen darstellen. Das bekannteste Beispiel ist die Bewerbung von „Alternativhaltungen“ statt „Kleingruppenkäfigen“ für Legehennen, obwohl die Studien dazu nicht festgestellt haben, dass „Alternativhaltungen“ signifikant besser wären.133 Auch das Betäuben bzw. Töten von Hühnern mit Gas („controlled atmosphere killing“, CAK), das von Tierschutzorganisationen als „Sieg für die Tiere“ gepriesen wird, ist bei näherer Betrachtung kaum besser als die konventionellen Methoden.134 Die Unternehmen stört das wenig, sie können ihre Produkte trotzdem als „tierschutzgerecht“ vermarkten, und die Tierschützer haben keinen Grund, kritisch zu hinterfragen, ob die Verbesserungen auch tatsächlich gegeben sind, da auch sie von dieser Zusammenarbeit profitieren.


b) Tierschutzauszeichnungen

Eine weitere Möglichkeit für Unternehmen, ein besseres Image zu erlangen, sind die von den Tierschutzorganisationen vergebenen Tierschutzauszeichnungen oder -preise. Dabei ist es keineswegs ein Hindernis, einem Unternehmen „Tierschutz“ zu bescheinigen, wenn es Tierausbeutung im großen Maßstab betreibt oder unterstützt.

Beispiel „Das Goldene Ei“: Diese Auszeichnung wird an Unternehmen verliehen, die keine „Käfigeier“ verarbeiten, sondern ausschließlich Eier aus anderen Haltungsformen. Erhalten hat ihn 2010 ein Unternehmen, in dem 200 000 Eier täglich verarbeitet werden.135 Dadurch ist es für den Tod von jährlich 580 000 Hennen und männlichen Küken verantwortlich.136

Die Auszeichnung wird auf der Seite der Tierschutzorganisation wie folgt beworben:

„Unsere Preisträger aus den Vorjahren berichten uns, dass unser Tierschutzpreis sich positiv auf die Profitabilität, die Motivation der Mitarbeiter und auf das Image ihrer Marken ausgewirkt hat.“137

Dass die Tierschutzorganisationen gegen die Unternehmen „kämpfen“, wird etwas zweifelhaft, wenn sie Methoden einsetzen, von denen sie selbst sagen, dass sie die Profitablität und das Image der Unternehmen verbessern.

Beispiel Temple Grandin: Temple Grandin hat von PETA 2004 den „Proggy Award“ in der Kategorie „Visionär“ dafür bekommen, dass sie Schlachthäuser „tiergerecht“ gestaltet.138 Dass Schlachthaus-Konstrukteure eine Auszeichnung für „Tierschutz“ vermittelt deutlich, dass dieser Begriff mit dem Schutz von Tieren nichts zu tun hat.

Die Folge solcher Zusammenarbeit zwischen Tierschützern und Tierausbeutern ist, dass der Öffentlichkeit zum einen suggeriert wird, Tierausbeutung sei unproblematisch, wenn sie Lippenbekenntnisse zum „Tierschutz“ macht, und zum anderen, Tierprodukte zu konsumieren sei notwendig. Diese Stabilisierung der Tierausbeutungsindustrie und die Förderung von Unveganismus werden schwerlich zur „langfristigen Abschaffung“ beitragen.


c) Labels

Labels werden nicht nur von den Unternehmen oder Verbänden eingeführt, die sie für ihre Produkte nutzen, sondern oft von Tierschutzorganisationen. Den Unternehmen kommt es gelegen, denn es wird empfohlen „dritte Parteien“ einzubinden, wenn Produkte als „tierschutzgerecht“ verkauft werden sollen.139 Die Tierschutzorganisationen fungieren als diese Dritten.

Beispiel „Freedom Food“-Label: Das bereits unter Punkt 43c erwähnte Label, das den Konsum von Hühnerfleisch erhöht hat, wird von der größten englischen Tierschutzorganisation, der RSPCA, vergeben.

Die Vergabestellen für „Tierschutz-Labels“ werben unmissverständlich damit, dass gelabelte Produkte besser verkaufbar sind. So wurde als Werbung für das „Certified Humane“-Label eine Studie zitiert, die die Verbraucherpräferenzen für „humane“ Produkte belegt.140

Wie schon die bei den Tierschutz-Auszeichnungen hat die Vergabe von Labels an Unternehmen nicht nur auf Seiten des Unternehmens wirtschaftliche Vorteile, sondern vermittelt auf Seiten der Organisationen, dass Tierausbeutung mit ein wenig Einschränkung unproblematisch sei.


4. Die Alternative: Abolitionismus

Eine weitere häufige Antwort der Reformisten auf Kritik ist es zu behaupten, es gebe keine anderen Möglichkeiten des Aktivismus außer solchen innerhalb der reformistischen Strategie. Selbst wenn es wahr wäre, wäre es noch kein Argument die reformistische Strategie zu verfolgen, da sie kontraproduktiv ist und es ist besser nichts zu tun, als etwas Falsches. Doch es ist ohnehin nicht wahr. Tierrechtsarbeit zu leisten, ohne die in diesem Artikel diskutierten Fehler zu wiederholen, ist problemlos möglich. Die Alternative zum Reformismus ist der Abolitionismus.

Im Folgenden soll es nicht primär um Aktionsformen gehen, sondern eher um Ziele und allgemeine Prinzipien. An Aktionsformen kann praktisch alles gewählt werden – wobei nicht jede gleichermaßen effektiv ist –, solange damit keine reformistischen Ziele verfolgt werden. Welche Aktionsform geeignet ist, hängt vom Einzelfall ab.

In diesem Abschnitt geht es darum, was man dabei strategisch gesehen tun oder was man lassen sollte. Viele der einzelnen Punkte sind mehr oder minder den beiden Teilzielen (das sind: Abschaffung der Tierausbeutungsindustrie und Förderung von Veganismus, vgl. Einleitung) zuzuordnen. Um Wiederholung zu vermeiden, sind sie jedoch nur bei einem der beiden zugeordnet (bis auf Ausnahmen, wo eine Trennung möglich oder sinnvoll ist).


45.  Teilziel Abschaffung der Tierausbeutungsindustrie.

a) Bereich Wirtschaft

Keine Verhandlungen über Reformen mit Tierausbeutern. Diese akzeptieren lediglich Änderungen, die ihnen in irgendeiner Form wiederum hilfreich sind, sei es durch die Steigerung der Produktivität oder als Methode, durch ein besseres Image die Verkäuflichkeit der Produkte zu verbessern. Jegliche Verhandlungen oder Zusammenarbeit mit Unternehmen ist abzulehnen.

Die Befreiung von Tieren ist nicht in einer Größenordnung möglich, die wirtschaftlich relevanten Schaden anrichten kann. Dennoch zählt jedes gerettete Leben und wenn diese Befreiungen dokumentiert werden, kann dies außerdem ein wirksames Mittel zur Aufklärungsarbeit darstellen. Wichtig ist, bei der Veröffentlichung (z.B. online gestellte Dokumentation oder Pressemitteilung) zu verdeutlichen, dass dies keine Kritik an der jeweiligen Haltungsform, sondern an der Tierausbeutung im Allgemeinen geübt wird, sowohl an allen anderen Haltungsformen dieser Spezies (auch „Alternativhaltungen“) wie auch jeder Ausbeutung anderer Spezies. Dabei sollte vermittelt werden, dass jeder einzelne bereits durch sein Veganwerden helfen kann (nicht jedoch, indem er vegetarisch würde oder „weniger“ Tierprodukte oder solche aus anderen Ausbeutungsformen konsumiert).

Inwiefern Sachbeschädigungen sinnvoll sind, bedürfte einer eigenen Diskussion. In jedem Fall würden die gleichen Kriterien bei der Veröffentlichung wie bei der Tierbefreiung gelten.


b) Bereich Politik

Ähnlich wie bei der Wirtschaft sind Verhandlungen mit Politikern über Reformen kontraproduktiv. Die negativen Auswirkungen der erreichten Reformen (Produktivitätssteigerung und Gewissensberuhigung) sind hier ebenso wirksam.

Was jedoch unter Umständen über politischen Aktionismus erreichbar ist, ist die Abschaffung (nicht Reformierung) von Teilbereichen der Tierausbeutung. Was eine Abschaffung darstellt und was nicht, muss überprüft werden. Kriterien hierfür zu erstellen, ist schwierig, die folgenden sind ein Vorschlag.141 Gewisse Überschneidungen sind nicht vermeidbar.

Das Grundkriterium für die Abschaffung eines Teilbereichs lautet: Die Abschaffung (mindestens) einer Nutzungsart für (mindestens) eine Spezies (oder assoziierte Speziesgruppe)142 gelten. Die weiteren Einzelkriterien lauten:

1.  Es muss sich um die Abschaffung (mindestens) einer Nutzungsart handeln, nicht eine Reformierungen oder Regulierung.

Reformisten bezeichnen das Verbot der Legebatterien oft als „Abschaffung der Käfighaltung“. Die Bedeutung des Begriffs Abschaffung lässt dies zwar zu, dennoch ist es ein Versuch, etwas besser klingen zu lassen als es ist. Im engeren Sinn des Wortes ist dies keine Abschaffung, sondern eine Reformierung oder Regulierung, da weiterhin Hennen für die Nutzungsart der Eierproduktion gehalten werden, lediglich unter unwesentlich anderen Bedingungen. Die Abschaffung einer Nutzungsart beträfe in diesem Fall das Verbot, Hennen für die Eierproduktion auszubeuten, auch wenn weiterhin Hühner für die Fleischproduktion ausgebeutet würden.


2.  Es muss für (mindestens) eine Spezies (oder assoziierter Speziesgruppe) gelten.

Das bedeutet, dass es nicht für lediglich Unterarten oder „Rassen“ gilt. Das Verbot, nur die „Hühnerrasse“ XY für die Mast auszubeuten (nicht aber die „Hühnerrassen“ XZ und YZ usw.), erfüllt das Grundkriterium nicht. Auch nicht das Verbot, nur Menschenaffen nicht mehr für Tierversuche einzusetzen, aber weiterhin alle Nicht-Menschenaffen (die zwar verschiedene Spezies sind, aber als Gruppe assoziiert werden), und Vergleichbares.


3.  Die Argumentation darf nicht auf anthropozentrischer oder speziesistischer Grundlage beruhen.

Das Verbot der Nutzung von z.B. Delfinen in „Aqua-Parks“ u. dgl. würde das Grundkriterium erfüllen. Jedoch nicht, wenn dies auf der Argumentationsbasis geschieht, dass Delfine aufgrund ihrer Intelligenz dem Menschen besonders ähnlich sind und deshalb (vor allen anderen Spezies) besonderen Schutz verdienten. Das gleiche gilt für die Bevorzugung von Menschenaffen vor anderen Affen sowie anderen Spezies. Dadurch würde der Speziesismus, den man abbauen will, nur verlagert, nicht reduziert. Die Folge ist eine argumentative Sackgasse, denn das Kriterium „Menschenähnlichkeit“ trifft von den komplexesten Tieren (wie Menschenaffen) zu den weniger komplexen hin immer weiter ab.


4.  Es muss sich um eine Nutzungsart, nicht nur um eine Praxis innerhalb einer Nutzungsart handeln.

Das Verbot der Kastration bei Schweinen, des Schnabel-Kupierens bei Hühnern usw. erfüllt das Grundkriterium nicht, da es sich nicht um Nutzungsarten (Mästen von Schweinen bzw. Hühnern für die Fleischproduktion bzw. – bei Hühnern – auch Haltung für die Eierproduktion), sondern nur einzelne Praktiken innerhalb dieser handelt, also um klassische Reformen, die am Grundproblem nichts ändern. Da die (wenn überhaupt vorhandenen) Vorteile von Reformen deren Nachteile nicht aufzuwiegen vermögen, ist eine Kampagne gegen diese Praktiken nicht sinnvoll.

Ein positives Beispiel wäre das Verbot sämtlicher Tierversuche an Hunden (wiederum an allen Hunden, nicht nur bestimmten „Hunderassen“), auch wenn weiterhin Tierversuche an anderen Tieren durchgeführt werden.143

Keine einzelnen Nutzungsarten liegen vor, wenn die Tierprodukte nur für den Import oder nur für den Export bestimmt sind. Oder Eier nur für die Lebensmittelindustrie, nicht aber für die Pharmazie. Diese Unterscheidungen betreffen nur die Distribution, nicht die Nutzung.

Das gleiche gilt für das Verbot, z.B. Gänse auf eine bestimmte Weise zu mästen („foie gras“). Dies ist lediglich eine Praxis innerhalb der Mast von Gänsen für die Fleischproduktion, keine eigene Nutzungsart.


5.  Es dürfen dadurch nicht andere Nutzungsarten ökonomisch gefördert werden oder die Nutzung anderer Spezies (oder assoziierter Speziesgruppen) derselben Nutzungsart ethisch akzeptabler erscheinen.

Wenn das eben als Beispiel genannte Verbot des Einsatzes von Hunden in Tierversuchen jedoch nur dazu dient, um alle anderen Tierversuche akzeptabler erscheinen zu lassen (z.B. weil Hunde als sog. Haustiere dem Menschen „näher stehen“ als andere Tiere), dann würde man mit diesem Verbot nur eine Ausweitung oder Festigung der Tierversuche mit anderen Spezies erkaufen.

Das gleich gilt für das Verbot nur von Wildtieren im Zirkus, nicht jedoch von Nicht-Wildtieren. Hier wird die Unterscheidung konstruiert, dass den Spezies der Wildtiere ein anderer ethischer Status zukomme als den Spezies der Nicht-Wildtiere. Zudem erscheint die Nutzung von Nicht-Wildtieren nach einem solchen Verbot akzeptabler. Dies ist von einem antispeziesistischen Standpunkt aus nicht vertretbar und wäre für Tierrechtsarbeit zur Abschaffung aller Tierhaltung in Zirkussen hinderlich.


6.  Es sollte einen Kernbereich, keinen Randbereich betreffen.

„Sollte“ statt „muss“ heißt es hier, weil auch wenn es nicht so ist, dieses Verbot nicht prinzipiell schlecht wäre. Es besteht jedoch die Gefahr, dass es zu einer Verschwendung von Ressourcen kommt, wenn unverhältnismäßig viel Energie auf Verbote für kleinteilige und unbedeutende Praktiken angewandt wird (Beispiel: Verbot, Katzen und Hunde als Pelzlieferanten zu gebrauchen, da das ökonomisch unbedeutend ist).

Soweit die Kriterien. Bei der gegenwärtigen politischen Situation ist es jedoch schwierig, Gesetze, die diese Kriterien erfüllen, durchzusetzen. Die Politiker sind nicht nur selbst speziesistisch, sondern auch am Erhalt der Tierausbeutungsindustrie interessiert, daher werden sie genauso wie die Tierausbeuter nur (tierrechtlerisch nutzlosen) Reformen zustimmen. Die Möglichkeit der Abschaffung von Teilbereichen dürfte nur in wenig bedeutsamen Randbereichen möglich sein. Insgesamt ist eine Fokussierung auf den politischen Bereich deshalb zurzeit kein sinnvoller Einsatz von Ressourcen. Das kann er erst werden, wenn ein signifikanter Anteil der Bevölkerung vegan ist und tierrechtlerische politische Forderungen dadurch einen Rückhalt in der Bevölkerung haben. Darauf muss zuerst zugearbeitet werden.


c) Bereich Gesellschaft

Demonstrationen und Proteste (inklusive aller Unterformen wie Auslegeaktionen, Verteilen von Flugblättern usw.) können eine nützliche Form der Öffentlichkeitsarbeit sein. Hier ist bei den Sprüchen auf den Plakaten, den verteilten Flugblättern usw. darauf zu achten, die Forderungen nach der Abschaffung aller Formen der Tierausbeutung (nicht nur dieses einen Unternehmens) zu artikulieren und nicht deren Reformierung. Dabei sollte vermittelt werden, dass jeder einzelne bereits durch sein Veganwerden helfen kann (nicht jedoch, indem er vegetarisch würde oder „weniger“ Tierprodukte oder solche aus anderen Ausbeutungsformen konsumiert). Außerdem sollte beim Aufruf zur Demonstration oder zum Protest deutlich gemacht und erklärt werden, dass nur Veganer teilnehmen sollen (auch wenn man das im Endeffekt nicht kontrollieren kann), weil alles andere die Glaubwürdigkeit gefährdet und damit die Grundlage, um andere Menschen zu überzeugen. Die Teilnahme von Rechtsextremen, Sekten jeder Art und Größe und ähnlichen Gruppierungen ist nicht tolerierbar.
Bei der Auswahl der Ziele ist es nicht sinnvoll, ausschließlich oder hauptsächlich auf Randbereiche (Pelze, Jagd, Zoos, Tierversuche usw.) zu fokussieren. Der Anteil dieser Bereiche gemessen an der gesamten Tierausbeutung ist so gering, dass es kein effizienter Einsatz von Ressourcen wäre. Dennoch sei betont, dass es bei der eben genannten Einschränkung um Verhältnismäßigkeit geht. Daher spricht nichts dagegen, Randbereiche als Ziele mit einzubinden, wenn es verhältnismäßig angemessen ist (z.B. beim Demozug durch eine Stadt auch vor einem Pelzgeschäft eine Zwischenkundgebung abzuhalten) oder eine aktuelle Gelegenheit zu nutzen (z.B. gegen ein Zirkus zu demonstrieren, der gerade in der Stadt ist).

Adbusting. Wenn Werbung (Plakate usw.) von Unternehmen unkenntlich gemacht und/oder abgeändert werden, muss die Abänderung oder Hinzufügung von Slogans einen tierrechtlerischen Inhalt haben. Es muss daraus hervorgehen, dass Tierausbeutung abgeschafft, nicht reformiert werden soll, und dass die Alternative Veganismus (nicht Vegetarismus etc.) heißt.144

Wenn Werbung (für Plakate, öffentliche Verkehrmittel, Fernsehen/Kino, Radio, Internet usw.) erstellt wird, gilt dasselbe: Die Aussage muss die Abschaffung aller Tierausbeutung und die Werbung für Veganismus zum Inhalt haben.

Organisationen, die sich in diesem Bereich betätigen, sollten es vermeiden, Spenden anzunehmen. Denn selbst wenn kein aktiver Ablasshandel nach Art der Reformisten betrieben wird, ist die Möglichkeit zu spenden dazu geeignet, als Ablasshandelt benutzt zu werden. Für Bereiche, in denen Spenden anzunehmen notwendig ist (das Betreiben von Lebenshöfen und Vergleichbares), sollte im Umfeld des Spendenaufrufs verdeutlicht werden, dass der Spender nicht spenden soll, wenn er nicht vegan lebt. Dann soll er sich stattdessen zuerst über die Folgen seines Verhaltens für die Tiere informieren.


46.  Teilziel der Förderung des Veganismus.

a) Bereich Wirtschaft

Eine Möglichkeit, Veganismus im Bereich der Wirtschaft zu fördern, ist es, Firmen indirekt durch Produktanfragen oder direkt zur Änderung von Herstellungsverfahren und Inhaltsstoffen bei Produkten anzuregen, die bis auf Kleinigkeiten vegan wären. Beispielsweise wenn die einzige unvegane Zutat ein unveganer Vitaminzusatz ist. Das kann leicht geändert oder weggelassen werden. Dies hatte bereits Erfolg und hilft nicht nur, die Auswahlmöglichkeit zu erweitern, da neue Produkte verfügbar werden, sondern hat darüber hinaus eine wichtige symbolische Funktion.

Es besteht auch die Möglichkeit, Restaurants, Online-Shops (Versandhandel) oder (andere) Einkaufsmöglichkeiten zu etablieren oder zu unterstützen. Kriterium hier ist, dass das Angebot ausschließlich vegan ist, nicht nur teilweise, und dass die angebotenen (oder verarbeiteten) Produkte vegan sind. Das müsste durch Produktanfragen überprüft werden, da ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe nicht ausreicht. Ein anderes Kriterium ist, dass eine Botschaft für ethisch motivierten Veganismus und für Tierrechte dahintersteht und vermittelt wird.


b) Bereich Politik

Im Gegensatz zum ersten Teilziel gibt es hier wesentlich mehr und praktikablere Möglichkeiten für Gesetze oder Gesetzesänderungen, die sinnvoll und nützlich sind. Ein Kriterium für all diese Aktivitäten ist die richtige Argumentationsweise. Diese sollte auf ethischen Argumenten beruhen, nicht auf ökologischen oder gesundheitlichen.

Jede Verminderung von Subventionen für die Tierausbeutungsindustrie und Erhöhung für vegane Landwirtschaft gehört dazu.

Genauso wie Änderungen der Besteuerung, z.B. Minderung des normalen auf den reduzierten Mehrwertsteuersatz für vegane Lebensmittel und Produkte, auf die dies noch nicht zutrifft, und umgekehrt die Erhöhung von Steuersätzen für unvegane Produkte. Dies ist jedoch nur eine Möglichkeit, jedoch nicht so wichtig, dass dies ein Hauptziel sein sollte.

Im weiteren Sinne gehört zum Bereich Politik auch das Essensangebot in Schulspeisungen, Kantinen und Mensen (von Firmen, Behörden, Universitäten usw.). Die Etablierung eines bzw. Erweiterung des veganes Angebots ist hilfreich (wiederum: nicht eines/des vegetarischen Angebots).


c) Bereich Gesellschaft

Die Förderung von Veganismus in diesem Bereich bedeutet, neben jeglicher Form von Werbemaßnahmen (vgl. oben), die Förderung des Veganwerdens und Veganlebens.

Man kann praktische Umstiegshilfe leisten, die Dinge wie Einkaufsmöglichkeiten, Hinweise, worauf beim Einkauf zu achten ist, wie man Produktanfragen schreibt und findet usw. umfasst. Dies kann direkt (im Gespräch) oder indirekt (über die Erstellung und Bereitstellung/Verbreitung von entsprechenden Materialien) erfolgen. Hier gilt wiederum das Kriterium, dass sich das Suchen von Produkten ausschließlich und eindeutig auf vegane Produkte bezieht.

Einsteigern kann zudem Argumentationshilfe geleistet werden, die wieder direkt oder indirekt erfolgen kann. Die Argumente sollten wiederum ethischer, nicht gesundheitlicher oder ökologischer Natur sein.

Des Weiteren ist Gesundheitsaufklärung (über die angebliche Gefahr einer Mangelernährung usw.) ein wichtiger Bereich. Entsprechende Kompetenz, die sich auf wissenschaftlich haltbare Fakten stützt, ist bei allen Aktivitäten eine notwendige Voraussetzung, hier jedoch besonders.

Rezepte und Kochbücher. Man kann Rezepte (auch Non-Food) selbst entwickeln und online oder in gedruckter Form veröffentlichen. Zudem kann man bei bestehenden Rezepten durch Probekochen und indem man Fotos zur Verfügung stellt (falls noch nicht vorhanden) helfen, bzw. indem man die entsprechenden Seiten durch Verlinkung und andere Möglichkeiten verbreitet. Alle diese Rezepte müssen vegan sein, alles andere wäre keine Förderung von Veganismus. Wenn man sich an Rezeptsammlungen beteiligt, sollten diese entweder einen neutralen Hintergrund haben (allgemeine Rezept-Sammlungen) oder es sollte ethischer Veganismus dahinterstehen, d.h. es sollen keine Seiten sein, die thematisch vegan sind, bei denen aber kommerzielle, theistische u.ä. Interessen dahinterstehen. Außerdem sollte eine Internetseite oder ein Blog bzw. ein Buch weitere Informationen enthalten: Über die ethische Notwendigkeit des Veganismus und grundlegende Tipps und Hinweise, zum Veganwerden und Veganleben.


47.  Weitere Aktivitäten.

Zu weiteren Aktivitäten, die nur angeschnitten werden sollen, zählen Rechtshilfe und -beratung, Design- und Layout-Hilfe und -beratung für geplante oder bestehende Webseiten, (Online‑)Zeitschriften usw., sowie im gleichen Bereich Software-Entwicklung und technische Beratung.


Es sollte deutlich geworden sein, dass es vom abolitionistischen Standpunkt aus fast keinerlei Einschränkung bei den Methoden gibt – fast alle Aktionsformen können beibehalten werden. Alles, was (ggf.) geändert werden muss, ist die inhaltliche Ausrichtung. Zusammengefasst:

–  Fokussierung auf Veganismus und zwar ausschließlich (nicht Flexitarismus, nicht Vegetarismus, nicht „veggie“, nicht „Veg*imus“) und eindeutig (vegan als vegan benennen, nicht als „rein pflanzlich“ o.Ä.).
–  Fokussierung auf Tierrechte, und zwar antispeziesistisch (bei der Auswahl der Ziele und der Argumentation) und abolitionistisch (keine Reformierung, sondern Abschaffung).
–  Fokussierung auf die Kernbereiche der Tierausbeutung, auf die Randbereiche nur bei Gelegenheit.


5. Fazit und Zusammenfassung

In der Einleitung wurden Kriterien formuliert, mit denen sich Erfolg (umgangssprachlich „Schritte in die richtige Richtung“) messen lässt. Es wurden zwei Teilziele unterschieden: die Abschaffung der Tierausbeutungsindustrie und die Etablierung des Veganismus. Im Folgenden wurde festgestellt, dass der Reformismus weder dem einen noch dem anderen Ziel förderlich ist.

In den allgemeinen Gegenargumenten wurde darauf eingegangen, dass es bereits methodisch fehlerhaft ist, wenn man die Abschaffung über Reformen zu erreichen versucht. Reformen gehörten nur zu den letzten Versuchen, mit denen Unrechtssysteme erhalten werden sollten. Sie waren nie die Ursache für ihre Abschaffung. Das wird für den Tierrechtsbereich durch den bisherigen Misserfolg des Reformismus bestätigt. Eine Ursache für diesen Denkfehler ist ein fehlerhaftes Verständnis von Politik, die in den hier betroffenen Bereichen selten vorangeht, sondern hauptsächlich der Mehrheitsmeinung folgt. Ein zweites, grundlegendes Gegenargument ist, dass es ethisch inkonsistent ist (und entsprechend zur Verwirrung bei der Öffentlichkeit führt), Tierschutz oder Vegetarismus zu fördern, obwohl Tierrechte und Veganismus die Mindestforderungen sind.

In der Diskussion der Pro-Argumente wurden diverse Behauptungen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Strategie widerlegt. Im ökonomischen Bereich gehört z.B. dazu, dass Reformen die Herstellung bzw. Produkte teurer machen würden und der Widerstand der Tierausbeuter belege, dass sie schädlich seien. Im Bereich Strategie wurden im Unterpunkt Tierrechte unter anderem die Behauptungen widerlegt bzw. diskutiert, dass Reformismus auf der Stufentheorie basiere, dass er durch diverse Analogien (zur Methodik Menschenrechts- und Umweltorganisationen) gestützt sei, dass Reformismus das Leiden der Tiere mindere, leicht erreichbare Ziele keine Ressourcenverschwendung darstellen würden, die Tierrechtsidee die Menschen überfordern würde, man Abolitionismus und Reformismus parallel verfolgen könnte und man pragmatisch sein müsse. Im Unterpunkt Veganismus wurde unter anderem widerlegt, dass der Weg zum Veganismus nur über den Vegetarismus führe oder, selbst wenn nicht, es trotzdem hilfreich sei.

Im dritten Kapitel wurde den Fragen nachgegangen, ob Reformismus Schritte in Richtung Abschaffung der Tierausbeutung gewährleistet und wieso er bis heute wirkungsmächtig ist. Entsprechend den Kriterien der Einleitung wird festgestellt:

Auf der ökonomischen Ebene wäre eine tatsächliche Schädigung der Tierausbeutungsindustrie durch die Aktivitäten des Reformismus nur eine versehentliche Ausnahme. Denn Reformen haben zum Ziel, die Produktivität zu steigern und den Absatz durch bessere Verkäuflichkeit zu verbessern, das formulieren sowohl die Tierausbeuter als auch die Tierschützer in entsprechenden Texten explizit. Auch wenn dieses Ziel nicht ausdrücklich verfolgt wird, ändert das nichts daran, dass diese Folgen mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. Maßnahmen für die Steigerung der Produktivität sind Reduzierungen der Kosten (für Medikamente und Behandlung, „Futter“, sog. Jungtiere, Personal usw.). Maßnahmen für die Verbesserung des Absatzes durch bessere Verkäuflichkeit sind Image-Kampagnen und vor allem die Etablierung und Verbreitung von „Tierschutz“-Labels. Für diese Ziele arbeiten Reformisten und Tierausbeuter oft direkt zusammen, so werden z.B. einige Labels von solchen Organisationen vergeben und Reformisten verleihen „Tierschutz“-Auszeichnungen an Tierausbeutungsunternehmen.

Es wurde weiter erklärt, warum und wie Tierschutzorganisationen vom Reformismus profitieren. Sie wollen Spender gewinnen, aber fast alle potenziellen Spender leben nicht vegan. Dennoch sind die Spender an einem guten Gewissen interessiert. Daher dient ihnen die Spende an die Organisation als Gewissenserleichterung. Dies ist den Organisationen bewusst, weshalb Inhalte und Kampagnen nach ihrer Nützlichkeit, Nicht-Veganern durch Spenden als Gewissenserleichterung zu dienen, konzipiert werden, nicht nach ihrer Nützlichkeit für Tierrechte.

Auf der politischen Ebene werden durch die Reformisten Gesetzestextänderungen erreicht, die lediglich Worthülsen sind ohne das Potenzial, etwas am grundlegenden Problem zu ändern. Bei der Forderung nach Verboten werden meist unbedeutende, aber spenderattraktive Randbereiche gewählt und teilweise speziesistische Argumente verwendet.

Auf der sozialen Ebene wird Veganismus fast gar nicht gefördert, sondern marginalisiert oder direkt abgewertet. Aktivismus wird bewusst nicht gefördert, sondern nur dann, wenn er zum Vorteil der jeweiligen Organisation erfolgt.

Da Reformismus ungeeignet bzw. kontraproduktiv ist, wurde in einer kurzen Übersicht die Alternative, der Abolitionismus, dargelegt. Sie beruht darauf, bereits erkannte Fehler nicht zu wiederholen, sondern Ziele und Methoden zu nutzen, die Veganismus und Tierrechte tatsächlich fördern.



6. Quellen

Anmerkung: Zur besseren Gesamtübersicht wurden die Quellen thematisch geordnet. Um eine konkrete einzelne Quelle trotzdem schnell zu finden möge die Suchfunktion des jeweiligen Darstellungsprogramms benutzt werden.


a) Abolitionismus

Francione, Gary L. (1996): Rain without Thunder. The Ideology of the Animal Rights Movement, Temple University Press, Philadelphia (überarb. Version 2007).

Francione, Gary L.; Garner, Robert (2010): The Animal Rights Debate. Abolition or Regulation?, Columbia University Press, New York.

Pätzold, Martin (2010): Der Größte Sieg des Tierschutzes. Das Verbot der Legebatterien und seine Folgen, http://www.antispe.de/txt/legebatterieverbot.html [20.04.2011].

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1  Viele Ausdrücke, die in diesem Text benutzt werden mussten, sind in ihrer Bedeutung (denotativ) und/oder Nebenbedeutung (konnotativ) speziesistisch geprägt; die meisten von ihnen verharmlosen die Realität. Der Autor distanziert sich ausdrücklich davon, ohne dies bei jedem Ausdruck einzeln kenntlich zu machen. – Daneben sind immer, wenn von nichtmenschlichen „Tieren“ die Rede ist, empfindungsfähige Tiere gemeint.
2  Dies ist nicht die einzige Strategie, die sich bei neutierschützerischen Organisationen findet, aber es ist die Hauptstrategie und dient daher hier als Hauptunterscheidungsmerkmal.
3  Zum Begriff Neuspeziesismus siehe Glossar. – Den Neuen Tierschutz selbst könnte man nochmal in Neuen und Neusten Tierschutz unterteilen. Der Neue konzentriert sich bei der Fokussierung mehr auf die Wirtschaft, der Neuste mehr auf die Politik. (Der Abolitionismus dagegen fokussiert mehr auf die Gesellschaft.)
4  Für die Sklaverei der westlichen Welt vgl. exemplarisch Martin Pätzold: „Die reale Wirkung des ‚Unrealistischen‘. Ein Kommentar zu Jean-Claude Wolf[s Abolitionismuskritik]“, http://www.tier-im-fokus.ch/mensch_und_tier/wolf-kommentar_paetzold/ [05.03.2011], Abschnitte eins bis drei.
5  Vgl. RDS 2009. Lediglich bei Hunden und Kaninchen gibt es einen geringen Rückgang.
6  Vgl. Statistics Norway 2010a.
7  Vgl. Statistics Norway 2010b.
8  Vgl. Pätzold 2010 und dortige Quellen.
9  In England wurde die Pelztierhaltung 2000 abgeschafft. Der Verkauf von Pelzprodukten ist zwischen 1999 und 2009 trotzdem um 169% gestiegen (vgl. HMRC 2009).
10  Novartis führt nach eigenen Angaben jetzt bereits 80% der Versuche im Ausland durch.
11  Vgl. beispielsweise Michalowitz 2007, 120–128.
12  Vgl. http://tierrechtsforen.de/4/564/3801 [14.04.2011], ähnlich: http://tierrechtsforen.de/4/564/3710 [14.04.2011].
13  Vgl. http://tierrechtsforen.de/4/564/3804 [14.04.2011]. Ähnlich auch: http://tierrechtsforen.de/4/564/3454 [14.04.2011].
14  Vgl. http://tierrechtsforen.de/4/564/3773 [14.04.2011].
15  Vgl. http://tierrechtsforen.de/4/564/3770 [14.04.2011], genauso: http://tierrechtsforen.de/4/564/3741 [14.04.2011]. Ähnlich: http://tierrechtsforen.de/4/564/3266 [14.04.2011].
16  Vgl. http://tierrechtsforen.de/4/564/3623 [14.04.2011].
17  Vgl. http://tierrechtsforen.de/4/564/3618 [14.04.2011].
18  Vgl. DeStatis 2011.
19  Vgl. van der Zee 2010.
20  Vgl. Pätzold 2010 und dortige Quellen.
21  Vgl. Statistics Norway 2010c.
22  Vgl. Seidenspinner/Niemann 2008, 47f; Warncke 2009, 56.
23  Vgl. Seidenspinner/Niemann 2008, 133; Beukert 2009, 36.
24  Beukert 2009, 63.
25  Spiller 2010, 10.
26  Vgl. Warncke 2009, 55. Siehe auch Bruhn 2002, 98.
27  Erster Wert: Context Marketing 2010, 6; zweiter Wert: Kuhnert et al. 2002, 10.
28  Vgl. Kuhnert et al. 2002, 11.
29  Gemeint sind juristische Rechte neben den philosophischen Rechten, die sie bereits haben.
30  Vgl. z.B. Saunders et al. 2010.
31  Siehe die Ausführung bei Yates 2008 und dortige Literaturverweise.
32  Siehe die Ausführung bei Pätzold 2010 und dortige Literaturverweise.
33  Vgl. Pätzold 2010 und unter anderem die Beispielrechnung bei Stößer 2001.
34  Für Quellen siehe die anderen Beispiele der Ferkelkastration
35  Bei der vorsichtigen Berechnung von 500 Tieren, die pro Person in deren weiterem Leben getötet werden würden. In Anbetracht dessen, dass im Leben einer durchschnittlichen Person 1000 Tiere nur für die Fleischproduktion sterben, also die anderen Tierausbeutungsformen noch nicht berechnet sind, inklusive der Fische; und dass der Großteil der Menschen im eher jugendlichen Alter vegan werden, ist die Zahl 500 sehr niedrig angesetzt. Dazu kommt der hier nicht berücksichtigte Schneeballeffekt: durch diese Veganer werden weitere Menschen vegan.
36  Stanger 2011, 9.
37  Ebd.
38  Urselmann 2007, 14f.
39  Haibach 2006, 240.
40  Fabisch 2006, 23.
41  Urselmann 1998, 68.
42  Wie Dan Mathews, Kampagnen-Leiter von PETA, sagte: „Die Hälfte unserer Mitglieder sind Vegetarier, die andere Hälfte denkt, es sei eine gute Idee.“ („Half of our members are vegetarian and half think it’s a good idea.“, Lowery 2003) – Abgesehen von dieser Aussage ist die Tatsache, dass die meisten Spender keine Veganer sind, auch ohne spezifische Statistiken kaum anzweifelbar. Fast alle Menschen in unserer Gesellschaft sind keine Veganer, jede Tierschutzorganisation muss daher zwangsläufig zum größten Teil auf Nicht-Veganer als Spender zurückgreifen (eine Rechtfertigung, das zu tun, stellt dies selbstverständlich nicht dar).
43  Zur Theorie der kognitiven Dissonanz vgl. den Überblick bei Frey/Gaska 1993.
44  Vgl. allgemein Kroeber-Riel et al. 2009, 231.
45  ‚Hauptsächlich‘, da andere Spendenmotive wie die Steigerung des Selbstwertgefühls oder Sozialprestige hinzukommen können.
46  Zur Systematisierung der Möglichkeiten und Methoden zur Dissonanzreduktion vgl. Städtler 2003, 551; die Spende betrifft vordergründig die Methode der „Vermehrung der Anzahl konsonanter Kognitionen“ (ebd.). – Weitere Ausführungen zur Dissonanzreduktion: Rudolph 2009, 151; Frey/Gaska 1993, 277. – Dazu gehört auch die allgemeine psychologische Tendenz, dass Menschen, die etwas Schlechtes getan haben, es durch etwas Gutes auszugleichen versuchen (vgl. Sachdeva et al. 2009). Das Gute, so suggerieren die Tierschutzorganisationen, sei es zu spenden und dadurch „den Tieren zu helfen“, nicht etwa, vegan zu werden.
47  Haibach 2006, 167.
48  Urselmann 2007, 14f.
49  Imran 2006, 24.
50  Fabisch 2006, 268.
51  Fundraising Akademie 2008, 252.
52  Steiner 2009, 63.
53  Schirk/Schneidereit 1995, 37.
54  Cooper 1994, 70f., zit. nach http://www.online-fundraising.org/spender-motive.html [23.11.2010].
55  Heidbüchel 2000, 35.
56  Jastram 2007, 18.
57  Vgl. Warwick 2001, 18.
58  Veganismus ist zum einen keine Ernährungsform, sondern ein Lebensstil, der auch weitere Bereiche neben der Ernährung umfasst – wer sich nur vegan ernährt ist kein Veganer, sondern Veganköstler. Zum anderen ist die vegane Ernährung nicht rein pflanzlich, da Pilze, Bakterien und anorganische Stoffe (Wasser, Salz usw.) keine Pflanzen sind, jedoch ein normaler (und notwendiger) Bestandteil einer veganen Ernährung.
59  „Screw the principle“, vgl. http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,2010180,00.html [23.08.2010]. Dazu passt, dass PETA (nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland und anderswo) sich für Kampagnen fast ausschließlich unveganer Prominenter bedient. Sie tragen „Leder“ und verteidigen dies (vgl. http://tierrechtsforen.de/1/168/7662 [15.04.2011]), machen sich über Veganismus lustig (vgl. http://tierrechtsforen.de/1/168/9338 [15.04.2011]), essen Fleisch (vgl. http://tierrechtsforen.de/1/168/9350 [15.04.2011] und http://tierrechtsforen.de/1/168/9469 [15.04.2011]) usw. Selbst die angeblich veganen Prominenten verzehren öffentlich Tierprodukte (vgl. http://tierrechtsforen.de/1/168/7417 [15.04.2011] und http://tierrechtsforen.de/1/168/9348 [15.04.2011]) oder tragen „Lederschuhe“ (vgl. http://tierrechtsforen.de/1/168/9342 [15.04.2011]), um nur einige Beispiele zu nennen. Diese in der Öffentlichkeit zur Schau getragene Inkonsequenz schadet dem Veganismus immens, was diese Tierschutzorganisation jedoch nicht stört.
60  Unter den Möglichkeiten zur Dissonanzreduktion ist dies der „Ersatz dissonanter Kognitionen durch entsprechende konsonante Kognitionen“ (Städtler 2003, 551), da geglaubt wird, „tierschutzgerechte“ Tierprodukte seien ethisch bedenkenlos; oder die Möglichkeit der „Veränderung der Relevanz oder Bedeutsamkeit konsonanter oder dissonanter Kognitionen“ (ebd.), da dem Konsumenten bewusst ist, dass auch diese Tierprodukte noch mit Tierleid verbunden sind, aber er glaubt, sie seien zumindest etwas besser.
61  Auch das entspricht den Methoden des Fundraisings: Unter den „Spenderwünschen“ zu Inhalten einer Webseite ist die Angabe der „Erfolge“ in einer Untersuchung die drittwichtigste Priorität (vgl. Patolla 2005, 188).
62  Schneider 1996, 99.
63  Jastram 2007, 18f.
64  Vgl. Pätzold 2010 und dortige Quellen.
65  In bestimmten Bereichen ist die Nutzlosigkeit des Reformismus bereits erkannt worden, z.B. bei Tierversuchen. Die werden fast immer komplett abgelehnt, selbst von alttierschützerischen Organisationen, und nicht zur Reformierung vorgeschlagen. Die Argumentation hört sich beispielsweise so an: „Wir, die Ärzte gegen Tierversuche, lehnen Tierversuche aus wissenschaftlichen und aus ethischen Gründen ab. Das tut die 3R-Philosophie nicht. [3R ist ein Konzept, das übersetzt hieße: Versuch, des Verminderns, Verbesserns und Vermeidens von Tierversuchen – Anm.] Sie akzeptiert die Methode Tierversuch als etablierte Standardmethode, die nur etwas modifiziert werden soll. Sicherlich kann man so die Zahl der „verbrauchten“ Tiere senken. Aber das greift nicht die Wurzel des Problems an. Die Wurzel des Problems ist der Tierversuch als Methode“ (Carstens 2010). Man beachte die letzten beiden Sätze und übertrage sie auf andere Bereiche der Tierausbeutung. – Das gängige Gegenargument, dass Tierversuche weniger stark akzeptiert seien als andere Bereiche, ist nicht anwendbar, denn die Feststellung lautet, dass es am effektivsten ist, Probleme an der Wurzel anzugehen, egal wie stark diese Probleme sein mögen.
66  West 2009, 53.
67  Eine Zusammenfassung u.a. bei Stevenson 2002, 4f., mit weiteren Quellen.
68  „Good welfare saves money!“, Meat Trades Journal, 10.08.1989, 20, zit. nach Fiddes 2001, 238 bzw. 285.
69  topagrar 2010.
70  „Improved welfare can lead to reduced production costs“, Stevenson 2002, 4.
71  Vgl. Zerbe et al. 2008, 56.
72  Vgl. Berk 2008, 123.
73  Vgl. Hofmann 2005, 556.
74  Vgl. Bordell et al. 2008.
75  Z.B. 64% Anteil an Direktkosten bei Masthühnern, vgl. Berk 2008 24.
76  Vgl. Roth et al. 2008, 108f.
77  Vgl. Hofmann 2005, 558.
78  Vgl. Knell/Hoy 2008, 231.
79  Platz et al. 2008, 238.
80  Vgl. Prunier et al. 2006; Bako/Bilkei 2004.
81  Z.B. bei Masthühnern mit einem Gesamtkostenanteil von 24%, vgl. Berk 2008, 24.
82  Borberg/Hoy 2008, 126.
83  Vgl. Stevenson 2002, 2f.
84  Fröhner et al. 2008, 222.
85  Vgl. u.a. Probst et al. 2008, 58.
86  Vgl. Neumann 2010.
87  Bako/Bilkei 2004, 344.
88  Lahrmann et al. 2008, 1030f. „tierschutzkonform“ im Original hervorgehoben.
89  Bielefeld 2006, 669f.
90  Vgl. Campbell 2007; Roest et al. 2009.
91  „Mr. Sechler and others promoting the new system said that they expected the meat to be of higher quality because the birds faced less stress and also there would be less bruising and broken wings when they died.“, Neumann 2010.
92  Vgl. Degen 2010 bzw. Oechsner 2010.
93  Vgl. Tabibnia et. al 2008.
94  Vgl. Mazar/Zhong 2010.
95  Loughnan et al. 2010. Zitiert nach http://www.kent.ac.uk/news/stories/meat-eaters-study/2010 [17.06.2010].
96  Vgl. Köhler 2005, 149.
97  Kroeber-Riel et al. 2009, 112, 135.
98  Becker et al. 1996, 267. Die eigene Untersuchung bestätigt das mit den Faktoren „schonender Transport, schonende Schlachtung“ und „artgerechte Tierhaltung“ auf Platz zwei und drei der wichtigsten Kriterien (ebd., 272).
99  Köhler 2005, 162
100  Bruhn 2002, 200. Vgl. auch Honkanen et al. 2006, 426.
101  Reuter et al. 2006, 25, vgl. auch 50f. Guido 2010, 20.
102  Warncke 2009, 59f., auch 82. Davor, also auf den Plätzen eins und zwei, liegen gesundheitliche Aspekte und Ähnliches.
103  Warncke 2009, 132, 142.
104  Spiller et al. 2004, 31 und 84, zit. nach Beukert 2009, 42.
105  Zusammengesetzt aus den beiden Einzelgruppen der „besorgten Tierschützer“ und der „tierschutzbewussten Fleischesser“, vgl. Spiller 2010, 12.
106  Beukert 2009, 62. Ungeachtet der Tatsache, dass der zweite Satz nur das Ziel dieser Marketingmethode beschreibt, nicht die Realität, da auch „Bio-Fleisch“ ethisch inakzeptabel ist.
107  Vgl. Bako/Bilkei 2004; Busch 2002; Busch 2008; Lahrmann et al. 2008; Bielefeld 2006; Lundström et al. 2009; Walker et al. 2004.
108  Vgl. Mertens 2006, 58.
109  Vgl. Stückelberger 2001, 210; ähnlich: Ruh 2004, 20. Betonung des Nutzens von „Unternehmensethik“ auch bei Leisinger 1997, 177.
110  „Our customers want to know that animals are treated well through the slaughtering process and we believe installing CCTV cameras is the best way to demonstrate that we have the highest possible standards.“, BBC 2010.
111  Beukert 2009, 73.
112  Köhler 2005, 189.
113  Im Falle des schon mehrfach erwähnten CAS ist der Wortlaut der Alternativen: „‚humanely slaughtered,‘ ‚humanely processed‘ or ‚humanely handled.‘“ (Neumann 2010).
114  Klein 2010.
115  Vgl. Spiller 2010, 24 bzw. 27.
116  Birner et al. 2001, 23.
117  Böckenhoff 1996, 70.
118  Zum „Aktionsplan für Tierschutz 2011-13“: Die EU „empfiehlt, dass die Angaben auf dem Etikett genau und klar sein sollten und auf die Erfüllung der hohen Tierschutzstandards der EU hinweisen sollten“ (EU-Parlament 2010, 8).
119  Vgl. Streck 2010, 42f.
120  „Humanely raised“ bzw. „Cage-free“, vgl. Context Marketing 2010, 5.
121  „Avoid inhumane treatment of animals“, vgl. Context Marketing 2010, 4.
122  WWF/SKS/STS 2010.
123  Alle Angaben nach www.label-online.de [26.06.2010], außer für das Label „Aktion Tierwohl“, das den Kriterien des Farm Animal Welfare Council (FAWC) folgt.
124  Vgl. Farm Sanctuary 2009.
125  Vgl. Clarke 2010.
126  Albert Schweitzer Stiftung 2010.
127  Vgl. Prescott 2007. Siehe dazu auch http://www.abolitionistapproach.com/peta-and-kfc-no-differences-of-opinion-about-how-animals-should-be-treated/ [05.03.2011].
128  „lowers product quality“, „which further decreases yield“; „increases product quality and yield“, „lowers labor costs“, „has other economic benefits“ (Prescott 2007, 1–2).
129  „Sow productivity is higher in group housing than in individual crates, as a result of reduced rates of injury and disease, earlier first estrus, faster return to estrus after delivery, lower incidence of stillbirths, and shorter farrowing times“ (HSUS 2006, 1); „The SVC further estimates that the total cost per piglet sold is 0.6-percent lower in group ESF systems, while the income to the piglet farmer is 8-percent higher, because of increased productivity.“ (ebd., 2). Beispiel und Übersetzung von http://abolitionismusabschaffungdertiers.blogspot.com/2008_04_01_archive.html [10.03.2011]. Zu diesem und weiteren Beispielen siehe auch Francione/Garner 2010, 35–40.
130  VgT-Sprecherin Elisabeth Sablik bei einer Diskussionsrunde mit u.a. österreichischen Schweinezüchtern: „Sie geht sogar davon aus, dass ein Kastenstandverbot trotz höherer Produktionskosten nicht zu einer Wettbewerbsverschlechterung führt, sondern es zu einer „Win-win-win-Situation“ für alle Beteiligten komme, weil die Bauern für ein höherwertiges Produkt auch bessere Preise erzielen könnten.“ (F.G. 2011) Ebenso wird auf der Webseite die ökonomischen Vorteile für die Tierausbeuter hingewiesen: „Aus diesen Ergebnissen wurde geschlossen, dass sich die Mutterschweine ohne Abferkelgitter wohler fühlten, und daher mehr aßen und auch mehr Milch produzierten. Letztendlich überlebten mehr Ferkel in Buchten ohne Abferkelgitter als in Buchten mit. […] Ein ähnliches Ergebnis erhielt N. Dunn 2005, Positive aspects of no-crate farrowing, Pig Progress 21, no7 20-3. Laut dieser Studie war die Mortalitätsrate der Ferkel in Schmidbuchten in der Schweiz ohne Abferkelgitter am 32. Lebenstag der Ferkel mit 11,3% geringer als mit Abferkelgittern mit 12,2%.“ (http://vgt.at/actionalert/kastenstand/index.php [11.06.2011])
131  Es handelt sich um die „Great American Lamb Company (Newbury, OH)“, vgl. Ohioans for Humane Farms 2010.
132  Wie im Falle von „Toni“ von „Toni’s [sic] Freilandeier“, dessen Mitgliedschaft beim VgT Österreich diesem einen extra Hinweis wert war (http://www.vgt.at/presse/news/2009/news20091223m_2.php [Dez. 2009, inzwischen gelöscht]).
133  Vgl. Pätzold 2010 und dortige Quellen.
134  Vgl. Yates 2008 und dortige Quellen.
135  Vgl. fm 2010. In Deutschland vergeben von der „Albert Schweitzer Stiftung“.
136  Errechnet anhand einer Legeleistung (Bodenhaltung) von 250 Eiern im Jahr, sowie einem männlichen Küken pro Henne.
137  CIWF 2010.
138  Vgl. http://www.peta.org/feat/proggy/2004/winners.html#visionary [Aug. 2009, inzwischen gelöscht].
139  Vgl. Spiller 2010, 23.
140  „‚Humane‘ was consistently the top-ranked choice among respondents when asked to choose products that were identical except for the standards, according to a survey of 1,000 households and five focus groups by the Center for Agroecology and Sustainable Food Systems at the University of California. Over 30% of survey respondents chose ‚humane‘ in every comparison among five standards. (Center Research Brief #5, Winter 2005).“, http://www.certifiedhumane.org/producers/whyproduce.html [01.05.2010; inzwischen gelöscht].
141  Ein anderer Vorschlag findet sich bei Francione 1996, 192–211. Zwischen diesem und dem hiesigen Vorschlag finden sich – zwangsläufig – Übereinstimmungen in den Grundzügen.
142  Dies ist so formuliert, weil relevant hier weniger die Zugehörigkeit innerhalb der biologischen Taxonomie ist (also wie stark welche Spezies biologisch verwandt sind), sondern die Wahrnehmung der Bevölkerung. Denn hier geht es um die psychologische Wirkung und Argumentation, nicht um Biologie. So sind Bankivahühner (die zur Eierproduktion genutzt werden) biologisch näher mit Pfauen (die z.B. in Zoos gehalten werden) verwandt (beide gehören zur biologischen Familie der Fasanenartigen), als Lemuren biologisch mit Schimpansen verwandt sind, da sie lediglich die gleiche biologische Ordnung (Primaten) teilen. Lemuren und Schimpansen werden jedoch eher unter dem Begriff „Affe“ assoziiert, als Bankivahühner und Pfauen unter dem Begriff „Hühner“ (bzw. „Hühnervögel“). Bankivahühner und Pfauen sind daher argumentativ gesehen keine assoziierte Gruppe, Lemuren und Schimpansen sind eine assoziierte Gruppe.
143  Im Einzelfall muss geklärt werden, inwiefern (in diesem Fall) die Unterarten von Tierversuchen (Tierversuche für Kosmetik, für Medizin, für Psychologie und für Militär) so stark abgrenzbar sind, dass insgesamt eine einzelne Nutzungsart vorliegt, deren Abschaffung trotz Beibehaltung der anderen sinnvoll wäre.
144  Ein positives Beispiel unter http://schweizer-fleis.ch/butteristmord [04.03.2011].

Veröffentlicht Juli 2011


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