Werner Paczian

Universelles Leben

Erobert eine Sekte den Biomarkt?

Die totalitäre Sekte Universelles Leben arbeitet an einem "Urchristenstaat". Über verschiedene "Christusbetriebe" expandiert sie auf dem Biokost-Markt.

Elfriede Windhorst öffnet die Tür zu ihrem riesigen Gewächshaus und zeigt stolz Brokkoli, Bohnen und Blumenkohl. "Wir bauen alles kontrolliert ökologisch an", sagt die alte Frau. Neben dem Bio-Gütesiegel ist das Gemüse quasi auch noch mit einem göttlichen Stempel versehen, denn Elfriede Windhorst hält sich für eine Auserwählte. Sie gehört dem Universellen Leben (UL) an, einer "urchristlichen" Sekte. Da ist es nur konsequent, daß Frau Windhorst ihre Gärtnerei in Hettstadt nahe Würzburg einen "Christusbetrieb" nennt. Plötzlich schaut sie durch das Glasdach gen Himmel und sagt mit verklärter Stimme: "Gabi hat am 1. Mai bei uns Geranien gekauft. Sie ist ein Mensch wie du und ich."

Letzteres stimmt nicht ganz. Gabi ist vor allem damit beschäftigt, ein "Neu-Jerusalem", einen "Urchristusstaat" zu errichten. Das ist zwar mühsamer als Gemüse anzubauen, aber auch ertragreicher. Denn bevor Gabis Anhänger die himmlische Bleibe erreichen, müssen sie meist noch für die irdischen Konten des von ihr gegründeten Universellen Lebens arbeiten. Die werden zum Beispiel über den großangelegten Verkauf von Bio-Waren gefüllt. Hinter dem Geschäft steckt "ein unmenschliches, raffgieriges Unterdrückungssystem" urteilt Wolfgang Behnk, Sektenbeauftragter der Evangelischen Kirche in Bayern. Kennzeichnend für das Universelle Leben seien die "systematische Expansion" und eine ,lnfiltrationsstrategie". Eine Einschätzung, die das Universelle Leben ganz anders sieht: "Wir glauben, daß wir auf Erden sind, um uns im täglichen Umgang mit unseren Mitmenschen selbst zu erkennen und unsere Fehler zu überwinden, um wieder Gott näher zu sein" heißt es auf der Internet-Homepage der Sekte.

Gabi heißt mit richtigem Namen Gabriele Wittek und ist "Prophetin". Behauptet sie jedenfalls. Und daß sie das Wort Gottes verkünde. Der offenbarte sich ihr erstmals 1975 in Form des "Heiligen Geistes". Danach meldete sich Jesus höchstpersönlich bei ihr. Was er zu sagen hatte, verriet Gabi den Menschen. Als immer mehr kamen, der "Prophetin" zu lauschen, mag Gabi sich gefragt haben: "Was tun mit dem Volk?"

Da traf es sich gut, daß Gott anscheinend der Sinn nach frischer Landluft stand. Glaubt man den sekteneigenen Schriften, soll er am 31. Oktober 1982 seiner "Prophetin" Gabi wörtlich anvertraut haben: "Mein nächstes Anliegen wäre ein Bauernhof. Dort will Ich das Manna vom Himmel regnen lassen und eure Felder bewässern, eure Felder bestellen." Eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Gabi-Jünger. Was folgte, war ziemlich weltlich. "Gottes" -Höfe, dazu Lebensmittel verarbeitende Betriebe, schossen wie Pilze aus dem Boden. Die meisten zu Füßen der selbsternannten "Prophetin", im Großraum Würzburg, wo Dutzende von "Christusbetrieben" existieren. Zu dem verschachtelten Firmenimperium gehören Bäckereien und Mühlen, ein "Apostel Kräuter-Versand", ein "Vegetarisches Speiseland", "Spessart's Natur-Supermärkte", Second-Hand-Läden, eine Natur-Klinik und -Apotheke sowie ein riesiges Einkaufszentrum namens "Alles für Alle". Die Sekte Universelles Leben bestreitet, mit den genannten Firmen etwas zu tun haben, und hat - rein formal betrachtet - sicher recht (siehe hierzu gesondertes Interview).

Der Allmächtige stand seinerzeit offenbar auf Bio, die "göttlichen" Farmen jedenfalls werden "kontrolliert ökologisch" bewirtschaftet. Die Produkte tragen neben dem Gütesiegel des ökologischen Anbauverbandes ANOG das Signet "Gut zum Leben" (GzL). "Mit dem Lebensbaum in unserem Zeichen wollen wir die Verwurzelung zur Natur zum Ausdruck bringen", erklärt Hans Kinter, einer der Geschäftsführer von GzL." Unsere Höfe arbeiten zum Beispiel mit der traditionellen Dreifelderwirtschaft und verzichten ganz auf Gülle."

Bereits in 61 deutschen Städten und Gemeinden gibt es Produkte von "Gut zum Leben"

Die GzL-Betriebe arbeiten recht ertragreich. Offen bar problemlos werden Millionenbeträge als Kapital in einzelne "Christusbetriebe" gesteckt. Im April dieses Jahres beispielsweise wurde unter "Amtliche Anzeigen" in der "Mainpost" mitgeteilt, die Gut zum Leben Gesellschaft für den Vertrieb von biologischen Erzeugnissen mbH in Amstein habe ihr Stammkapital um 3,88 Millionen Mark erhöht. Die Mittel kämen von der Vereinigten Chnstusbetriebe Holding GmbH im Universellen Leben. Letztere hatte ihr Stammkapital mit Beschluß vom 9. Februar 1996 in einem Schritt von 50000 auf 20 Millionen Mark erhöht.

Die GzL-Betriebe spielen beim Machtausbau der Sekte eine zentrale Rolle. Zwar kontrolliert GzL nur einen kleinen Teil des gesamten Biohandels. Nach Berechnungen der "Bürgerinitiative gegen die Vorhaben des Universellen Lebens" decken GzL-Betriebe aber auf etlichen Wochenmärkten im süddeutschen Raum einen großen Warenanteil ab. Ein Versandhandel mit GzL-Ware ergänzt das Geschäft.

Werbeprospekte weisen auf "Die Güter Neu-Jerusalem", hinter denen die UL-Sekte steckt.

Nach Mitteilung der Münchner Tageszeitung "AZ" sollen die Bio-Bibelbauern "rund 60 Millionen Mark" über die "Gut zum Leben "-Höfe und -Firmen erwirtschaften. Dabei steuern "göttliche" Anweisungen den irdischen Geldstrom. Per lnternet verkündet eine GzL-Homepage, was mit überschüssigem Vermögen und dem Erbe von Sektenjüngern passieren soll: "Leben Menschen die Gebote Gottes", tragen sie "ihre finanziellen Mittel und Talente zusammen". Und ein Sektenbuch lehrt: "Ein Urchrist soll sein Vermögen dem Gemeinwohl zur Verfügung stellen."

Die Aussteigerin Ursula Bahr hat das Sektensystem von innen erlebt, das nach einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs von 1993 ungestraft als "totalitär" eingestuft werden darf. Über ihre Arbeit in der Gärtnerei äußert sie sich heute so: "Ich mußte den ganzen Tag schuften und wurde rund um die Uhr kontrolliert und gemaßregelt."

Weil ökologischer Landbau viele Arbeitskräfte benötigt, ist er für die Sekte ideal geeignet. Billige Helfer gibt es in den eigenen Reihen. Regelmäßig werden sie sanft ermahnt, in den "Christusbetrieben" für Gotteslohn zu malochen, im Sekten-Jargon: zu "bienen". So suchte die Apostel-Apotheke "1 Biene", der Bauernhof Büchold "viele Erntehelfer (Bienen)", der Kräuterhof "Bienen für Land- und Hauswirtschaft". Bei Versammlungen werden Sektenanhänger aufgefordert zu "bienen", wie Aussteiger bezeugen. Dank der billigen Arbeitskräfte können die Waren auf entlegenen Märkten in ganz Süddeutschland angeboten werden. Geringe Personalkosten gleichen die hohen Fahrtkosten aus. UL-Manager Karl Köbler frohlockte seinerzeit über den ersten Sektenhof, es sei der erste Betrieb auf Erden, "der unmittelbar nach den Weisungen des Gottesgeistes geführt wird".

Die himmlische Führung verstrickte sich rasch in den irdischen Bestimmungen, die für den Bioverkauf gelten. Beim Anbauverband Bioland, zu dem der erste GzL Betrieb gehörte, erhärtete sich 1989 der Verdacht, die Sektenverkäufer hätten mehrfach mit falsch deklarierten Waren gehandelt. Um einem Rausschmiß zuvorzukommen, beendeten die GzLer von sich aus die Mitgliedschaft.

Nur wenige Tage später wurden sie von einem anderen Anbauverband aufgenommen, der ANOG. "Wer woanders rausfliegt, landet bei der ANOG, weil sie händeringend Beitragszahler sucht", kommentiert ein Branchen-Insider, der ungenannt bleiben möchte. Ein Vorwurf, den die ANOG unter Hinweis auf ihre strengen Kriterien an eine ökologische Betriebsführung bestreitet.

Als Ende 1996 der hessische Bioland-Geschäftsführer Peter Schaumberger bei der ANOG anfragte, wieviel Einfluß die Sekte bereits gewonnen hätte, antwortete der ANOG-Vorsitzende Willy Hommer, er sei "verärgert, daß Sie sich mit innerverbandlichen Angelegenheiten der ANOG auseinanderzusetzen versuchen". ANOG-Geschäftsführer Michael Morawietz beschwichtigte:

"Von unseren über 100 Mitgliedern gehören nur sechs dem ,Gut zum Leben' an." Eine Unterwanderung durch die Sekte sieht Morawietz nicht.

Entweder schwindelt Morawietz oder auf einer GzLHomepage im Internet werden Lügen verbreitet. Dort heißt es: "Alle unsere Höfe, Gärtnereien und Produktionsbetriebe erfüllen als ANOG-Mitglied" die Öko-Standards. Anschließend werden 14 - und nicht nur sechs - "Christusbetriebe" aufgelistet. "Ohne deren Beiträge wäre ANOG längst pleite. Die GzL-Betriebe zahlen fast die Hälfte des Jahresetats", berichtet ein weiterer Insider, der ebenfalls anonym bleiben möchte. "Inzwischen treten die Vertreter von Gut zum Leben bei ANOG-Versammlungen massiv in Erscheinung."
(Die ANOG wollte sich zu den Beiträgen der GzL-Betriebe nicht äußern. Siehe hierzu das natur-Interview)

Umgekehrt loben die GzLer ihren Bio-Verband über den grünen Klee. Manchmal verstoßen die Christusarbeiter" dabei gegen die zehn Gebote. Laut GzL-lnfo ist ANOG "neben Bioland, Demeter und Naturland einer der großen Anbauverbände". Stark übertrieben. ANOG hat gerade 102 Mitgliedsbetriebe, Bioland mehr als das Dreißigfache. Die Fläche aller ANOG-Betriebe erreicht nicht einmal 3900 Hektar, bei Bioland sind es über 100000 und bei Demeter mehr als 46000 Hektar. Aber: "Wenn's der Sache dient, dürfen wir lügen", meinte schon 1988 UL-Manager Moese vor mehreren Zeugen in Hettstadt bei einem "Aufklärungsvortrag über die Glaubensgemeinschaft".

Offenheit scheint ohnehin keine Stärke die "Urchristen" zu sein. Wer versucht, hinter die
Fassade der Sekte zu schauen, wird gnadenlos eingeschüchtert. Zuständig dafür ist der eigene Sicherheitsdienst, dessen Mitglieder sich die "Gewappneten" nennen und rund um das Würzburger UL-Hauptquartier patrouillieren. Dort wird die Anhängerschar bei den sonntäglichen Treffen auf Linie getrimmt, indem sie Verhaltensregeln und Gottesbotschaften direkt ins Notizbuch diktiert bekommt. Damit auch der letzte Gabi-Jünger auf GzL-Produkte um steigt, werden diese beim Spektakel in Würzburg verteilt-als Kostprobe und äußerst werbewirksam: "Schwester und Brüder verschenken jetzt ,Gut zum Leben'-Ware."

Bei soviel Betriebsamkeit leidet bisweilen die Umwelt. Der Kräuterhof Höhefeld stellte zum Beispiel den Antrag, die Wasserförderung eines Tiefbrunnens von 7400 auf 30000 Kubikmeter jährlich zu erhöhen. "Eine so große Wassermenge entspricht dem Verbrauch der gesamten restlichen Ortschaft", meinte der Ortschaftsrat von Höhefeld. "Der Tiefbrunnen ist für die Wasserversorgung nachteilig, ja sogar gefährlich."

Nach Meinung von Hans-Walter Jungen, Autor des Buches "Universelles Leben: Die Prophetin und ihr Management", sind die "Urchristen" keine "Glaubensgemeinschaft", wie sie sich selbst bezeichnen, sondern "eine Gruppe, die eher die Züge einer totalitären, geldgierigen Wirtschafts-Sekte trägt". Ein Blick ins Würzburger Branchenverzeichnis gibt ihm womöglich recht. Der Verein Universelles Leben e.V., der wiederum formaljuristisch von der Sekte Universelles Leben unabhängig ist, ließ sich nicht unter Religionsgemeinschaften, sondern unter "Wirtschafts- und Berufsverbände" eintragen.


Auf den Wochenmärkten

Produkte von Gut zum Leben werden vor allem auf Wochenmärkten, zum Teil auch in festen Läden verkauft. Die Produkte sind mit dem Logo des Unternehmens "Gut zum Leben" gekennzeichnet

In diesen Städten gibt es Stände oder Filialen:

Alzenau, Altfeld, Augsburg, Bad Hersfeld, Bad Neustadt, Bamberg, Bayreuth, Bergisch Gladbach, Böblingen, Bochum, Büdingen, Coburg, Darmstadt, Erlangen, Eschbom, Essen, Frankfurt a.M., Friedburg, Fulda, Fürth, Gelnhausen, Gießen, Hanau, Haan, Heilbronn, Gelsenkirchen-Buer, lnggolstadt, Karlsruhe, Karlstadt, Kronach, Langen, Lauterbach, Limburg, Ludwigshafen, Mainz, Mannheim, München, NeuIsenburg, Neustadt, Neuwied, Nümberg, Offenbach, Oberhausen, Pforzheirn, Ratingen, Rastatt, Reutlingen, Rüsselsheim, Schwalbach, Schweinfurt, Seligenstadt, Sindelfingen, Stuttgart, Tübingen, Walldorf, Wertheim, Wetzlar, Wiesbaden, Würzburg, Wuppertal.


natur - Interview

Majorisierung ausgeschlossen

Ist der BIO-Anbauverband ANOG von der UL-Sekte unterwandert? Natur fragte bei ANOG nach.

Willi Hommer ist Vorstandsvorsitzender der Anog.

natur: Wie viele "Gut zum Leben"-Höfe und Verarbeitungsbetriebe gehören ANOG an?

Hommer: Gültige Verträge haben fünf landwirtschaftliche Betriebe, die unter dem Label "Gut zum Leben" ihre Produkte vermarkten. Die entsprechenden Verarbeitungsbetriebe sind ebenfalls vertraglich gebunden. Die vertragliche Bindung beinhaltet, daß die Verbandssatzung beachtet wird und vor allen Dingen die gültigen ANOG-Erzeugerrichtlinien eingehalten werden.

natur: Wieviel Prozent der ANOG-Mitgliedsbeiträge stammen von " Gut zum Leben""-Betrieben?

Hommer: Haben Sie bitte Verständnis dafür, daß wir zu finanziellen Belangen keine Angaben machen. In der Satzung ist jedoch festgelegt, daß ein Einzelmitglied nur eine begrenzte Anzahl von Stimmen auf sich vereinigen kann, so daß eine Majorisierung des Vereins durch Großbetriebe ausgeschlossen ist.

natur: Stört es ANOG, daß "Gut zum Leben "-Betriebe einer Sekte nahestehen?

Hommer: Vertragliche Bindungen bestehen nur zwischen landwirtschaftlichen Unternehmen und ANOG. Die geistige, politische und glaubensrelevante Ausrichtung eines Mitglieds wird nicht überprüft.

natur: Können Sie es akzeptieren, daß im "Gut zum Leben ",-Katalog gleichzeitig für die Sekte Universelles Leben und für ANOG geworben wird?

Hommer: Alle Mitgliedsbetriebe haben die vertraglich vereinbarte Möglichkeit, mit dem ANOG-Warenzeichen für ihre Produkte zu werben.

natur: Ist ANOG über "Gut zum Leben "-Betriebe vom Universellen Leben unterwandert?

Hommer: Von über 100 landwirtschaftlichen Unternehmern bewirtschaften gerade fünf Landwirte Höfe, die Gut zum Leben angeschlossen sind. Der ANOG-Verband ist ein nach den gesetzlichen Vorgaben eingetragener Verein und demokratisch strukturiert.


natur - Interview

"Niemand wurde ausgebeutet"

Die Firmenleitung von Gut zum Leben behauptet, unabhängig vom Universellem Leben zu sein.

Rechtsanwalt Dr. Christian Sauer berät die Firma Gut zum Leben.
Er beantwortete die Fragen von natur.

natur: Wieso wird an den "Gut zum Leben"-Marktständen nicht deutlich darüber aufgeklärt, daß die Betriebe dem Universellen Leben zuarbeiten?

Sailer: Eine solche Aufklärung wäre gar nicht zulässig. Sie wäre überdies unrichtig, da die Marktstände nicht dem Universellen Leben zuarbeiten, sondern einer selbständigen Firma gehören, die nicht im Besitz der Glaubensgemeinschaft steht, die keine Firmen besitzt. Die einzige Beziehung zur Glaubensgemeinschaft besteht darin, daß ein Großteil der Mitarbeiter der Firma Gut zum Leben - keineswegs alle - sich zu den Lehren der Gemeinschaft der Urchristen im Universellen Leben bekennen. Warum muß man darüber die Verbraucher aufklären? Was würden Sie sagen, wenn man von katholischen oder evangelischen Standbesitzern verlangen würde, ihre Glaubenszugehörigkeit zu nennen?

natur: Ehemalige Mitarbeiter von "Gut zum Leben"-Höfen behaupten, sie seien dort finanziell ausgebeutet und einer totalen Kontrolle unterworfen worden.

Sailer: Daß irgendein ehemaliger Mitarbeiter von Gut zum Leben behauptet, er sei dort finanziell ausgebeutet oder einer totalen Kontrolle unterworfen worden, kann sich hier niemand vorstellen. Die Firma Gut zum Leben wäre Ihnen dankbar, wenn Sie Namen und konkrete Sachverhalte nennen würden. Ich kann mich nicht ganz des Eindrucks erwehren, daß Sie hier den Verleumdungen eines bestimmten Sektenbeauftragten auf den Leim gegangen sind.

natur: In welcher finanziellen und rechtlichen Beziehung stehen "Gut zum Leben"-Höfe und Betriebe wie Mühlen und Bäckereien zum Universellen Leben?

Sailer. Die Firma Gut zum Leben steht so wenig wie andere Betriebe in finanzieller oder rechtlicher Beziehung zum Universellen Leben. Die Glaubensgemeinschaft ist bei keinem Betrieb beteiligt, der von Angehörigen der Glaubensgemeinschaft gegründet wurde.


Kommentar (von natur-Autor Werner Paczian)

ABSTIMMUNG AM MARKTSTAND

Biologischer Landbau ist immer noch ein zartes Pflänzchen. Keine drei Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland werden ohne Gifte beackert. Wenn der begrenzte Biomarkt klammheimlich von einer totalitären Sekte untergraben wird, kann dies der ganzen Branche schweren Schaden zufügen. Wenn ein Kunde erkennt, daß er unwissend sein Biogemüse bei Betrieben gekauft hat, die von einer Sekte beeinflußt werden, steigt er womöglich wieder auf konventionelle Produkte um. Denn erstens versuchen angebliche "Religionsgemeinschaften" mit allen Mitteln zu expandieren, und zweitens werden die Verbraucher verunsichert. Der ökologische Anbauverband ANOG, bei dem die GzL-Betriebe untergeschlüpft ist, sollte deren Mitgliedschaft überdenken. Nur ein radikaler Schnitt kann verlorenes Vertrauen zurückbringen.

Ein konsequenter Kampf gegen die Macht der Sekte auch auf dem Biomarkt hat nichts damit zu tun, bestimmten Leuten ihre Religionsfreiheit zu verwehren. Was Anhänger des Universellen Lebens glauben und anbauen, ist allein ihre Sache. Zu einer gesellschaftspolitischen Angelegenheit wird die Sekte allein dadurch, daß ihr religiöser Eifer totalitäre Züge trägt. Hätte sie nichts zu verbergen, könnte sie getrost offen darüber informieren, daß hinter den "Gut zum Leben" -Produkten Anhänger einer Glaubensgemeinschaft stecken.

Die Abstimmung, ob beim Kauf von Biogemüse nur unsere Umwelt geschont wird oder auch einer Sekte nahestehende Betriebe miffinanziert werden, findet auf den Wochenmärkten statt.


Quelle: natur Nr. 12, 1997
URL: http://antispe.de/txt/gzlnatur.html auf antiSpe.de