Wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen

Kennt ihr den Michel? Nicht den Michel aus Lönneberga, sondern den Michel vom Schloss in Ottenhausen. Der ist unser großer Freund. Er ist Jäger und nimmt uns mit in den Wald. Dort zeigt er uns, was in einer Jagd alles zu tun ist. Eine Jagd ist ein Revier, in dem ein Jäger nach dem Rechten schaut. Beispielsweise ob die Tiere gesund sind oder dass es nicht zu viele von einer Art gibt und auch, dass sie im Winter genügend zu fressen haben. Wir fragten ihn, warum man Rehe überhaupt füttern muss. Und er erzählt. "Wisst ihr, die Bäume im Wald sollen, wenn sie groß sind, gefällt und verarbeitet werden. Wenn aber das Rehwild im Winter bei Schnee und Eis nicht mehr an das normale Futter kommt, dann frisst es die Triebe, Knospen und Spitzen der man Verbiss. Da kann sehr großer Schaden entstehen. Wir haben in unserem Revier über 1000 Rehe - Geißen, Ricken und Böcke, da könnt ihr euch denken, was die so wegfressen Deshalb füttern die Jäger und Förster im Winter." Weiter fragten wir, was die , Rehe zu fressen bekommen. "Wir machen im Herbst ein Gemisch", erklärt unser Michel, "wir nehmen Apfeltrester, ganze Haferkörner, Sojaschrot und mischen etwas Futterkalk darunter. Die Mischung füllen wir mit Schaufeln und Eimern in große Plastikfässer und da vergärt sie. Dabei darf nichts mit den Händen berührt werden, weil die Rehe das riechen. Das gilt auch beim Umfüllen in die Krippen und Kästen im Wald, das Futter wird dort hineingeschüttet. Warum kommt ihr zwei nicht mal mit?" lädt er uns ein.

Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Am Samstag stehen wir pünktlich auf dem Hof, schleppen Eimer und laden sie ins Auto. Sieben Futterstellen haben wir zu versorgen. Die liegen mitten im Wald, nahe bei Wildwechseln. Überall werden zehn bis 20 Kilo Futter eingeschüttet. Etwa zwei Stunden sind wir unterwegs. Wir schwitzen ganz schön bei der Schlepperei über Stock und Stein, durch Matsch und über Baumstämme. Und was passiert? Gleich auf dem Weg zur ersten Futterstelle passt einer nicht auf und platsch fallen wir der Länge nach hin. Da ist der halbe Eimer ausgeschüttet. "Das ist mir auch schon mal passiert", tröstet uns Michel und lacht. "Beim nächsten Mal könnt ihr das sicher schon besser. Vielleicht sehen wir dann ja auch, dass die Rehe schon in der Deckung stehen und auf das Futter warten." Das wäre toll.


Quelle: Standpunkte. Das evangelische Magazin, Nr. 1/2000, S. 38
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